About the Author(s)


Christoph W. Stenschke Email symbol
Department of Biblical and Ancient Studies, University of South Africa, City of Tshwane, South Africa

Citation


Stenschke, C.W., 2019, ‘“Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre” (1 Timotheus 2:12): Exegese – Hermeneutik – Kirche’, HTS Teologiese Studies/Theological Studies 75(3), a5364. https://doi.org/10.4102/hts.v75i3.5364

Note: The collection entitled ‘Eben Scheffler Festschrift’, sub-edited by Jurie H. le Roux (University of Pretoria) and Christo Lombaard (University of South Africa).

Original Research

‘Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre‘ (1 Timotheus 2:12): Exegese – Hermeneutik – Kirche

Christoph W. Stenschke

Received: 12 Dec. 2018; Accepted: 03 Apr. 2019; Published: 29 Nov. 2019

Copyright: © 2019. The Author(s). Licensee: AOSIS.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License, which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original work is properly cited.

Abstract

This article is an exercise in combining the exegesis, hermeneutical issues and application of 1 Timothy 2:12 in ecclesial contexts where this prohibition is still taken seriously as a Pauline injunction or, at least, as part of the canon of the Church. It surveys representative proposals in New Testament studies of dealing with this least compromising assertion regarding the teaching of women in early Christianity. It discusses the hermeneutical issues involved in exegesis and application and how one should relate this prohibition to other New Testament references to women and their role in the early Christian communities. In closing, the article discusses whether and how this assertion can still be relevant in contemporary contexts when and where women have a very different role in society and church.

Keywords: Paul; 1 Timothy; Role of Women in Early Christianity; role of women in contemporary Christianity, hermeneutics; application of scripture, ordination of women, gender issues.

Einleitung

In der nun weit mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden Debatte um die Rolle von Frauen in christlichen Gemeinden in der westlichen Welt hat diese Aussage aus dem 1 Timotheusbrief eine wichtige Rolle gespielt. Oft ist sie zur wichtigsten Stelle zu diesem Thema erklärt worden. Hier steht doch ganz absolut und deutlich formuliert: ‘Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehrt.’ Und was in der Schrift steht, das gilt, ob es nun an mehreren Stellen ausgesagt wird oder an einer Stelle. Eine ganze Reihe anderer wichtiger Aussagen, die unumstritten sind, finden sich schließlich auch nur an einer Stelle!

Bei der Bewertung dieser Aussage ist der Ausgangspunkt von großer Bedeutung. Man kann von dieser – auf den ersten Blick so deutlichen – Aussage her alle anderen neutestamentlichen Stellen zur Rolle von Frauen verstehen. Freilich werden dann die ‘scheinbaren’ Ausnahmen, die sich an anderen Stellen finden, erklärungsbedürftig. So werden etwa im Titusbrief ältere Frauen aufgefordert, jüngere Frauen anzuhalten ‘dass sie ihre Männer lieben, ihre Kinder lieben, besonnen seien, keusch, häuslich, gütig und sich ihren Männern unterordnen, damit nicht das Wort Gottes verlästert werde’ (2:4–5; vgl. auch 2 Tim 1:5; 3:14–15). Neben einem Lehrverbot gibt es also ein deutliches Lehrgebot für Frauen im Neuen Testament. Relativiert diese Stelle das Verbot von 1 Timotheus 2:12? Kann oder muss man dann betonen und ergänzen, dass die eine Aussage für die Gemeinde gilt oder für Versammlungen, bei denen Männer anwesend sind, während sich andere Stellen auf den häuslichen und privaten Kontext beziehen? Geht es nur um eine bestimmte Art von Lehre in bestimmten Ämtern?

Oder man kommt von anderen Texten her zum Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12. Bestimmt man etwa als die neutestamentliche Schlüsselthese zu diesem Thema die Aussage in Galater 3:28 ‘hier ist nicht Mann noch Frau, denn ihr seid allesamt einer in Christus’, wird man in der Regel schließen, dass das Verbot in 1 Timotheus 2:12 nicht allgemeingültig gemeint sein kann und unterschiedliche Gründe dafür anführen.

Für ein Vorgehen, das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 als Ausgangspunkt zu nehmen, von dem her andere Aussagen zu verstehen sind, spricht zunächst, dass diese Stelle gerade nicht mit bestimmten Entwicklungen im Umfeld oder mit der damaligen Kultur argumentiert, sondern mit der ‘Schöpfungsordnung’ (was immer man genau darunter versteht),1 beziehungsweise mit Unterschieden im Sündenfall: ‘Denn [als Begründung für das unmittelbar voranstehende Verbot] Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen’ (1 Tim 2:13–14).

Gegen dieses Vorgehen, das Lehrverbot von 1 Timotheus 2:12 als die Schlüsselaussage zu diesem Thema anzusehen, spricht, dass andere Stellen im Neuen Testament durchaus davon ausgehen, dass Frauen reden dürfen (in der Gemeinde und anderswo) beziehungsweise anderweitig eine aktive Rolle innehatten. So schreibt etwa Blomberg (2006):

Methodologically, one should not treat Paul’s didactic passages on gender roles in isolation from merely descriptive material. What did women actually do in the Pauline mission – actions for which Paul was grateful? (S. 291).2

Wenn der Fokus auf dem Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 liegt, darf – spätestens bevor die Frage nach der heutigen Bedeutung gestellt wird – dieses größere Bild nicht ausgeblendet werden.

Zudem ist zu beachten, dass dieser Abschnitt enorm komplex ist und sich auch die Forschung in der Auslegung und Bewertung keineswegs einig ist. Daher ist zumindest Vorsicht bei der Auslegung geraten und bei dem Versuch, von dieser Stelle aus die Rolle von Frauen zu beschreiben oder zu reglementieren. ‘If any, this passage complicates matters because the exegetical questions are so complex.’3 Bevor ich zur eigentlichen Zusammenfassung des Gedankengangs in 1 Timotheus 2 und einer knappen Auslegung komme, sind einige Vorbemerkungen nötig.

Im Folgenden spreche ich aus zwei Gründen gelegentlich vom Verfasser des 1 Timotheusbriefs als Paulus. Zum einen gibt es nach wie vor namhafte Exegeten, die an der Abfassung des 1 Timotheusbriefs durch Paulus festhalten.4 Diese Minderheit und ihre Argumente dürfen nicht ignoriert werden. Zum anderen spielt die Verfasserschaft des 1 Timotheusbriefs für unsere spezielle Fragestellung nur eine untergeordnete oder keine Rolle. In den kirchlichen Kreisen, die das Lehrverbot nicht pauschal als überholt ablehnen (teilweise, aber nicht durchgehend, in Kombination mit der deuteropaulinischen Verfasserschaft als wissenschaftlicher Begründung neben anderen), sondern es reflektiert und angemessen aktualisieren wollen, geht man in der Regel von Paulus als dem Verfasser des 1 Timotheusbriefs aus, beziehungsweise genügt es, dass der Brief zum kirchlichen Kanon gehört und von daher nicht ignoriert werden kann. In anderen kirchlichen Kontexten spielt das Lehrverbot praktisch keine Rolle mehr.

Aufgrund seiner eigenen, teilweise längeren Aufenthalte in Ephesus (Apg 18:19–21; 19:1–20:1)5 und des dichten Netzes an übergemeindlicher Kommunikation, das die Briefe des Neuen Testaments bezeugen (vgl. Stenschke 2013:185–228; Thompson 1998:49–70), war der Verfasser über die Situation der Gemeinden in Ephesus informiert.6 Auf dieser Grundlage werden konkrete Anweisungen gegeben. Anders als der beziehungsweise die Empfänger des Briefs kennen heutige Leser diese Situation nicht oder können sie nur indirekt aus den Aussagen des 1 Timotheusbriefs rekonstruieren. Ähnliches gilt für das soziale und kulturelle Umfeld der Stadt Ephesus in den 50er und 60er Jahren des 1. Jahrhunderts, auf das immer wieder als Hintergrund der Ausführungen verwiesen wird.7 Selbst wenn sich bestimmte Vorstellungen oder Strömungen in diesem Zeitraum (nicht in den Jahrhunderten davor oder danach!) in der Stadt (nicht irgendwo in der hellenistisch-römischen Umwelt!) mit Sicherheit nachweisen ließen, ist noch nicht selbstredend, dass diese auch in den Gemeinden bekannt waren und dort von einzelnen oder mehreren entsprechend vertreten wurden. Dass es heute an vielen Orten Wahrsager und andere okkulte Angebote offen oder verdeckt gibt, bedeutet nicht selbstredend, dass alle Gemeinden vor Ort von Okkultismus durchseucht sind.

Hinter jeder allgemein gehaltenen Aussage des 1 Timotheusbriefs könnten konkrete Missstände in den Gemeinden stehen, müssen aber nicht. Wenn zum Beispiel 1 Timotheus 2:2 fordert, für ‘die Könige und alle Obrigkeit zu beten’, könnte dies lediglich eine ‘zeitlose’ Aufforderung zum Gebet sein (so wird die Aufforderung in der Regel und zurecht verstanden), könnte aber auch auf konkrete revolutionäre Strömungen in der Gemeinde hindeuten (eine abwegige These, die meines Wissens niemand vertritt!). Also, anstatt sich an Aufständen und Unruhen zu beteiligen, sollen Christen ein ‘ruhiges und stilles Leben führen in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit’ (2:2). Hinter der Aufforderung, den Reichen dieser Welt zu gebieten, ‘dass sie nicht stolz seien und hoffen auf den unsicheren Reichtum’ in 1 Timotheus 6:17, können konkrete reiche Christen in Ephesus stehen, die stolz waren und tatsächlich ihre Hoffnung auf ihren Besitz gesetzt hatten. Dass es einige wohlhabendere Christen in den Gemeinden gegeben hat, ist sogar wahrscheinlich. Auf das sozio-kulturelle Umfeld der Gemeinde trifft dies mit Sicherheit zu. Jedoch kann es sich an beiden Stellen auch um ganz allgemeine Mahnungen handeln, die keinen konkreten Anlass in den Gemeinden hatten und die neben den Ephesern, Christen an allen Orten und zu allen Zeiten zu hören und zu beherzigen haben.

Auch wenn es für bestimmte Aussagen des Briefs nachweislich konkrete Anhaltspunkte in der Situation der örtlichen Gemeinden beziehungsweise ihrem sozio-kulturellen Umfeld gäbe oder gibt, heißt das noch nicht unbedingt, dass die Aussagen des 1 Timotheusbriefs zu diesem Thema dadurch selbstredend relativiert würden. Sie können unter anderen Umständen genau so gelten. Selbst wenn es konkrete revolutionäre Strömungen in Gemeinden und Stadt gegeben haben sollte (unser Beispiel von oben), bedeutet das nicht, dass die Mahnung zum Gebet ‘für Könige und alle, die in Hoheit sind’ und das anvisierte ruhige und stille Leben in 1 Timotheus 2:2–3 nur unter den besonderen Umständen der Situation damals und dort gelten würden. Ohne den damaligen konkreten Anlass gilt die Aufforderung genauso.8 Diese hermeneutischen Überlegungen gelten auch für die Aussagen über Frauen und ihre Rolle (siehe unten).

Das Lehrverbot für Frauen im Kontext von 1 Timotheus 2:8–15

Zunächst ermahnt der Brief christliche Männer, an jedem Ort zu beten (1 Tim 2:8).9 Es geht um eine Aufforderung, die nicht auf einen bestimmten Ort begrenzt ist, sondern für alle Orte gilt, an denen sich Christen versammeln (das dürfte gemeint sein). Dabei soll ihr Gebet von ihrem Leben gedeckt sein (‘heilige Hände’ als Ausdruck eines geheiligten Lebensstils; vgl. dazu Stettler 2014). Ferner ist von der inneren Haltung beim Gebet und darüber hinaus die Rede (‘ohne Zorn und zweifelnde Überlegung’). Eventuell hat der Verfasser leitende Männer der Gemeinden vor Augen, die miteinander in heftigem Streit lagen (daher auch die öffentliche Ermahnung), vielleicht spricht er auch allgemeiner von Defiziten (vgl. Zorn in Eph 6:4; auch Röm 1:29–31), die aus ihrer heidnischen Vergangenheit stammen (vgl. etwa 1 Kor 6:9–11).

Nach der knappen Anweisung an die christlichen Männer wendet sich der Gedankengang ausführlicher den christlichen Frauen zu (V. 9). Vom Zusammenhang her hat der Verfasser wahrscheinlich das (gemeinsame) Gebet und damit gottesdienstliche Versammlungen vor Augen, macht aber Aussagen, die darüber hinausgehen. Im Vordergrund steht dabei das angemessene Auftreten in der Öffentlichkeit (freilich darf man nicht heutige Vorstellungen von Öffentlichkeit und Privatsphäre in Texte aus der Antike eintragen): ‘ebenso dass die Frauen sich in würdiger Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung’ (Winter 2003).10 Wahrscheinlich sind mit dieser Zurückweisung besondere Personen oder bestimmte Situationen in Ephesus im Blick (siehe unten); vielleicht geht es weniger um tatsächlich vorhandene Möglichkeiten als von manchen Frauen erstrebte Möglichkeiten.

Dies erlaubt interessante Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Gemeinde(n): die anscheinende Verfügbarkeit von Gold, Perlen oder kostbarer Kleidung weist auf eine (wohl kleine) Anzahl reicher Frauen aus der Oberschicht hin. Allerdings deutet die Verknüpfung am Anfang von Vers 9 (‘ebenso’) eher darauf hin, dass auch hier christliche Frauen ‘an jedem Ort’ (V. 8) gemeint sind. Der Schmuck christlicher Frauen (ob tatsächlich verfügbar oder nicht) soll sich von den Vorstellungen und Werten der heidnischen Umwelt deutlich abheben (vgl. auch 1 Petr 3:1–6).

Nach der negativen Abgrenzung vom Verhalten zweifelhafter heidnischer Frauen in Vers 9 unterstreicht Vers 10 das von den christlichen Frauen geforderte Verhalten durch die positive Aussage: ‘sondern mit dem, was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke.’ Frauen sollen sich mit dem schmücken, was sich für Frauen ziemt, die Gott kennen und ehren. Neben der würdigen Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit aus Vers 9 (die genauen Inhalte werden weder dort noch hier im Detail ausgeführt; sie können wohl als bekannt vorausgesetzt werden) sind gute Werke gemeint.11 Sie sollen der Schmuck christlicher Frauen sein.12 Eine ähnliche Aussage erscheint in Titus 2,10. Dort werden christliche Sklaven aufgefordert, durch vorbildliches Verhalten, der Lehre Gottes, unseres Heilands, in allen Stücken Ehre zu machen (wörtlich die Lehre ‘auszuschmücken’).

Nach Vers 11 sollen Frauen in Stille in aller Unterordnung lernen. Bei den Inhalten des Lernens dürfte es sich neben dem Evangelium um die im Zusammenhang erwähnten Forderungen handeln. Wieder wissen wir nicht, ob im Hintergrund dieser allgemein gehaltenen Forderung nach Stille und Unterordnung besondere Missstände in Ephesus stehen, etwa Frauen, die in Gemeindeversammlungen (oder anderweitig) lautstark oder in anderer Weise unangemessen auftraten oder sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr ihren Männern beziehungsweise der männlichen Gemeindeleitung unterordnen wollten. Ohne konkrete Hinweise im Text wird man auch hier am besten die Angabe von Vers 8 (‘an jedem Ort [an dem sich Christen versammeln]’) voraussetzen. Mit der geforderten ‘Stille’ wird ein Verhalten beschrieben, das nicht zu Störungen führt. Keines der anderen Vorkommen des Wortes im Neuen Testament legt völlige Stille oder Schweigen nahe (Apg 22:2; 2 Thess 3:12; 1 Tim 2:2; 1 Petr 3:4). Bei dem in 1 Timotheus 2:2 erbetenen ‘stillen Leben’ aller Christen handelt es sich gewiss nicht um eine Aufforderung, unter allen Umständen zu schweigen.

Bei der oft vorherrschenden Konzentration auf das folgende Lehrverbot und die Unterordnung wird übersehen, dass Frauen, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Sozialstatus, hier explizit aufgefordert werden zu lernen, das heißt, sich mit den Inhalten christlicher Lehre und christlichen Lebens zu beschäftigen. Darin besteht ein Unterschied zu frühjüdischen Vorstellungen und der weit überwiegenden Praxis hellenistisch-römischer Religionen und Philosophien.

Die Forderung von Vers 11 wird im Rest des Abschnitts präzisiert und begründet. Frauen sollen nicht lehren. Das würde der Forderung von Vers 11 widersprechen (zumindest bis sie entsprechend gelernt haben).

Diese Aussage wird im unmittelbaren Zusammenhang nicht auf bestimmte Situationen beschränkt: etwa Lehrverbot in der Versammlung oder in Situationen, wo Männer anwesend sind oder Begrenzung auf bestimmte Frauen (die nicht in Stille und in aller Unterordnung leben und auftreten) oder auf bestimmte, umstrittene Themen oder in Kombination mit Ämtern.13

Ferner ist den Frauen nicht gestattet, über Männer zu herrschen. Auch hier werden die Aussagen nicht präzisiert (etwa Ehefrauen über ihre Ehemänner; geht es um ein allgemeines ‘Herrschen’ – was genau ist gemeint? – oder steht ‘herrschen’ hier in besonderem Zusammenhang mit Art und Inhalt der zurückgewiesenen Lehre?). Das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 und das Verbot ‘dass sie über den Mann Herr sei’ stehen direkt nebeneinander. Ohne weitere Qualifikationen beschreibt ‘lehren’ die positive christliche Unterweisung (1 Tim 4:11; 6:2; 2 Tim 2:2). Das für ‘herrschen’ gebrauchte griechische Wort authenteo kommt nur an dieser Stelle im Neuen Testament vor und ist in seiner Bedeutung mehrdeutig (ausführlich bei Blomberg 2006:316–317). Das Wort kann negativ verwendet werden im Sinn von ‘dominieren’ bis hin zu ‘morden’. Aber in sprachlich enger Verbindung mit dem an anderen Stellen im Brief positiv besetzten ‘lehren’ dürfte eher an die positive Bedeutung von ‘Autorität ausüben’ gedacht sein.

Bei gepaarten Verbformen im Infinitiv, die durch eine ‘weder-noch’ Konstruktion miteinander verbunden sind, liegt die sprachliche Stilfigur des Hendiadyoin vor, das heißt, eine Idee oder Sache wird durch zwei Wörter beschrieben.14 Daher ist davon auszugehen, dass nicht unterschiedliche Aktivitäten im Blick sind, sondern zwei Begriffe verwendet werden, die zusammen das eine Konzept der autoritativen Lehre ausdrücken.

Vom Zusammenhang her ist wahrscheinlich an eine bestimmte Art von autoritativem Lehren gedacht. In 1 Timotheus 3:2 wird gefordert, dass Älteste zur Lehre befähigt sein müssen (die besonders kennzeichnende Funktion im Unterschied zu den danach erwähnten Diakonen). Hier taucht die Kombination von Autorität und Lehre wieder auf. Auch 1 Timotheus 5:17 spricht davon, dass die Ältesten lehren und Autorität ausüben. Daher ist es wahrscheinlich, dass 1 Timotheus 2:12 Frauen in einer (und nur in dieser) Funktion Einschränkungen auferlegt: sie dürfen kein Ältestenamt begleiten, da dies untrennbar mit autoritativer Lehre verbunden ist. Anderweitig dürfen Frauen lehren (nach Blomberg 2006:318).

Der Aufforderung folgt in Vers 13 ein begründender Rückverweis auf die alttestamentliche Schöpfungsgeschichte. Dies überrascht nicht, da die neutestamentlichen Autoren häufig auf das Alte Testament verweisen und Zitate und Anspielungen in ihre Argumentationen einfließen lassen. In Römer 4 etwa bietet Paulus eine detaillierte Interpretation der Abrahamsgeschichte, um die Glaubensgerechtigkeit und das Wesen christlichen Glaubens zu erörtern. In 1 Korinther 10 verweist Paulus auf das warnende Beispiel der Wüstengeneration Israels.15 Das Verbot, über den Mann zu herrschen, beziehungsweise das Gebot, sich in der Stille zu halten, wird hier damit begründet, dass nach dem alttestamentlichen Bericht Adam zuerst geschaffen wurde, danach Eva (Gen 2:5–25).16 Heutige Leser von Genesis 1–3 würden kaum auf diesen Gedankengang und diese Schlussfolgerung kommen.17 Auch wenn diese Argumentation in unserem kulturellen Kontext ungewöhnlich ist, war sie im frühjüdischen beziehungsweise frühchristlichen Milieu des Verfassers und seiner Leser nachvollziehbar. Dort war anerkannt, dass der erstgeborene Sohn einen besonderen Status in der Familie hatte und einen doppelten Anteil am Erbe bekam. Dass das Alte Testament selbst einige wichtige Ausnahmen dieses Prinzip kennt (etwa Ismael, Esau, Manasse) ist bedeutsam, gerade weil es sich um Ausnahmen handelt und nicht um die Regel. Dabei wird nicht argumentiert, dass ‘zuerst geschaffen’ immer mit einem Vorrecht verbunden ist, sondern dass das Prinzip auf Adam und Eva zutrifft (nach Blomberg 2006:319).

Die daraus abgeleitete Vorrangstellung des Mannes (eine Schlussfolgerung, die im alttestamentlichen Bericht so nicht direkt gezogen wird, allenfalls durch die spätere Zuordnung Evas zu Adam) sieht Vers 14 auch im Hergang des Sündenfalls bestätigt: auch wenn Adam ebenso gesündigt hatte (auch er aß von der verbotenen Frucht) und mit Eva aus dem Paradies gewiesen wurde (so das Ergebnis), wurde nicht er von der Schlange betrogen, sondern Eva. Nach Genesis 3 war dies kein besonderer Verdienst Adams, denn die Schlange hatte nicht einmal versucht, Adam zu betrügen. Adam wurde von Eva überredet (der Schwerpunkt liegt hier ganz bei ihr). Eva hat der Lüge der Schlange geglaubt und das Gebot übertreten. Vom Zusammenhang her dienen die Schöpfungsreihenfolge und der Verweis, dass Eva und nicht Adam betrogen wurde, als Begründung, warum Frauen nicht autoritativ lehren sollen: weil die Frau betrogen wurde, und nicht Adam, sollen Frauen nicht autoritativ lehren, sondern sich in der Stille halten; weil Eva nach Adam geschaffen wurde, sollen Frauen nicht über Männer Autorität ausüben.

In diesen Ereignissen des programmatischen Anfangs sieht der 1 Timotheusbrief etwas abgebildet oder angelegt, das grundsätzlichen Charakter über das eigentliche Ereignis hinaus hat. Eventuell hängt diese Überzeugung mit der Aussage in Genesis 3:20 zusammen: ‘denn Eva wurde die Mutter aller Lebenden.’ In Römer 5:12–19 leitet Paulus aus der Übertretung Adams grundsätzliche Aussagen über alle Nachkommen Adams und deren geistlichen Zustand ab; ebenso argumentiert er mit den Verdiensten und dem Gnadenerweis Gottes in dem einen neuen Menschen Jesus Christus, die allen zuteil wird:

Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. (Röm 5:18)18

Jedoch ist zu beachten, dass die Zuordnung von 1 Timotheus 2:14 zu Vers 12 lockerer ist, als die von Vers 13 zu Vers 12. Während Vers 12 mit der Konjunktion ‘denn’ beginnt (als direkte Begründung für Vers 12), beginnt Vers 13 lediglich mit ‘und’ (als Weiterführung der Argumentation von Vers 13). Von daher ist denkbar, dass Vers 14 nicht mehr direkt zur Begründung des Lehrverbotes dient, sondern dass damit – auf dem Weg zur Aussage über die Bewahrung im Gebären von Kindern in Vers 15 (die deutlich auf Gen 3 anspielt) – die Ursache des Kindergebärens in Schmerzen und die damit verbundenen Risiken angesprochen werden, wie sie in Genesis 3 erzählt werden. Adam erscheint in der ganzen Argumentation in untergeordneter Rolle.

Die Aussage in 1 Timotheus 2:15 gehört mit zu den schwierigsten Stellen im Neuen Testament (vgl. den Überblick über die verschiedenen Auslegungen bei Marshall 1999:467–471). Sie ist derart kompakt formuliert und setzt viele Informationen als bekannt oder den Lesern ohne weitere Angaben als verständlich voraus, so dass sie nur schwer zu verstehen ist. Der Zusammenhang mit den vorangehenden Aussagen ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Wahrscheinlich ist Genesis 3 weiter im Blick. Als Strafe für die Übertretung des Gebotes wurde Eva angekündigt, dass sie mit Schmerzen ihre Kinder gebären soll (Gen 3:16). Auf diesem Hintergrund dürfte die Aussage zu verstehen sein, dass die Frau durch das Kindergebären gerettet werden soll. Der Fluch nach dem Sündenfall hat nicht das letzte Wort. Das ist das naheliegende Verständnis.19 Es kann kaum gemeint sein, dass Frauen durch das Gebären von Kindern gerettet, also gerechtfertigt werden. Das stünde im offenen Widerspruch zur Soteriologie, wie sie an vielen anderen Stellen dargelegt wird. Daher hat Vers 15 kaum ‘Rettung’ im vollen christlichen Sinn im Blick.20 Im Gegensatz zu dem Fluch vor der Vertreibung aus dem Paradies wird Frauen hier die Bewahrung während des Gebärens von Kindern verheißen (eine wichtige Verheißung angesichts der hohen Sterblichkeit von Frauen während der Geburt bis ins 20. Jahrhundert hinein), auch wenn die Schmerzen damit nicht aufgehoben sind.

Diese Bewahrung in der Geburt wird nicht mit den Heilsereignissen in Jesus Christus verbunden.21 Von Anfang an stand neben dem göttlichen Fluch die Bewahrung auch außerhalb des Paradieses.22 Gottes Zuwendung und Erbarmen gelten unabhängig von Schöpfungsreihenfolge und Verfehlung allen Menschen.

Ähnliches gilt für Adam: Um seinetwillen wird der Erdboden verflucht, zugleich schenkt Gott Fruchtbarkeit und ‘hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, er hat euch ernährt und eure Herzen mit Freuden erfüllt’ (Apg 14:17).

Diese Zusage wird auf den ersten Blick durch das Verhalten der geborenen Kinder (‘Sie’ am Satzanfang bezieht sich auf ‘die Frau’ im Allgemeinen; hier ‘sie’ für die von der Frau geborenen Kinder) weiter bestimmt: ‘wenn sie bleiben in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit.’ Diese Zuordnung ergibt jedoch keinen richtigen Sinn. Die verheißene Rettung war ja bereits geschehen, bevor von Glaube, Liebe, Heiligkeit mit Sittsamkeit die Rede sein kann. Insofern muss sich das zweite ‘sie’ (‘wenn sie bleiben […]’) auch auf die Frauen beziehen (jetzt nicht als große Gruppe wie zu Beginn des Verses, sondern als Individuen). Der Verfasser wechselt von der Einzahl in die Mehrzahl. Der Gedanke lässt sich so zusammenfassen:

Die verheiratete Frau findet ihr Heil nicht dadurch, dass sie sich von ehelichen und mütterlichen Aufgaben löst, in der Meinung, eine höhere Freiheit zu erreichen. Mitten in ihren alltäglichen, irdischen und natürlichen Mühen und Schmerzen vermag sie die Heiligung in jeder Hinsicht zu verwirklichen, Glauben und Liebe zu bestätigen […] Wenn sie darin bleibt und sich nicht weglocken lässt, wird sie gerettet werden, auch durch die Schmerzen der Mutterschaft hindurch. Die Frau wird gerettet werden, nicht trotz des Geburtsvorganges, auch nicht kraft der Geburtsleiden – Verdienst –, sondern in (griech. dia) ihnen, in Erfüllung ihrer mütterlichen Aufgabe (Stibbs 1980:456).23

In der ihnen zugewiesenen Rolle (gute Werke, stilles Lernen, Unterordnung) werden christliche Frauen bewahrt werden (im Gebären von Kindern) und haben eigene geistliche Herausforderungen vor sich: in einem heidnischen Umfeld sollen sie als kleine christliche Minderheit in Glaube, Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit leben und so das Evangelium sichtbar und attraktiv machen und bezeugen.

Soweit der Gedankengang des Textes. Die Absolutheit des Verbots, die fehlende Differenzierung, das Fehlen solcher absoluten Aussagen zu diesem Thema in den (anderen) Briefen des Paulus, andere Hinweise auf Frauen in urchristlichen Gemeinden und die Argumentation mit den ersten Kapiteln der Bibel über deren eigene Aussageintention hinaus haben dazu geführt, im restlichen Brief beziehungsweise im sozio-kulturellen Umfeld der Gemeinden nach möglichen Erklärungen für diese Aufforderungen zu suchen (siehe den Überblick unten). Der Gedankengang in 1 Timotheus 2:8–15 gibt jedoch keinerlei direkte Hinweise auf Bezüge zu der oder den in Ephesus vertretenen Irrlehren oder anderweitig bedenklichen Strömungen im Umfeld der Gemeinde. Ob dabei alle Frauen im Blick sind oder nur verheiratete Frauen, ist nicht mit letzter Sicherheit zu bestimmen. Der Hinweis auf das Gebären von Kindern in Vers 15 legt Letzteres nahe (Diskussion bei Blomberg 2006:322–323).

Ansätze, die das Lehrverbot relativieren

Ausleger, die das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 als zeitlose und absolute Aussage (und oft als Schlüssel für die Rolle von Frauen in Gemeinden) verstehen, wenden diese Aussage – oft in Kombination mit anderen biblischen Aussagen – nach ihrer Vorstellung von deren heutiger Bedeutung entsprechend an. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Auslegern und darüber hinaus viele Bibelleser, die aufgrund der oben angeführten Gründe von einzelnen Begriffen oder vom Kontext des Lehrverbots her ein differenziertes Verständnis erreichen möchten. Gemeinsames Ziel ist es zunächst, die Aussagen in 1 Timotheus 2 besser zu verstehen. Das ist uneingeschränkt zu begrüßen. Oft besteht das Ziel aber auch darin, durch diese Vorgehen ‘to relativize Paul’s apparently more sweeping charges and allow him to be viewed as an egalitarian’ (Blomberg 2006:325).

Dabei lassen sich mehrere Ansätze ausmachen:

  • Verschiedene Begriffe werden anders inhaltlich bestimmt. Damit ergibt sich eine ganz andere Bedeutung und Verständnismöglichkeit. Mit ‘neuen’ Erkenntnissen werden jahrhundertealte Missverständnisse angeblich ausgeräumt.
  • Das Lehrverbot für Frauen wird im Zusammenhang des ganzen 1 Timotheusbriefs und der darin beschriebenen Situation der Gemeinden gesehen,24 vor allem aber im Zusammenhang der Aussagen über die in die Gemeinden eingedrungenen Irrlehren.25 Nur von daher seien sie in ihrer Absolutheit zu verstehen. Ohne diesen konkreten Hintergrund müssen die Aussagen anders verstanden beziehungsweise relativiert werden.
  • Der besondere Kontext, in dem sich die Empfänger des Briefes im Ephesus des ersten Jahrhunderts befanden, erklärt die Aussagen (vgl. die Beschreibung von Ephesus bei Trebilco 2004:11–52). Der Brief warnt vor gefährlichen gesellschaftlichen Einflüssen und will durch seine Anweisungen vorbeugen. Dieser sozio-kulturelle Hintergrund relativiert die Aussagen ebenfalls. Unter anderen Umständen gelten sie nicht beziehungsweise müssen relativiert werden.26
  • Der Umgang mit dem Alten Testament in 1 Timotheus 2:13–14.

Oft werden diese Ansätze miteinander verbunden beziehungsweise lassen sich kaum voneinander trennen. Hier können nur einige Beispiele angeführt werden.27 Zuvor jedoch noch zwei Vorbemerkungen:

  1. Auch wenn man diese Versuche nicht für überzeugend hält, ist anzuerkennen, dass sich die – zumeist evangelikalen – Ausleger mit großem Ernst um diese Aussagen – als Gotteswort, dem sie folgen wollen – und ihre heutige Bedeutung bemühen. Weder unterziehen sie die Aussagen des 1 Timotheusbriefs einer pauschalen Sachkritik oder schreiben sie einfach einem späteren Paulusschüler zu, der den Apostel nicht richtig verstanden habe oder seine radikalen Aussagen zu revidieren sucht (wie in der historisch-kritischen Exegese üblich; vgl. etwa Roloff 1988:125–147). Noch sind sie von einer ideologischen Agenda geleitet, nach der nicht sein kann, was nicht sein darf, wie etwa Teile der feministischen Bibelauslegung (vgl. dazu Wagener 2003:661–675). Mit derartigen Unterstellungen sollte man daher sehr vorsichtig sein und vor allem das Augenmerk darauf richten, durch die Brille welcher Prägungen und Vorstellungen man selbst diese und andere biblische Aussagen verstehen und anwenden will.

  2. Aufgrund seiner Brisanz und der Komplexität der Aussagen und der hinter ihnen liegenden Voraussetzungen hat 1 Timotheus 2:8–15 in der gegenwärtigen Bibelwissenschaft, vor allem in der englischsprachigen, evangelikalen Diskussion viel Aufmerksamkeit erhalten. Dies zeigt sich in mehreren neueren Kommentaren, einer stattlichen Anzahl von Einzeluntersuchungen und einer Fülle von wissenschaftlichen Artikeln zum Thema. Diese Diskussion ist kaum mehr zu überblicken. Blombergs (2006) Skizze des Themenkomplexes und der erforderlichen Beschäftigung ist erdrückend:

The literature that one must master to say anything credible grows in intimidating quantity: general works on men and women in antiquity; specific studies of the classical world, the Hellenistic period, the Old Testament and subsequent Jewish tradition, and the New Testament and constituent parts of Scripture; analyses of specific biblical texts, broader liberationist or feminist approaches, theologies of the Bible, of one Testament, or of one specific part of one Testament; commentaries; histories of Jewish and/or Christian interpretation of texts; Church histories more generally; modern ecclesiastical debates; and contemporary social-scientific analysis! (S. 283)28

Viele detail- und kenntnisreiche Vorschläge und Thesen von kompetenten Auslegern sind von ebenso kompetenten Auslegern ebenso detail- und kenntnisreich geprüft und teilweise widerlegt worden. Dieser Sachverhalt erfordert Bescheidenheit, eine intensive Beschäftigung und intellektuelle Redlichkeit. So wäre es etwa unredlich, an Thesen festzuhalten und sie weiterhin zu vertreten, die mehrfach widerlegt beziehungsweise stark modifiziert wurden, auch wenn sie gut ins eigene Verständnis passen. Ein biblischer Text und seine Auslegungsgeschichte ist kein Setzkasten, aus dem man sich das Passende auswählen und sein eigenes Bild zusammensetzen könnte.

Ansätze bei einzelnen Wörtern und Aussagen

Weil die Begriffe ‘lehren’ und ‘Autorität ausüben über den Mann’ (1 Tim 2:12) zusammen das eine Konzept der autoritativen Lehre ausdrücken, ist es unwahrscheinlich, dass 1 Timotheus 2:12 den Inhalt der untersagten Lehrtätigkeit auf weibliche Machtausübung über Männer beschränken wollte, also im Sinne von: Frauen dürfen nicht lehren, dass die Frau Herr über den Mann sei, da dies der Schöpfungsabfolge widerspricht.29 Daraus würde sich ergeben, dass sich das Lehrverbot nur auf diesen konkreten Inhalt bezieht; andere Inhalte dürfen Frauen selbstverständlich lehren. Diese These hat sich nicht durchgesetzt.

Nach Winter geht es bei dem griechischen Verb authenteo nicht nur um die Ausübung von Autorität, sondern der Gedanke an Missbrauch von Autorität liegt nahe: ‘Gedanken wie autokratischer oder dominierender Missbrauch von Macht und Autorität schwingen mit’ (Winter 2003:119; vgl. S. 116–119; ‘To have authority or dominate’). Nach Winter hatten bestimmte verheiratete Frauen (die von ihm beschriebenen ‘neuen’ römischen Ehefrauen, siehe unten) das Bestreben, auf den Marktplätzen, in Bürgerversammlungen und vor Gerichten in dominanter Weise aufzutreten. Winter fragt daher:

Gab es die Sorge, dass sich ein vergleichbares Verhalten in den christlichen Gemeinden breitmacht, mit dem Bestreben, Macht anzuwenden, um die Kontrolle zu erreichen, in diesem Fall im Kontext der öffentlichen Lehre? 30

Es wurde bereits dargelegt, warum das Verb ‘herrschen’ nicht negativ gemeint ist (gegen Marshall 1999:458–460), sondern zusammen mit ‘lehren’ autoritatives Lehren im Zusammenhang des Ältestenamtes beschreibt. Selbst wenn das Auftreten von solchen ‘neuen römischen Frauen’ ein oder sogar der Anlass für die Äußerungen in 1 Timotheus 2:9–15 wäre, sind sie damit in ihrer Gültigkeit noch nicht automatisch auf solche dominanten Frauen – in antikem oder heutigem Gewand – beschränkt.

Ansätze bei den im 1 Timotheusbrief erwähnten und bekämpften Irrlehren

Es ist offensichtlich, dass sich der 1 Timotheusbrief an mehreren Stellen mit Irrlehre und deren Widerlegung beschäftigt. Dies gehört zu den zentralen Anliegen des Briefs (vgl. 1:3–7; 4:1–8; 6:3–5, 20–21). Von daher ist es naheliegend, auch die nur knapp angedeutete These (‘dass die Frau über den Mann Herr sei’ – mehr war nicht nötig, der genaue Inhalt und die Argumente waren den Empfängern ja bekannt) oder andere Aussagen in 1 Timotheus 2:8–15 auf diesem Hintergrund zu verstehen (vgl. Trebilco 2004:222). Wenn etwa die oder eine der Irrlehren in Ephesus Ehelosigkeit als christliches Ideal vertrat (dies legt die Zusammenfassung in 1 Tim 4:3 nahe: ‘Sie gebieten nicht zu heiraten, und Speisen zu meiden’), würde dies erklären, warum sich der Verfasser genötigt sah, die traditionelle weibliche Rolle des Gebärens (und Aufziehens) von Kindern zu betonen, daher die Zusage und Aufforderung in Vers 15. Marshall (1999) schreibt:

In the context the fact that Eve was deceived is cited as a parallel, and this strongly suggests the conclusion that behind the present prohibition lies some particular false teaching by some women. Otherwise the reference to Eve’s being deceived and sinning is pointless. The activity of teaching here is thus judged negatively; it follows that the attitude expressed in it towards the men is also something of which the writer disapproves.

There was probably an associated trend towards emancipation behind the women’s aspirations to teach. Such an understanding is appealing because it is the exercise of overbearing authority over men that seems to be in view. Although perhaps not widespread, there is some evidence to suggest the development of emancipation tendencies among women in Greco-Roman society. In the Pauline churches the way towards greater freedom for women had already been paved (Gal 3:28). But abuses could occur and […] a case can be made to show that in both Corinth and Ephesus the behaviour of women was influenced by an over-realised eschatology as indicated by the belief that the resurrection of believers has already occurred (1 Cor 15; 2 Tim 2:18); one possibility is that such a belief could encourage the women to assume roles apparently denied them by the curse on Eve […] perhaps with the encouragement of false teachers. Within such a reconstruction authenteo is understandable as a reference to the exuberant and excessive flaunting of freedom in the face of men. (S. 458–459)

Freilich gilt, dass 1 Timotheus 2:8–15 nicht direkt auf Irrlehre zu sprechen kommt und alle Versuche, hinter dem Lehrverbot für Frauen einen entsprechenden Bezug zu sehen, hypothetisch bleiben müssen. Selbst wenn in der einen oder anderen Weise Irrlehren oder Missstände hinter den Anweisungen stehen – was durchaus wahrscheinlich ist – bedeutet das noch nicht, dass die Aussagen dadurch relativiert werden müssen, also nur dann wieder oder weiter gelten würden, wenn diese oder ähnliche Irrlehren von Frauen vertreten würden. Sehr konkrete Umstände können allgemeine, zeitlose Anweisungen hervorbringen.

Ansätze im sozio-kulturellen Umfeld der Empfänger des Briefs oder im weiteren Umfeld

Andere Exegeten gehen davon aus, dass es einen besonderen Anlass im Umfeld der Empfänger gegeben haben muss, der Anlass für dieses Verbot war. Dazu passt die Beobachtung von Blomberg (2006):

It is interesting […] that all of Paul’s directives, and even the more positive models of what women in his churches did, occur in particularly Romanized cities in the Hellenistic world. (S. 287)

Dieser Ansatz geht von der richtigen Beobachtung aus, dass die Briefe des Neuen Testaments nicht im luftleeren Raum entstanden sind, sondern sich in eine bestimmte Situation der jeweiligen Autoren und Empfänger einzeichnen lassen und diese widerspiegeln. Selbst der Römerbrief ist keine zeitlose Entfaltung des paulinischen Evangeliums, sondern aus besonderem Anlass entstanden und bedient sich der Sprach- und Vorstellungswelt der Empfänger (vgl. Haacker 2012:15). Dies bedeutet jedoch nicht, dass damit die Aussagen des Briefs nur bedingt gültig sind.

Einige Ausleger verorten die rekonstruierten Thesen von Irrlehrern und entsprechend auftretender Irrlehrerinnen in den Gemeinden und damit das Lehrverbot für solche Frauen zum Beispiel im Artemis-Kult der Stadt Ephesus und in der entstehenden Gnosis (etwa Kroeger & Kroeger 1992).31 Nach diesen Vorstellungen waren Frauen Männern überlegen und es wurde vertreten, dass Eva sogar die Schöpferin Adams und aller Männer war. Mit dieser Annahme wird argumentiert, dass 1 Timotheus 2:13–14 nicht die Forderung nach Stille und das Lehrverbot in Vers 11–12 begründet, sondern diese Vorstellungen zurückweist, die in die Gemeinden eingedrungen waren. Jedoch hat sich gezeigt, dass sich diese Rekonstruktion der Irrlehre von der Quellenlage her nicht halten lässt.32 Ferner zeigen die drei Pastoralbriefe, dass während Frauen unter den Irrlehren in Ephesus zu leiden hatten – worin auch immer sie genau bestanden (1 Tim 5:15, 2 Tim 3:6–9) – es keine Aussage gibt, nach der die Frauen selbst unter die Irrlehrer gerechnet werden, und deshalb mit einem Lehrverbot belegt würden. Würde der 1 Timotheusbrief lediglich einen bestimmten falschen Lehrinhalt verbieten wollen, wäre es unangemessen, dies pauschal allen Frauen und nicht auch Männern zu verbieten. Wir wissen, dass viele Männer von Irrlehren bedroht waren, ihnen bereits anhingen und sie vertraten.

Ein interessanter Vorschlag stammt von dem australischen Althistoriker Bruce W. Winter. Er hat auf die Entstehung und Verbreitung eines neuen ‘Typs’ von Frau im römischen Reich des ersten Jahrhundert nach Christus hingewiesen. Diese wirtschaftlich und sexuell emanzipierten, promiskuösen ‘neuen römischen Frauen’ aus der Oberschicht hellenistischer Kreise und ihr möglicher Einfluss könnten im Hintergrund einiger der Probleme in den paulinischen Gemeinden stehen, auf die Paulus reagieren musste.33 Falls solche Frauen sich vereinzelt zu Gemeinden hielten oder in deren Umfeld auftraten, könnte dies hinter Ablehnung von mit Goldschmuck und Perlen aufwändig gestalteten Frisuren und dem Stillegebot beziehungsweise Lehrverbot stehen. Auch andere Vorschläge wären zu diskutieren. Doch gilt: was auch immer den Verfasser dazu veranlasst hat, sich in diesem Brief auf diese Art und Weise diesem Thema zu äußern, stellt – wenn es sich überhaupt rekonstruieren lässt – die Anweisungen nicht automatisch in Frage oder relativiert sie. Dafür sind sie zu allgemein gehalten.

Der Gebrauch des Alten Testaments

Der Brief argumentiert an dieser Stelle nicht situationsbezogen, sondern verweist in Versen 13–14 als Begründung für das Lehrverbot auf die Reihenfolge bei der Schöpfung von Mann und Frau und die Umstände des Sündenfalls. Um diese Aussagen richtig einschätzen zu können, wäre es wichtig zu untersuchen, wann und wie Paulus an anderen Stellen auf Ereignisse aus dem Alten Testament verweist und welche Funktion diese Verweise in seiner Argumentation haben. Sind die an anderen Stellen angeführten alttestamentlichen Ereignisse verbindlich für die Gegenwart? In einer umfangreichen Studie hat Haslebacher (2012:63–118) diese Verweise untersucht.34 Dabei ist die entscheidende Frage: ‘In welchem Maß hält Paulus alttestamentliche Personen und Ereignisse für bestimmend für das Wesen gegenwärtiger Personen und ihren geistlichen und gesellschaftlichen Status?’ (S. 167). Haslebacher (2012) schließt:

Paulus verfährt bei seinen Verweisen auf alttestamentliche Ereignisse teilweise selektiv mit den Texten und greift inhaltlich nur die Aspekte auf, die für seine Argumentation entscheidend sind. Es geht ihm nicht darum, die Ereignisse der Schrift zu kommentieren, sondern er gebraucht das Alte Testament als Unterstützung für seine Argumentation und wendet einzelne Aspekte auf eine gegenwärtige Situation an. Mit diesem teilweise ‘freien’ Umgang mit der Schrift bewegt sich Paulus im Rahmen des Frühjudentums. Darüber hinaus besteht beim größten Teil der paulinischen Verweise auf alttestamentliche Ereignisse keine konstitutive Bedeutung, wie dies für 1 Timotheus 2:13–14 von Vertretern der historischen Position postuliert wird.

Auf Grund dieser Feststellungen, insbesondere dem paradigmatischen Charakter der Verweise, kann der Schluss, die paulinischen Verweise auf die Schöpfungsreihenfolge und den Fall Evas seien ein Beweis dafür, dass das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 grundsätzlich zu verstehen ist, nicht einfach als gegeben angesehen werden. […]

Mit seinem Verweis auf den Fall Evas zieht Paulus eine Analogie zwischen Eva und den Frauen in Ephesus, die ebenfalls offener waren für die Verführung als Männer. Das allgemeingültige Prinzip hinter dem Verweis auf den Fall Evas kann in dem Sinn verstanden werden, dass in der Gemeinde Leiter und Lehrer eingesetzt werden sollen, die nicht einfach zu verführen und zu täuschen sind. (S. 168, 171)

Abgesehen davon, was genau mit dem Verweis auf Schöpfung und Sündenfall begründet werden soll (siehe oben), bleibt die Frage, ob nicht angesichts der Adam-Christus-Typologie von Römer 5:12–19 (auch wenn dort der Fokus ganz auf Adam liegt) Paulus in Genesis 1–3 Ereignisse sieht, die für die Nachkommen Adams und Evas, ihren Status und ihr Verhalten, bis in die Gegenwart programmatisch sind. Selbst wenn man die Begründung in 1 Timotheus 2:13–14 im frühjüdischen Kontext beziehungsweise heute nicht für nachvollziehbar hält, ist zu bedenken, dass es sich dabei nur um die Begründung eines klaren Gebotes handelt, das auch ohne Begründung Gültigkeit hätte.

Haslebacher erinnert zurecht daran, dass man mit unreflektiertem Verweisen auf ‘ewige Prinzipien’, die keine Handlungsalternativen für die Gegenwart offen lassen, vorsichtig sein sollte, vor allem, wenn man an anderen Stellen dem Schriftgebrauch der neutestamentlichen Autoren nicht folgt. An vielen Stellen setzen sich Christen heute bedenkenlos über aus der Schöpfung ableitbare Prinzipien hinweg, teilweise zu ihrem eigenen Schaden: wer am siebten Tag nicht ruht, durch sein Konsumverhalten die Schöpfung nicht bewahrt und pflegt, sämtliche technische Möglichkeiten in Anspruch nimmt, um den Fluch aus 1 Mose 3 zu lindern oder zu überwinden, ja teilweise von Kapitalerträgen lebt und nicht im Schweiße seines Angesichts arbeitet, sollte sich und anderen erklären können, warum aber die Schöpfungsreihenfolge und die genauen Umstände des Sündenfalls für die Aufgaben von Männern und Frauen in Gemeinden entscheidend sind.

Diese Ansätze haben dazu beigetragen, den 1 Timotheusbrief in einer konkreten historischen Situation zu verstehen (wie die anderen Briefe des Neuen Testaments auch) und zu einer Fülle von wichtigen lexikalischen und historischen Detaileinsichten geführt, die man nur begrüßen kann. Ferner haben sie zu Recht daran erinnert, dass einzelne Aussagen im Brief im Licht des ganzen Briefs zu verstehen sind.

Jedoch überzeugen aus diesen Ansätzen abgeleitete Forderungen, die Aussagen in 1 Timotheus 2 zu relativieren, nicht beziehungsweise setzen ihre Einsichten die allgemeine Gültigkeit der Anweisungen nicht außer Kraft, selbst wenn sie diese verständlicher machen. Auch wenn man das Ganze des Briefs und die Situation in Ephesus (sofern sie sich mit den zur Verfügung stehenden Quellen rekonstruieren lässt) berücksichtigt, ergeben sich (neben der möglichen und naheliegenden Einschränkung auf Lehren in Verbund mit einem Ältestenamt, siehe oben) keine Perspektiven, die es möglich oder gar erforderlich machen würden, das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 zu relativieren. Blomberg (2006) schließt seinen Überblick mit der Feststellung:

So no genuine evidence emerges from either the historical or literary contexts of 1 Tim 2:8–15 to predispose one to treat its teaching as merely culture-bound or situation specific. (S. 313)

Die heutige Bedeutung des Lehrverbots

Die verschiedenen Versuche, das Lehrverbot für Frauen in 1 Timotheus 2:12 vom Gesamtzusammenhang des Briefs oder von der rekonstruierten Situation in Ephesus her zu relativieren, überzeugen nicht. Die Aussage verbietet in der Tat, dass Frauen lehren. Es ergibt keinen Sinn, ist weder intellektuell redlich noch ein Gebot vermeintlicher ‘Bibeltreue’ noch gerechtfertigt durch den Wunsch nach biblischer Absicherung der eigenen Praxis und der Hochachtung vor Paulus und seinem Lebenswerk, seine Aussagen so lange zu drehen und zu wenden, schlimmstenfalls zu quälen, bis sie am Schluss doch das sagen, was man heute hören will.

Bedenkt man mögliche heutige Aktualisierungen des Lehrverbotes, ist es entscheidend, diese Aussage zusammen mit den anderen Aussagen des Corpus Paulinum und des ganzen Neuen Testaments zu diesem Thema zu sehen (vgl. den Überblick bei Blomberg 2006:295–311). Neben den lehrhaften Aussagen sind auch die Beschreibungen dessen zu berücksichtigen, was Frauen in frühchristlichen Gemeinden und der Mission tatsächlich getan haben (siehe oben). Von diesem Gesamtbild her muss das Lehrverbot von 1 Timotheus 2:12 verstanden und angewendet werden (vgl. Köstenberger 2000). Dabei sollte man sich der Komplexität der Aufgabe bewusst sein: man versucht, die mehr oder weniger gelegentlichen, oft beiläufigen Äußerungen des Paulus und anderer neutestamentlicher Autoren aus ganz unterschiedlichen Kontexten, literarischen Gattungen und aus einer Zeit von etwa 20–30 Jahren zu systematisieren. Das Neue Testament bietet kaum detaillierte Darlegungen über Wesen und Auftrag von Männern speziell als Männer und Frauen speziell als Frauen, die heutigen Vorstellungen von Vollständigkeit, Klarheit und Anwendbarkeit entsprechen. Die Fülle der Positionen, die vertreten werden, spiegelt diese Situation wieder, mahnt zu Bescheidenheit und warnt vor Schnellschüssen jeglicher Art.

Blomberg bietet einen Ansatz, der noch einen Schritt weiter geht und ein hohes Maß an Reflektion erfordert. Er plädiert dafür anzuerkennen, dass Paulus bei allen Hinweisen auf Frauen und ihren Dienst in seinem Umfeld kein Vorkämpfer für Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung war und sein Lehrverbot als universal anwendbar verstanden hat. Doch hat sich in den vergangenen zweitausend Jahren die Welt genügend verändert, um heute einen anderen Zugang zu dieser Frage zu finden und finden zu müssen, der sowohl den immer noch grundlegenden Aussageabsichten der ursprünglichen Anweisungen als auch den grundlegenden Veränderungen gerecht wird. Damit wäre auch ein anderer Weg zum Umgang mit diesen und anderen Aussagen möglich.35 Hilfreich ist die Beobachtung von Andrew T. Lincoln (2000:479–480, zitiert nach Blomberg 2006) aus einem anderen Zusammenhang:

A recognition is also required that the attitude of needing to have the Bible on one’s side at all costs may well be detrimental to faithful witness. Instead of attempting a revisionist exegesis, it seems far better to admit, on some occasions, that John or Paul, e.g., said one thing but now contemporary advocates need to say something different in different circumstances, with different questions to address, as they strive to be faithful to the same gospel to which John or Paul bore witness – whether on obvious ethical issues such as the role of women, slavery, or homosexuality, or on Jew-Gentile concerns, or on soteriological formulations – and that they need to be open to debate whether and in what ways they are being faithful to the same gospel. (S. 325)

An anderer Stelle gehen Christen ohne größere Reflektion über die Aussagen des Paulus und anderer neutestamentlicher Autoren hinweg oder hinaus. Wo es etwa kulturell unangemessen oder gar missverständlich wäre, verzichten sie auf den Bruderkuss, trotz mehrfacher expliziter Aufforderungen (Röm 16:16; 1 Kor 16:20; 2 Kor 13:12; 1 Thess 5:26; 1 Petr 5:14). Von den Aussagen des Paulus zur Sklaverei – den Aufforderungen an christliche Sklaven, sich unterzuordnen und den Aufforderungen an christliche Herren, ihre Sklaven ordentlich zu behandeln – her wird niemand (mehr) die Berechtigung von Sklaverei an sich verteidigen. In der Vergangenheit haben Christen zu Recht und entscheidend zur Überwindung der Sklaverei beigetragen und sind dabei ein deutliches Stück über die Vorstellungen und Forderungen des Paulus hinausgegangen (vgl. Metaxas 2012). Ihnen ging es nicht um Mäßigung und Linderung in einem bestehenden System, sondern um dessen grundsätzliche Überwindung. Wer dies für einen Fortschritt hält, der der Intention des Evangeliums zutiefst entspricht, muss überlegen und gegebenenfalls darlegen können, mit welchen Gründen er dieses Vorgehen an anderen Stellen ablehnt. Dass sich Paulus nicht vehement gegen Sklaverei ausgesprochen hat, sondern ‘nur’ darauf bedacht war, ihre Auswüchse unter Christen zu lindern, wird ihm heute immer wieder vorgeworfen.36 Dem hält Lohse (1996) überzeugend entgegen:

Paulus war ein antiker und kein moderner Mensch. Manche Gegebenheiten der damaligen Gesellschaft hat er hingenommen und daher ebenso wenig wie seine Zeitgenossen überlegt, ob die Einrichtung der Sklaverei hätte beseitigt werden können. Der Einwurf einiger Kritiker lautet deshalb, Paulus habe nur darauf gesehen, dass der Mensch unter der Herrschaft der Sünde versklavt sei; doch habe er sich nicht gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeit im Zusammenleben der Menschen gewandt. Er hätte aber erkennen müssen, dass gerade die Institution der Sklaverei eine offenbare Herrschaftsform der Sündenmacht darstellt. Daher habe es nicht ausreichen können, dass er gegen diese grausame Ungerechtigkeit lediglich mit Liebe und brüderlicher Ermahnung anzugehen suchte.

Die Botschaft des Paulus richtet sich in der Tat nicht auf ein gesellschaftspolitisches oder gar revolutionäres Programm, sondern er verkündigt das rettende Evangelium für alle, gleicherweise für Sklaven wie für Freie, für Herren und Knechte. Denn in Christus ist kein Unterschied zwischen ihnen; und die Schranken, die die verschiedenen Stände in der Gesellschaft voneinander trennen, haben für die christliche Gemeinde ihre Bedeutung verloren. Mag es weiterhin im gesellschaftlichen Zusammenleben kleinere und auch größere Unterschiede zwischen den Menschen geben, so setzt Paulus darauf, dass von der Liebe, in der Herr und Sklave einander begegnen, wirksame Kraft ausgeht, so dass sie auch Institutionen zu verändern und menschliche Gemeinschaft zu erneuern vermag. (S. 295)

Ferner ist es wichtig, die Aussagen in 1 Timotheus 2 im größeren Zusammenhang der ethischen Aussagen und des Anliegens des Briefes zu sehen (den folgenden Gedanken verdanke ich Stemmler 2015). Ein Hauptanliegen ist die praktische Umsetzung des Glaubens, die hinsichtlich der Ethik auch auf gesellschaftliche Wertvorstellungen Rücksicht nimmt, sofern diese nicht im Widerspruch zum Evangelium stehen. Hier geht es um den gesamten Komplex der Frömmigkeit, also um eine Verehrung Gottes, die sich auf horizontaler Ebene – neben den alttestamentlichen und frühjüdischen Vorgaben – auch an den Kardinaltugenden der hellenistisch-römischen Gesellschaft von Ehre und Respekt orientiert.

In seiner Studie, The goal of our instruction: The structure of theology and ethics in the Pastoral Epistles, hat P.H. Towner (1989) gezeigt, dass dieses Ansinnen nicht mit vermeintlicher ‘christlicher Bürgerlichkeit’ um ihrer selbst willen und mit Verweltlichung der Gemeinden gleichzusetzen ist. Ferner geht es bei dem geforderten ‘Leben in aller Stille’ (1 Tim 2:2) nicht um Rückzug aus der Gesellschaft und um die Vermeidung von Unannehmlichkeiten und Verfolgung. Vielmehr wird dieses geforderte Verhalten mit einem missionarischen Anliegen begründet: durch ein rücksichtsvolles Verhalten soll der Evangelisation und der Annahme des Evangeliums nichts im Weg stehen.

In diesen Rahmen sind die Anweisungen an die Frauen zumindest auch einzuordnen.37 Von ihnen wird ein Verhalten gefordert, das im damaligen gesellschaftlichen Kontext als angemessen empfunden wurde und damit nicht der Verkündigung des Evangeliums im Weg stand.38 Die Forderungen in 1 Timotheus 2:11–15 entsprechen den damaligen gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Heute muss man fragen, ob die strikte Orientierung an damaligen Vorstellungen von angemessenem Verhalten von Frauen dem Anliegen des Briefs noch gerecht wird, oder heute – zumindest in bestimmten Kontexten – eher kontraproduktiv ist. In Kulturkreisen, deren Vorstellungen von angemessenem Verhalten von Frauen in der Öffentlichkeit weitgehend mit den antiken Wertvorstellungen übereinstimmen, dürfte dies der Fall sein. In Kulturkreisen, die von anderen Vorstellungen geprägt sind (teilweise auch als Wirkungsgeschichte biblischer Werte!), könnte das im 1 Timotheusbrief geforderte Verhalten, gerade das Gegenteil bewirken: in westlichen Kulturen, die auf Gleichstellung und Gleichberechtigung Wert legen, dürfte die strikte, undifferenzierte Einhaltung und das Hochhalten der Forderungen in 1 Timotheus 2:12 bei Frauen und Männern eher Verständnislosigkeit und Vorbehalte gegenüber dem Evangelium auslösen, als dass sie zum Glauben kommen.

Freilich ist bei diesem Gedankengang zu berücksichtigen, dass ganz verschiedene kulturelle Vorstellungen darüber bestehen, worin das angemessene öffentliche Verhalten von Frauen und Männern besteht. Diese Unterschiede beziehen sich nicht nur auf Minderheiten und die Mehrheitsgesellschaft, sondern auch auf unterschiedliche Strömungen innerhalb der Mehrheitsgesellschaften.

Spannend und wichtig ist die Frage, nach welchen Prinzipien Christen in ihrer Lehre und Ethik über die expliziten Aussagen der Schrift hinausgehen. Zunächst müssen sie sich eingestehen, dass dies tatsächlich passiert, schon deshalb, weil die Schrift zu vielen Fragen, die sich aus moderner Wissenschaft und Technik ergeben, keine direkten Aussagen macht. Ferner müssen sie sich selbst, anderen Christen, aber auch ihrem gesellschaftlichen Umfeld darüber Rechenschaft geben, nach welchen Prinzipien sie dabei entscheiden, damit nicht der Eindruck entsteht, dass lediglich Willkür, persönliche Vorlieben, der jeweilige Zeitgeist oder eine konservative Grundhaltung unreflektiert die Feder und Lippen führen. Wichtige Hinweise bietet das Büchlein von I. Howard Marshall, Beyond the Bible: Moving from Scripture to theology (2004).

Ein möglicher Ansatz auf dieser Linie liegt in der Beobachtung, dass der 1 Timotheusbrief großen Wert auf die (richtige) Verkündigung des Evangeliums und das evangelistische Zeugnis der Christen in ihrer Umwelt legt. Die Aussagen zur angemessenen Kleidung von Frauen (oben) zeigen, dass der Ruf der Gemeinde und ihrer Mitglieder von entscheidender Bedeutung für ihr missionarisches Zeugnis war.39 Nichtchristen, denen das Verhalten der Christen nicht verborgen bleibt, sind immer wieder im Blick (vgl. 1 Tim 3:7; 5:14; 6:1; vgl. im Detail Lippert 1968:17–47, 57–60, 142–180). Wenn man von dieser Beobachtung herkommt und dem Anliegen des 1 Timotheusbriefs (und anderer neutestamentlicher Schriften), das Evangelium mit Worten und Taten zu bezeugen, gerecht werden will, könnte dies heute auch bedeuten, im Detail einen anderen Weg einzuschlagen als damals vorgegeben. Damals hat ein Lehrverbot für Frauen zumindest auch dazu gedient, den gesellschaftlichen Maßstäben zu entsprechen und durch eine andere, missverständliche Praxis Außenstehende nicht zu verwirren oder ihnen gar etwas zu signalisieren, was gegen damalige (auch christliche) Moralvorstellungen verstoßen hätte. Doch wie wirken diese Forderungen heute? Zumindest in einem von westlicher Kultur geprägten Kontext dürften heute Außenstehende, Männer wie Frauen, die an einer christlichen Versammlung teilnehmen (aber auch Christinnen und Christen) eher durch ein Lehrverbot gegenüber Frauen irritiert sein und Anstoß nehmen, als durch Frauen, die sich – wie Männer auch – in Demut vor Gott und mit dem Ziel der Erbauung aller Anwesenden an der Gestaltung eines Gottesdienstes oder des Gemeindelebens beteiligen. Damit würde man zwar nicht dem Wortlaut, aber dem Anliegen des 1 Timotheusbriefs durchaus entsprechen.

Zu den im 21. Jahrhundert grundlegend anderen Bedingungen als zur Zeit des Neuen Testaments, die einen anderen Zugang erfordern (siehe oben), gehören neben den veränderten gesellschaftlichen Rollen von Frauen und Männern (jenseits aller Gender-Ideologien unterschiedlicher Ausprägung) auch Veränderungen der gemeindlichen Bedingungen. Die Zahl der Männer und Frauen, die sich heute um die dem 1 Timotheusbrief so wichtige ‘gesunde Lehre’ bemühen, ist gering. Ebenso gering ist die Zahl derer, die fähig und willens sind, Lehre zu durchdringen und weiterzugeben. Freilich betrifft das nicht nur die potentiellen Lehrer und Lehrerinnen: viele Gemeinden sind weitgehend zu erlebnis- und gefühlsorientierten ‘Lehre-freien’ Zonen geworden, in denen auch die Bibel keine herausragende Rolle mehr spielt. Als Ausdruck einer individualisierten ‘patch-work’ Lehre und Spiritualität legen sich viele selbst zurecht, was sie glauben und leben wollen. Die brennende Frage ist heute vielleicht weniger, wer lehren darf und wer nicht, sondern wie überhaupt Lehre vermittelt werden kann und darf. Zugleich gibt es ein Verlangen nach lebenspraktischer biblischer Lehre in attraktivem Gewand. Dass die amerikanische Fernsehpredigerin Joyce Meyer sich mit ihren Sendungen seit Jahren großer Beliebtheit erfreut, zeigt neben dem zu begrüßenden doch vorhandenen Bedürfnis nach Lehre auch die Defizite in vielen Gemeinden jeglicher Prägung.

Ein Letztes: Es ist schlichtweg einseitig, wenn 1 Timotheus 2:8–15 beziehungsweise der ganze Brief (oder schlimmstenfalls das ganze Corpus Paulinum) auf das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 reduziert wird, über das sich trefflich streiten lässt und an dem man und frau sich abarbeiten können. Damit übersehen, vernachlässigen und entschärfen man und frau wichtige positive, herausfordernde Aussagen. Dies gilt nicht nur für diesen Abschnitt, sondern für die Debatte um die Rolle von Frauen unter konservativen Christen: bei verbissener Konzentration auf wenige Bereiche, in denen das Neue Testament die Rolle von Frauen einschränkt, hat man zuweilen die Fülle dessen übersehen, was Frauen tun dürfen und tun sollen und Frauen wenig ermutigt und gefördert.40 Wer unter Berufung auf die Bibel Frauen kleinmacht, kleinhält und an ihrer Entfaltung hindert, versündigt sich.

Männer sollten sich nicht in erster Linie für das Lehrverbot für die Frauen und dessen genaue Einhaltung interessieren, es vehement einfordern und zum Prüfstein aller ‘Bibeltreue’ machen, sondern sich nach 1 Timotheus 2 auf ihre Heiligung, ihr Gebetsleben und die charakterliche Veränderung in das Bild Jesu konzentrieren. Hier liegt die explizite Aufforderung an christliche Männer. Sie werden damit genügend zu tun haben, dass sie heilige Hände aufheben können (ein ganzheitlich geheiligtes Leben), ohne Zorn (hier geht es um einen durch Gottes Geist veränderten Charakter; vgl. Gal 5:18–26!) und die gedanklich geheiligte Durchdringung des Glaubens. Diese Aufforderungen sind an Aktualität kaum zu überbieten.

Zumindest hätten diese Aufforderungen an die Männer genauso viel Recht darauf, zum Kriterium für ‘Bibeltreue’ bei Männern erhoben zu werden wie das Lehrverbot bei Frauen. Ferner sollten Männer darauf bedacht sein, selbst christliche Lehre zu durchdringen und sie korrekt und verständlich in attraktiver Form weiterzugeben. Das Lehrverbot für Frauen ist eine indirekte Aufforderung an entsprechend begabte Männer, mit Engagement zu lehren.

Frauen sollten sich nicht in erster Linie am Lehrverbot und seiner Begründung reiben. In einer Zeit, in der äußerer Schein immer wichtiger wird und Frauen teilweise auf ihre Figur und ihr Geschick (bzw. finanzielle Möglichkeiten) in ‘Haarflechten, Gold und Perlen’ reduziert werden (bei gleichzeitigem enormen gesellschaftlichem Druck sich zu verwirklichen und Leistung zu bringen), zeigen die Aufforderungen in 1 Timotheus 2 einen befreienden Weg auf, wesentlich im besten Sinne des Wortes zu werden. Mit der richtigen Aktualisierung bietet der Abschnitt ein Programm, das Orientierung gibt und Mut machen kann, aus dem gegenwärtigen überzogenen Anforderungsprofil für Frauen auszusteigen und vom Evangelium her ganzheitliche Alternativen zu leben. Bei beiden Themen sind Angebote für Männer und Frauen gefragt, die sich nicht auf gemeinsames Grillen oder diverse Verwöhn- und Selbstfindungsangebote beschränken.

Epilog

Die ursprüngliche Fassung dieses Aufsatzes endete schulmeisterlich mit den letzten Sätzen der obigen Zusammenfassung. Nach dem peer review Verfahren möchte ich meine eigenen abschließenden Überlegungen in ungewöhnlicher Weise durch zwei längere Zitate reflektieren, die ich nicht kommentieren werde. Durch meine Themenwahl und die einzelnen Ausführungen werden aufmerksame Leserinnen und Leser mich als Autor ohne größere Mühe in der theologischen und kirchlichen Landschaft verorten können. Da auch Exegeten in einem bestimmten Kontext arbeiten und Biografie und Theologie eng miteinander verbunden sind, überrascht dies nicht.

Abschließend möchte ich ausführlicher aus einem der anonymen Gutachten des peer review Verfahrens zitieren, um zu zeigen, wie meine Ausführungen verstanden werden können und in welchem Maß bei diesem und anderen Themen Prägung und Prämissen bis in die Sprache hinein federführend sein können. Die anonyme Gutachterin beziehungsweise der Gutachter (Anonymous 2019b) schreibt:

Feminist scholarship is treated with the same dualistic critical style as the other scholarship. The lack of suspicion with regard to power is visible in the patronizing language of the solution: ‘men should’, ‘men should not […]’, ‘men should teach and nurture women to […]’, ‘women should not’ take exception at this text, but ‘women should see in this a liberating way’ for them (einen befreienden Weg). The point of a wholly alternative lifestyle to that of power wielding men or vainglorious women is valid. However, without a hermeneutics of suspicion with regard to power and the gender roles dictated by ancient and contemporary cultures respectively, the ‘solution’ comes across as moralistic and patronizing. The point that those who make and keep women small and hinder their flourishing, sins against the gospel of Jesus Christ, is valid. The language of the article, however, never overcomes the dualism man/woman, power/powerless (the one who must be ‘ermutigt, gefördert’, taught), in which the man remains the patronizing powerful giver of good gifts and women the grateful passive receivers of male magnanimity. Not even in the ‘solution’ to the research problem does the language portray people as human beings across the board. The dualisms remain. They are just sugar-coated. […] This article leaves me as a feminist scholar rather uncomfortable despite its best efforts to change the injustice done to women in the name of the Bible.

Vielen Dank an die Autorin oder den Autor dieser Zeilen. Dass mit dieser Kritik etwas Unterschwelliges und dennoch Wesentliches in meinen Überlegungen benannt wird, das weiterer Reflektion bedarf, bestätigt auch die Rückmeldung einer Kollegin aus meinem Kontext, die die obigen Zeilen aus dem akademischen Gutachten wie folgt kommentierte (Anonym 2019a):

Ja, das ist das, was ich schon öfter versucht habe in Worte zu fassen, aber nie so richtig erklären konnte: Ich kenne viele Evangelikale (und auch solche, die sich nie Evangelikal nennen würden), die sich sehr klar für Frauen, ihre Aufgaben und Positionen usw. einsetzen, die aber gleichzeitig in ihrer Sprache (das betrifft auch Frauen selber) den im Text genannten paternalistischen Dualismus anwenden. Niemals könnte man über diese Männer und Frauen sagen, sie würden Frauen klein machen o.ä. Und man fühlt sich als Frau sogar sehr angenommen und unterstützt. Trotzdem ist da gleichzeitig ein Ungleichgewicht, das ich auch immer wieder gespürt habe und wo ich mich bei manchen Menschen dann auch unwohl gefühlt habe. Vermutlich sind es diese sprachlichen Wendungen, die einem gar nicht auffallen, weil man sie gewohnt ist und weil sie ja freundlich und geborgen klingen, die das bewirken.

Zurkenntnisnahme

Konkurierende Interessen

Der Verfasser erklärt hiermit, daß er keinerlei finanzielle oder persönliche Bindung hat, die ihn zweckwidrig beim Schreiben dieses Artikels beeinflusste.

Ethische Überlegungen

Dieser Artikel beachtete alle ethischen Maßstäbe für die Forschung ohne jegliche Berührung mit menschlichen Subjekten.

Finanzierung

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Haftungsausschluss

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Footnotes

1. Dass es sich um einen komplexen Begriff handelt, zeigen Rosenau und Herms (2004:990–992). Man spricht daher besser von Schöpfungsabfolge oder Schöpfungsreihenfolge.

2. Blomberg (2006); knapper Überblick auf Seite 291–292. Blomberg schließt mit der Feststellung, es gäbe ‘no examples of women in the position of the ongoing authoritative teaching of God’s word’ (S. 292). Vergleiche auch die ausführliche Darstellung der Bedeutung und Aktivitäten von Frauen in der Mission des Paulus von Köstenberger (2000:221–247).

3. Blomberg (2006:312). Der detaillierte Kommentar von Marshall (1999:436–471) fasst jeweils die in der Auslegungsgeschichte vertretenen unterschiedlichen Positionen zusammen.

4. Vergleiche etwa Carson und Moo (2010:671–698); von den Kommentaren Johnson (2001) und Towner (2006:9–88); vergleiche ferner Metzger (2003) und Reicke (2001). Neuere Literatur bei Barentsen (2011), Klinker-De Klerk (2013), Thiessen (2016), Walker (2012), Wilder (2010), und Van Houwelingen (im Druck). Zur Bedeutung von stilistischen Unterschieden vergleiche Baum (im Druck) und Van Nes (2017). Van Nes (2017) schließt, dass die Sprache der Pastoralbriefe nicht so eigenartig ist, wie gemeinhin angenommen wird. Daher sollten linguistische Argumente nicht länger gegen die Abfassung durch Paulus ins Feld geführt werden. Die Diskussion sollte sich daher auf die theologischen und historischen Eigenarten der Pastoralbriefe konzentrieren.

5. Trebilco (2004:53–196) bietet eine gute Untersuchung aller Hinweise der Paulusbriefe und der Apostelgeschichte auf das Wirken des Paulus in Ephesus.

6. Diese Annahme dürfte auch für andere, spätere Verfasser gelten, die in der Forschung diskutiert werden.

7. Hier ist die Verfasserfrage eng mit der Frage nach der Datierung verbunden. Bei Paulus als Verfasser ist der Brief zu dessen Lebzeiten (soweit bekannt) zu datieren (vor Mitte der 60er Jahre). Bei anderen Bestimmungen sind Datierungen bis spät ins 1. Jahrhundert beziehungsweise ins frühe 2. Jahrhundert möglich und werden vertreten.

8. Dies gilt ganz unabhängig von der Frage, welche Implikationen dieser Text heute hat, wenn Menschen in demokratischen Ländern aufgefordert sind, das politische Leben aktiv und passiv mitzugestalten. Wird man dann der Forderung des Paulus nur mit regelmäßigem oder gelegentlichem Gebet für die Obrigkeit unter diesen Umständen gerecht?

9. Dabei ist nicht ganz klar, ob es sich um Anweisungen für Timotheus handelt, die er Männern und Frauen lehren soll, oder ob die Männer und Frauen auch direkt mit angesprochen werden. Der Abschlussgruß in der Mehrzahl, ‘Die Gnade sei mit euch!’ in 1 Timotheus 6:21, deutet an, dass sich der Brief nicht nur an Timotheus wendet. Vor der versammelten Gemeinde soll Timotheus hören, wozu ihn Paulus eingesetzt und autorisiert hat. Wenn Timotheus sich an diese Anweisungen hält und seinen Dienst entsprechend versieht, steht die ganze Autorität des Apostels hinter seinem Dienst. Die konkreten Inhalte des geforderten Verhaltens kann Paulus bei dem Empfänger (als seinem langjährigen Mitarbeiter) beziehungsweise den Empfängern (nach dem langen und intensiven Wirken in Ephesus) anscheinend als bekannt voraussetzen, so dass es keiner Erläuterung im Detail bedarf. Diese Voraussetzung erschwert die Auslegung.

10. Dabei geht es weniger um Frisuren und Schmuck allgemein, sondern die Kombination von aufwändigen Frisuren, in die Goldschmuck und Perlen eingeflochten sind. Nach Winter (2003): [A]n emphasis on external suggests a desire to attract attention to oneself, perhaps to seduce. The evidence does show that a woman so dressed certainly sent signals to all who saw her. […] Rather the Christian matron’s modesty was set against the antithetical behaviour of the promiscuous wife in the public place. The public perception of Christian wives was a critical matter in the community; they would play into the hands of the enemy of the early Christian movement in Ephesus if they dressed like high-class prostitutes. The dress code was proscribed in 2:9b because it sent signals of a lack of moral respectability and sexual availability to those at banquets, other social gatherings or in the public spaces which women frequented, including theatres. 1 Timothy 2:9a seeks an adornment of the female virtues of modesty and self-control coupled with good deeds rather than the wrong attire (S. 121).

11. Hier sind die anderen Vorkommen von Frauen und ihrem Verhalten im Brief zu berücksichtigen, etwa 1 Timotheus 3:11; 4:3 und 5:3–16.

12. Blomberg (2006): Thus the inappropriateness of the behaviour proscribed in vv. 9 and 10 remains as timeless as that in v. 8. Nothing in these first three verses, any more than the historical or literary context, suggests that we are dealing with merely situation-specific issues (S. 314).

13. Die ähnlich absoluten Aussagen zur staatlichen Gewalt und zur geforderten Unterordnung von Christen in Römer 13:1–7 haben eine lange und differenzierte Wirkungsgeschichte ausgelöst; vergleiche die Zusammenfassung bei Wilckens (1989:43–66).

14. So Glück (2010:264).

15. Der Gebrauch des Alten Testaments im Neuen Testament ist einer der gegenwärtigen Schwerpunkte der Bibelwissenschaften; vergleiche den Überblick bei Beale und Carson (2007).

16. Blomberg (2006:285) spricht von einem bemerkenswerten Konsens dass: [I]f these opening chapters of the Bible do not demonstrably promote a hierarchy of authority of the man over the woman, they at least leave open the door for such an interpretation.

17. Dabei müssen die neutestamentlichen Autoren zunächst an der Schriftauslegung ihrer Zeit gemessen werden, nicht an heutigen Maßstäben.

18. Vergleiche Haacker (2012:140–148). Wer die Argumentation in 1 Timotheus 2 bezüglich Eva für nicht haltbar hält, sollte erklären können, warum ‘durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten werden’ (Röm 5,19).

19. So die dritte der von Marshall (1999:469) angeführten Möglichkeiten. Eine Parallele mag darin liegen, dass Adam und Eva, bevor sie unwiederbringlich aus dem Paradies vertrieben werden, noch von Gott in seiner Fürsorge auch für gefallene Menschen eingekleidet werden.

20. Dies wird von vielen Auslegern vertreten, etwa Blomberg (2006:312): ‘“Saved” will then refer to eschatological salvation, that is the culmination of the process of restoring the cosmos to God’s intended ideas’ (mit Verweis auf den Gebrauch von ‘retten’ in 1 Tim 4;16, 18); vergleiche auch Marshall (1999:468–470).

21. Ansonsten würde gelten, dass Paulus andeutet, dass die Aussagen der ersten Kapitel der Bibel nicht in Stein gemeißelt sind und nicht als Gesamtpaket ihre Bedeutung behalten: während er an der Vorrangstellung des Mannes festhält (als Erstgeschaffener und wegen des Betrugs an Eva – darüber, nach welchen Kriterien Paulus diese Entscheidung trifft, gibt er keine Rechenschaft), sind andere Aspekte der Geschichte des Sündenfalls in Christus aufgehoben.

22. Paulus macht hier eine allgemeine Aussage. Er gibt keine Garantie, dass alle (gläubigen) Frauen aller Zeiten die Geburt ihrer Kinder überstehen werden.

23. Stibbs (1980). Hier wird eine bestimmte Rekonstruktion einer oder der Irrlehren in Ephesus vorausgesetzt, gegen die sich Paulus mit diesen Aussagen explizit wenden würde. Im Text findet sind kein direkter Bezug. Blomberg (2006) fasst den Gedankengang wie folgt zusammen: ‘Women are not to hold the authoritative teaching position in the church because that is not a role for which they were created. Moreover, things subsequently deteriorated for the woman, after creation, when she fell, through the deception of the serpent. But there is a bright side […] Women, collectively, will be preserved/restored as they exercise in a godly fashion their distinctive role of rearing children’ (S. 322).

24. Vergleiche Trebilco (2004:197–236) (‘What do the Pastoral Epistles tell us about the early Christians in Ephesus?’).

25. Überblick bei Ellis (1993:662–663) und Sumney (2005:39–42). Detailliert bei Trebilco (2004:209–233).

26. Vergleiche die Analyse des Umgangs des Paulus mit der Situation vor Ort in den Pastoralbriefen bei Trebilco (2004:354–384).

27. Vergleiche den Überblick bei Blomberg (2006) auf dem Stand von 2003. Seitdem ist die Debatte im englischen Sprachraum deutlich abgeebbt. Die vorliegenden Thesen wurden teilweise weiter differenziert und ausgearbeitet, ohne dass sich wesentliche neue Perspektiven ergeben haben. Für den deutschen Kontext vergleiche etwa Merz (2004, 2012).

28. (Blomberg 2006:283); vergleiche die von Blomberg bei seiner Auslegung herangezogene Literatur (312–324).

29. So die von Kroeger und Kroeger vertretene These, Zusammenfassung bei Marshall (1999:457): ‘Kroeger has depended upon the word-group’s associations in some cases with violence, murder and erotic seductive power, and attempted to see in it a reference to practices associated with the heresy, possibly showing the influence of the Artemis cult. This led her first to the conclusion that the term means “to engage in fertility cults” (1979; see the criticisms in Panning and Osburn) and finally to the meaning “to proclaim oneself the author or originator of another” (Kroeger & Kroeger 1992:87–104). Though ideas of “authorship” and “origination” can be linked to the word-group (cf. 2 Cl 14:3), it is hard to see how the verb can be understood to mean “to proclaim oneself” (vgl. auch S. 459).’

30. Winter (2003) schließt: ‘The immediate context of these verses is that of learning and teaching. The deciphering of the dress codes and its coded use in the previous section have gone a substantial way in locating the social Sitz im Leben. This latter section shows the public role of some women engaged in the public place and some form of social or intellectual control on the part of some. The cumulative evidence on the new women helps in the choice of the meaning of the term authenteo (2:11–12)’ (S.119).

31. Kroeger and Kroeger (1992); knappe Zusammenfassung und Einschätzung bei Marshall (1999:459) (‘This reconstruction of the Ephesian background is highly conjectural’).

32. Knapp bei Blomberg (2006:313); vergleiche auch Baugh (1995:15–32). Blomberg (2006:313) fasst die Kritik wie folgt zusammen: ‘Careful study of the ancient sources has demonstrated, however, that the Kroegers have culled information from numerous unrelated documents spanning a period of several centuries before to several centuries after the time of Paul and that they have made numerous unwarranted inferences from very slender data. The relevant Gnostic literature is no earlier than the third Century A.D., and the pre-Christian information on the Artemis cult does not allow one to relativize 1 Tim 2:13–14 as responding to specific mythological claims.’ Vergleiche auch das Ergebnis von Gritz (1991:157–158).

33. Winter (2000 & 2003); Zusammenfassung nach Blomberg (2006:288). Nach einem Überblick über die antiken Quellen (Winter 2003:1–74) untersucht Winter auf diesem Hintergrund das Auftreten unverhüllter Ehefrauen in 1 Korinther 11:2–16, die Erscheinung verheirateter Frauen in 1 Timotheus 2:9–15, das Auftreten junger Witwen in 1 Timotheus 5:11–15 und das Auftreten junger Ehefrauen in Titus 2:3–5.

34. Haslebacher (2012) untersucht im zweiten Teil die einzelnen Paulus-Stellen (77–169), unter anderem 1 Timotheus 2:9–15 (97–122).

35. Blomberg (2006), selbst äußert sich dazu kritisch: ‘Yet even this variation runs aground on Paul’s appeals both to original creation and to re-creation in Christ as motives for his mandate. It may be time to admit that full-fledged egalitarianism is simply not the most likely synthesis of the biblical data within a historic Christian hermeneutic’ (S. 325–326).

36. Vergleiche etwa Lohse (1996): ‘War Paulus zu wenig darum bekümmert, dass viele seiner Hörer und Leser in ärmlichen und elenden Verhältnissen lebten, die dringend der Veränderung bedurften? Konnte er darüber hinwegsehen, dass das Los der Sklaven hätte verbessert und ihnen die Freiheit gegeben werden sollen? Und hat er nicht bemerkt, dass die Stellung der Frau in der patriarchalisch geordneten Gesellschaft der Spätantike durch mancherlei Benachteiligungen belastet war? Kritische Fragen werden gestellt; des Öfteren wird auch gegen den Apostel auf Defizite aufmerksam gemacht, deren bis heute spürbare Auswirkungen unbedingt korrigiert werden müssten’ (S. 294–295).

37. Vergleiche die Quellen in Späth und Wagner-Hasel (2006).

38. Auch an anderen Stellen im Neuen Testament wird tatsächlich vorhandene, berechtigte Freiheit aus Rücksicht auf andere eingeschränkt, vergleiche etwa Apostelgeschichte 15; 1 Korintherbrief 8–11 und Römer 14:1–15:13.

39. Zur Bedeutung des missionarischen Zeugnisses und der Beziehungen zu Nichtchristen in den Pastoralbriefen vergleiche Lippert (1968) und Towner (1989, Zusammenfassung S. 250–257; Ziel der Ermahnungen ist eindeutig das Interesse des Autors am evangelistischen Zeugnis der Gemeinde) und Stemmler (2015). Nach Stemmler geht es bei den ethischen Forderungen des Briefs nicht: ‘[U]m eine hellenisierende Verflachung des Evangeliums zur sog. christlichen Bürgerlichkeit, sondern um ein missionarisches Anliegen, das durch einen respektablen Lebensstil unterstützt werden soll und dabei alle Menschen der Gesellschaft im Blick hat. […] Genauso, wie bei den Vorstehern und Diakonen zusammen mit (ihren) Frauen und Kindern, geht es auch in 1 Tim 2:9–15 um einen Lebensstil der Frauen, der unter missionarischem Gesichtspunkt in der Öffentlichkeit keinen Anstoß für das Evangelium erregen soll’. (91; vgl. S. 91–96, 116, 119–121, 132, 145). Stemmler (2015) schließt: ‘Ziel der ethischen Anordnungen ist nicht ein unauffälliges und angepasstes Leben vor einer nichtchristlichen-heidnischen Umwelt, sondern ein authentisches Glaubensleben, das aus missionarischer Zielsetzung der Gesellschaft gegenüber ein ehrenwertes und respektwürdiges Verhalten demonstriert, das den Respekt und die Achtung der Öffentlichkeit verdient, statt durch falsch verstandene christliche Freiheit die öffentliche Ordnung zu stören und Widerstand zu provozieren’ (S. 152).

40. Dazu schreibt Blomberg (2006) kritisch: ‘Many hierarchicalists seem to be more preoccupied with keeping men in positions of authority than in nurturing women to become all that God wants them to be in the spirit of Paul’s radically redefined patriarchy and consistent with biblical servant leadership more generally’ (S. 326).



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