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<journal-title>HTS Teologiese Studies/Theological Studies</journal-title>
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<issn pub-type="ppub">0259-9422</issn>
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<publisher-name>AOSIS</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="publisher-id">HTS-75-5364</article-id>
<article-id pub-id-type="doi">10.4102/hts.v75i3.5364</article-id>
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<subject>Original Research</subject>
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<article-title>&#x2018;Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre&#x2018; (1 Timotheus 2:12): Exegese &#x2013; Hermeneutik &#x2013; Kirche</article-title>
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<contrib-id contrib-id-type="orcid">http://orcid.org/0000-0002-0009-8461</contrib-id>
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<surname>Stenschke</surname>
<given-names>Christoph W.</given-names>
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<aff id="AF0001"><label>1</label>Department of Biblical and Ancient Studies, University of South Africa, City of Tshwane, South Africa</aff>
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<corresp id="cor1"><bold>Corresponding author:</bold> Christoph Stenschke, <email xlink:href="CStenschke@t-online.de">CStenschke@t-online.de</email></corresp>
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<pub-date pub-type="epub"><day>29</day><month>11</month><year>2019</year></pub-date>
<pub-date pub-type="collection"><year>2019</year></pub-date>
<volume>75</volume>
<issue>3</issue>
<elocation-id>5364</elocation-id>
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<date date-type="received"><day>12</day><month>12</month><year>2018</year></date>
<date date-type="accepted"><day>03</day><month>04</month><year>2019</year></date>
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<copyright-statement>&#x00A9; 2019. The Authors</copyright-statement>
<copyright-year>2019</copyright-year>
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<license-p>Licensee: AOSIS. This work is licensed under the Creative Commons Attribution License.</license-p>
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<abstract>
<p>This article is an exercise in combining the exegesis, hermeneutical issues and application of 1 Timothy 2:12 in ecclesial contexts where this prohibition is still taken seriously as a Pauline injunction or, at least, as part of the canon of the Church. It surveys representative proposals in New Testament studies of dealing with this least compromising assertion regarding the teaching of women in early Christianity. It discusses the hermeneutical issues involved in exegesis and application and how one should relate this prohibition to other New Testament references to women and their role in the early Christian communities. In closing, the article discusses whether and how this assertion can still be relevant in contemporary contexts when and where women have a very different role in society and church.</p>
</abstract>
<kwd-group>
<kwd><italic>Paul</italic></kwd>
<kwd><italic>1 Timothy</italic></kwd>
<kwd><italic>Role of Women in Early Christianity</italic></kwd>
<kwd>role of women in contemporary Christianity, <italic>hermeneutic</italic>s</kwd>
<kwd>application of scripture, ordination of women, gender issues</kwd>
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<sec id="s0001">
<title>Einleitung</title>
<p>In der nun weit mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden Debatte um die Rolle von Frauen in christlichen Gemeinden in der westlichen Welt hat diese Aussage aus dem 1 Timotheusbrief eine wichtige Rolle gespielt. Oft ist sie zur wichtigsten Stelle zu diesem Thema erkl&#x00E4;rt worden. Hier steht doch ganz absolut und deutlich formuliert: &#x2018;Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehrt.&#x2019; Und was in der Schrift steht, das gilt, ob es nun an mehreren Stellen ausgesagt wird oder an einer Stelle. Eine ganze Reihe anderer wichtiger Aussagen, die unumstritten sind, finden sich schlie&#x00DF;lich auch nur an einer Stelle!</p>
<p>Bei der Bewertung dieser Aussage ist der Ausgangspunkt von gro&#x00DF;er Bedeutung. Man kann von dieser &#x2013; auf den ersten Blick so deutlichen &#x2013; Aussage her alle anderen neutestamentlichen Stellen zur Rolle von Frauen verstehen. Freilich werden dann die &#x2018;scheinbaren&#x2019; Ausnahmen, die sich an anderen Stellen finden, erkl&#x00E4;rungsbed&#x00FC;rftig. So werden etwa im Titusbrief &#x00E4;ltere Frauen aufgefordert, j&#x00FC;ngere Frauen anzuhalten &#x2018;dass sie ihre M&#x00E4;nner lieben, ihre Kinder lieben, besonnen seien, keusch, h&#x00E4;uslich, g&#x00FC;tig und sich ihren M&#x00E4;nnern unterordnen, damit nicht das Wort Gottes verl&#x00E4;stert werde&#x2019; (2:4&#x2013;5; vgl. auch 2 Tim 1:5; 3:14&#x2013;15). Neben einem Lehr<italic>verbot</italic> gibt es also ein deutliches Lehr<italic>gebot</italic> f&#x00FC;r Frauen im Neuen Testament. Relativiert diese Stelle das Verbot von 1 Timotheus 2:12? Kann oder muss man dann betonen und erg&#x00E4;nzen, dass die eine Aussage f&#x00FC;r die Gemeinde gilt oder f&#x00FC;r Versammlungen, bei denen M&#x00E4;nner anwesend sind, w&#x00E4;hrend sich andere Stellen auf den h&#x00E4;uslichen und privaten Kontext beziehen? Geht es nur um eine bestimmte Art von Lehre in bestimmten &#x00C4;mtern?</p>
<p>Oder man kommt von anderen Texten her zum Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12. Bestimmt man etwa als <italic>die</italic> neutestamentliche Schl&#x00FC;sselthese zu diesem Thema die Aussage in Galater 3:28 &#x2018;hier ist nicht Mann noch Frau, denn ihr seid allesamt einer in Christus&#x2019;, wird man in der Regel schlie&#x00DF;en, dass das Verbot in 1 Timotheus 2:12 nicht allgemeing&#x00FC;ltig gemeint sein kann und unterschiedliche Gr&#x00FC;nde daf&#x00FC;r anf&#x00FC;hren.</p>
<p><italic>F&#x00FC;r ein Vorgehen</italic>, das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 als Ausgangspunkt zu nehmen, von dem her andere Aussagen zu verstehen sind, spricht zun&#x00E4;chst, dass diese Stelle gerade <italic>nicht</italic> mit bestimmten Entwicklungen im Umfeld oder mit der damaligen Kultur argumentiert, sondern mit der &#x2018;Sch&#x00F6;pfungsordnung&#x2019; (was immer man genau darunter versteht),<xref ref-type="fn" rid="FN0001"><sup>1</sup></xref> beziehungsweise mit Unterschieden im S&#x00FC;ndenfall: &#x2018;Denn [als Begr&#x00FC;ndung f&#x00FC;r das unmittelbar voranstehende Verbot] Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verf&#x00FC;hrt, die Frau aber hat sich zur &#x00DC;bertretung verf&#x00FC;hren lassen&#x2019; (1 Tim 2:13&#x2013;14).</p>
<p><italic>Gegen dieses Vorgehen</italic>, das Lehrverbot von 1 Timotheus 2:12 als die Schl&#x00FC;sselaussage zu diesem Thema anzusehen, spricht, dass andere Stellen im Neuen Testament durchaus davon ausgehen, dass Frauen reden d&#x00FC;rfen (in der Gemeinde und anderswo) beziehungsweise anderweitig eine aktive Rolle innehatten. So schreibt etwa Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>):</p>
<disp-quote>
<p>Methodologically, one should not treat Paul&#x2019;s didactic passages on gender roles in isolation from merely descriptive material. What did women actually do in the Pauline mission &#x2013; actions for which Paul was grateful? (S. 291).<xref ref-type="fn" rid="FN0002"><sup>2</sup></xref></p>
</disp-quote>
<p>Wenn der Fokus auf dem Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 liegt, darf &#x2013; sp&#x00E4;testens bevor die Frage nach der heutigen Bedeutung gestellt wird &#x2013; dieses gr&#x00F6;&#x00DF;ere Bild nicht ausgeblendet werden.</p>
<p>Zudem ist zu beachten, dass dieser Abschnitt enorm komplex ist und sich auch die Forschung in der Auslegung und Bewertung keineswegs einig ist. Daher ist zumindest Vorsicht bei der Auslegung geraten und bei dem Versuch, von dieser Stelle aus die Rolle von Frauen zu beschreiben oder zu reglementieren. &#x2018;<italic>If any, this passage complicates matters because the exegetical questions are so complex</italic>.&#x2019;<xref ref-type="fn" rid="FN0003"><sup>3</sup></xref> Bevor ich zur eigentlichen Zusammenfassung des Gedankengangs in 1 Timotheus 2 und einer knappen Auslegung komme, sind einige Vorbemerkungen n&#x00F6;tig.</p>
<p>Im Folgenden spreche ich aus zwei Gr&#x00FC;nden gelegentlich vom Verfasser des 1 Timotheusbriefs als Paulus. Zum einen gibt es nach wie vor namhafte Exegeten, die an der Abfassung des 1 Timotheusbriefs durch Paulus festhalten.<xref ref-type="fn" rid="FN0004"><sup>4</sup></xref> Diese Minderheit und ihre Argumente d&#x00FC;rfen nicht ignoriert werden. Zum anderen spielt die Verfasserschaft des 1 Timotheusbriefs f&#x00FC;r unsere spezielle Fragestellung nur eine untergeordnete oder keine Rolle. In den kirchlichen Kreisen, die das Lehrverbot nicht pauschal als &#x00FC;berholt ablehnen (teilweise, aber nicht durchgehend, in Kombination mit der deuteropaulinischen Verfasserschaft als wissenschaftlicher Begr&#x00FC;ndung neben anderen), sondern es reflektiert und angemessen aktualisieren wollen, geht man in der Regel von Paulus als dem Verfasser des 1 Timotheusbriefs aus, beziehungsweise gen&#x00FC;gt es, dass der Brief zum kirchlichen Kanon geh&#x00F6;rt und von daher nicht ignoriert werden kann. In anderen kirchlichen Kontexten spielt das Lehrverbot praktisch keine Rolle mehr.</p>
<p>Aufgrund seiner eigenen, teilweise l&#x00E4;ngeren Aufenthalte in Ephesus (Apg 18:19&#x2013;21; 19:1&#x2013;20:1)<xref ref-type="fn" rid="FN0005"><sup>5</sup></xref> und des dichten Netzes an &#x00FC;bergemeindlicher Kommunikation, das die Briefe des Neuen Testaments bezeugen (vgl. Stenschke <xref ref-type="bibr" rid="CIT0032">2013</xref>:185&#x2013;228; Thompson <xref ref-type="bibr" rid="CIT0037">1998</xref>:49&#x2013;70), war der Verfasser &#x00FC;ber die Situation der Gemeinden in Ephesus informiert.<xref ref-type="fn" rid="FN0006"><sup>6</sup></xref> Auf dieser Grundlage werden konkrete Anweisungen gegeben. Anders als der beziehungsweise die Empf&#x00E4;nger des Briefs kennen <italic>heutige Leser</italic> diese Situation <italic>nicht</italic> oder k&#x00F6;nnen sie nur indirekt aus den Aussagen des 1 Timotheusbriefs <italic>rekonstruieren</italic>. &#x00C4;hnliches gilt f&#x00FC;r das soziale und kulturelle Umfeld der Stadt Ephesus in den 50er und 60er Jahren des 1. Jahrhunderts, auf das immer wieder als Hintergrund der Ausf&#x00FC;hrungen verwiesen wird.<xref ref-type="fn" rid="FN0007"><sup>7</sup></xref> Selbst wenn sich bestimmte Vorstellungen oder Str&#x00F6;mungen in diesem Zeitraum (nicht in den Jahrhunderten davor oder danach!) in der Stadt (nicht irgendwo in der hellenistisch-r&#x00F6;mischen Umwelt!) mit Sicherheit nachweisen lie&#x00DF;en, ist noch nicht selbstredend, dass diese auch in den Gemeinden bekannt waren und dort von einzelnen oder mehreren entsprechend vertreten wurden. Dass es heute an vielen Orten Wahrsager und andere okkulte Angebote offen oder verdeckt gibt, bedeutet nicht selbstredend, dass alle Gemeinden vor Ort von Okkultismus durchseucht sind.</p>
<p>Hinter jeder allgemein gehaltenen Aussage des 1 Timotheusbriefs <italic>k&#x00F6;nnten</italic> konkrete Missst&#x00E4;nde in den Gemeinden stehen, <italic>m&#x00FC;ssen</italic> aber nicht. Wenn zum Beispiel 1 Timotheus 2:2 fordert, f&#x00FC;r &#x2018;die K&#x00F6;nige und alle Obrigkeit zu beten&#x2019;, k&#x00F6;nnte dies lediglich eine &#x2018;zeitlose&#x2019; Aufforderung zum Gebet sein (so wird die Aufforderung in der Regel und zurecht verstanden), k&#x00F6;nnte aber auch auf konkrete revolution&#x00E4;re Str&#x00F6;mungen in der Gemeinde hindeuten (eine abwegige These, die meines Wissens niemand vertritt!). Also, anstatt sich an Aufst&#x00E4;nden und Unruhen zu beteiligen, sollen Christen ein &#x2018;ruhiges und stilles Leben f&#x00FC;hren in aller Fr&#x00F6;mmigkeit und Ehrbarkeit&#x2019; (2:2). Hinter der Aufforderung, den Reichen dieser Welt zu gebieten, &#x2018;dass sie nicht stolz seien und hoffen auf den unsicheren Reichtum&#x2019; in 1 Timotheus 6:17, k&#x00F6;nnen konkrete reiche Christen in Ephesus stehen, die stolz waren und tats&#x00E4;chlich ihre Hoffnung auf ihren Besitz gesetzt hatten. Dass es einige wohlhabendere Christen in den Gemeinden gegeben hat, ist sogar wahrscheinlich. Auf das sozio-kulturelle Umfeld der Gemeinde trifft dies mit Sicherheit zu. Jedoch kann es sich an beiden Stellen auch um ganz allgemeine Mahnungen handeln, die keinen konkreten Anlass in den Gemeinden hatten und die neben den Ephesern, Christen an allen Orten und zu allen Zeiten zu h&#x00F6;ren und zu beherzigen haben.</p>
<p>Auch wenn es f&#x00FC;r bestimmte Aussagen des Briefs nachweislich konkrete Anhaltspunkte in der Situation der &#x00F6;rtlichen Gemeinden beziehungsweise ihrem sozio-kulturellen Umfeld g&#x00E4;be oder gibt, hei&#x00DF;t das noch nicht unbedingt, dass die Aussagen des 1 Timotheusbriefs zu diesem Thema dadurch selbstredend relativiert w&#x00FC;rden. Sie k&#x00F6;nnen unter anderen Umst&#x00E4;nden genau so gelten. Selbst wenn es konkrete revolution&#x00E4;re Str&#x00F6;mungen in Gemeinden und Stadt gegeben haben sollte (unser Beispiel von oben), bedeutet das nicht, dass die Mahnung zum Gebet &#x2018;f&#x00FC;r K&#x00F6;nige und alle, die in Hoheit sind&#x2019; und das anvisierte ruhige und stille Leben in 1 Timotheus 2:2&#x2013;3 <italic>nur</italic> unter den besonderen Umst&#x00E4;nden der Situation damals und dort gelten w&#x00FC;rden. Ohne den damaligen konkreten Anlass gilt die Aufforderung genauso.<xref ref-type="fn" rid="FN0008"><sup>8</sup></xref> Diese hermeneutischen &#x00DC;berlegungen gelten auch f&#x00FC;r die Aussagen &#x00FC;ber Frauen und ihre Rolle (siehe unten).</p>
</sec>
<sec id="s0002">
<title>Das Lehrverbot f&#x00FC;r Frauen im Kontext von 1 Timotheus 2:8&#x2013;15</title>
<p>Zun&#x00E4;chst ermahnt der Brief christliche M&#x00E4;nner, <italic>an jedem Ort</italic> zu beten (1 Tim 2:8).<xref ref-type="fn" rid="FN0009"><sup>9</sup></xref> Es geht um eine Aufforderung, die nicht auf einen bestimmten Ort begrenzt ist, sondern f&#x00FC;r <italic>alle Orte gilt, an denen sich Christen versammeln</italic> (das d&#x00FC;rfte gemeint sein). Dabei soll ihr Gebet von ihrem Leben gedeckt sein (&#x2018;heilige H&#x00E4;nde&#x2019; als Ausdruck eines geheiligten Lebensstils; vgl. dazu Stettler <xref ref-type="bibr" rid="CIT0033">2014</xref>). Ferner ist von der inneren Haltung beim Gebet und dar&#x00FC;ber hinaus die Rede (&#x2018;ohne Zorn und zweifelnde &#x00DC;berlegung&#x2019;). Eventuell hat der Verfasser leitende M&#x00E4;nner der Gemeinden vor Augen, die miteinander in heftigem Streit lagen (daher auch die &#x00F6;ffentliche Ermahnung), vielleicht spricht er auch allgemeiner von Defiziten (vgl. Zorn in Eph 6:4; auch R&#x00F6;m 1:29&#x2013;31), die aus ihrer heidnischen Vergangenheit stammen (vgl. etwa 1 Kor 6:9&#x2013;11).</p>
<p>Nach der knappen Anweisung an die christlichen M&#x00E4;nner wendet sich der Gedankengang ausf&#x00FC;hrlicher den christlichen Frauen zu (V. 9). Vom Zusammenhang her hat der Verfasser wahrscheinlich das (gemeinsame) Gebet und damit gottesdienstliche Versammlungen vor Augen, macht aber Aussagen, die dar&#x00FC;ber hinausgehen. Im Vordergrund steht dabei das angemessene Auftreten in der &#x00D6;ffentlichkeit (freilich darf man nicht heutige Vorstellungen von &#x00D6;ffentlichkeit und Privatsph&#x00E4;re in Texte aus der Antike eintragen): &#x2018;ebenso dass die Frauen sich in w&#x00FC;rdiger Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schm&#x00FC;cken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung&#x2019; (Winter <xref ref-type="bibr" rid="CIT0048">2003</xref>).<xref ref-type="fn" rid="FN0010"><sup>10</sup></xref> Wahrscheinlich sind mit dieser Zur&#x00FC;ckweisung besondere Personen oder bestimmte Situationen in Ephesus im Blick (siehe unten); vielleicht geht es weniger um tats&#x00E4;chlich vorhandene M&#x00F6;glichkeiten als von manchen Frauen erstrebte M&#x00F6;glichkeiten.</p>
<p>Dies erlaubt interessante R&#x00FC;ckschl&#x00FC;sse auf die Zusammensetzung der Gemeinde(n): die anscheinende Verf&#x00FC;gbarkeit von Gold, Perlen oder kostbarer Kleidung weist auf eine (wohl kleine) Anzahl reicher Frauen aus der Oberschicht hin. Allerdings deutet die Verkn&#x00FC;pfung am Anfang von Vers 9 (&#x2018;ebenso&#x2019;) eher darauf hin, dass auch hier christliche Frauen &#x2018;an jedem Ort&#x2019; (V. 8) gemeint sind. Der Schmuck christlicher Frauen (ob tats&#x00E4;chlich verf&#x00FC;gbar oder nicht) soll sich von den Vorstellungen und Werten der heidnischen Umwelt deutlich abheben (vgl. auch 1 Petr 3:1&#x2013;6).</p>
<p>Nach der negativen Abgrenzung vom Verhalten zweifelhafter heidnischer Frauen in Vers 9 unterstreicht Vers 10 das von den christlichen Frauen geforderte Verhalten durch die positive Aussage: &#x2018;sondern mit dem, was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke.&#x2019; Frauen sollen sich mit dem schm&#x00FC;cken, was sich f&#x00FC;r Frauen ziemt, die Gott kennen und ehren. Neben der w&#x00FC;rdigen Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit aus Vers 9 (die genauen Inhalte werden weder dort noch hier im Detail ausgef&#x00FC;hrt; sie k&#x00F6;nnen wohl als bekannt vorausgesetzt werden) sind gute Werke gemeint.<xref ref-type="fn" rid="FN0011"><sup>11</sup></xref> Sie sollen der Schmuck christlicher Frauen sein.<xref ref-type="fn" rid="FN0012"><sup>12</sup></xref> Eine &#x00E4;hnliche Aussage erscheint in Titus 2,10. Dort werden christliche Sklaven aufgefordert, durch vorbildliches Verhalten, der Lehre Gottes, unseres Heilands, in allen St&#x00FC;cken Ehre zu machen (w&#x00F6;rtlich die Lehre &#x2018;auszuschm&#x00FC;cken&#x2019;).</p>
<p>Nach Vers 11 sollen Frauen in Stille in aller Unterordnung lernen. Bei den Inhalten des Lernens d&#x00FC;rfte es sich neben dem Evangelium um die im Zusammenhang erw&#x00E4;hnten Forderungen handeln. Wieder wissen wir nicht, ob im Hintergrund dieser allgemein gehaltenen Forderung nach Stille und Unterordnung besondere Missst&#x00E4;nde in Ephesus stehen, etwa Frauen, die in Gemeindeversammlungen (oder anderweitig) lautstark oder in anderer Weise unangemessen auftraten oder sich, aus welchen Gr&#x00FC;nden auch immer, nicht mehr ihren M&#x00E4;nnern beziehungsweise der m&#x00E4;nnlichen Gemeindeleitung unterordnen wollten. Ohne konkrete Hinweise im Text wird man auch hier am besten die Angabe von Vers 8 (&#x2018;an jedem Ort [an dem sich Christen versammeln]&#x2019;) voraussetzen. Mit der geforderten &#x2018;Stille&#x2019; wird ein Verhalten beschrieben, das nicht zu St&#x00F6;rungen f&#x00FC;hrt. Keines der anderen Vorkommen des Wortes im Neuen Testament legt v&#x00F6;llige Stille oder Schweigen nahe (Apg 22:2; 2 Thess 3:12; 1 Tim 2:2; 1 Petr 3:4). Bei dem in 1 Timotheus 2:2 erbetenen &#x2018;stillen Leben&#x2019; aller Christen handelt es sich gewiss nicht um eine Aufforderung, unter allen Umst&#x00E4;nden zu schweigen.</p>
<p>Bei der oft vorherrschenden Konzentration auf das folgende Lehrverbot und die Unterordnung wird &#x00FC;bersehen, dass Frauen, unabh&#x00E4;ngig von ihrer Herkunft oder ihrem Sozialstatus, hier explizit aufgefordert werden zu lernen, das hei&#x00DF;t, sich mit den Inhalten christlicher Lehre und christlichen Lebens zu besch&#x00E4;ftigen. Darin besteht ein Unterschied zu fr&#x00FC;hj&#x00FC;dischen Vorstellungen und der weit &#x00FC;berwiegenden Praxis hellenistisch-r&#x00F6;mischer Religionen und Philosophien.</p>
<p>Die Forderung von Vers 11 wird im Rest des Abschnitts pr&#x00E4;zisiert und begr&#x00FC;ndet. Frauen sollen nicht <italic>lehren</italic>. Das w&#x00FC;rde der Forderung von Vers 11 widersprechen (zumindest bis sie entsprechend <italic>gelernt</italic> haben).</p>
<p>Diese Aussage wird im unmittelbaren Zusammenhang <italic>nicht</italic> auf bestimmte Situationen beschr&#x00E4;nkt: etwa Lehrverbot in der Versammlung oder in Situationen, wo M&#x00E4;nner anwesend sind oder Begrenzung auf bestimmte Frauen (die nicht in Stille und in aller Unterordnung leben und auftreten) oder auf bestimmte, umstrittene Themen oder in Kombination mit &#x00C4;mtern.<xref ref-type="fn" rid="FN0013"><sup>13</sup></xref></p>
<p>Ferner ist den Frauen nicht gestattet, &#x00FC;ber M&#x00E4;nner zu herrschen. Auch hier werden die Aussagen nicht pr&#x00E4;zisiert (etwa Ehefrauen &#x00FC;ber ihre Ehem&#x00E4;nner; geht es um ein allgemeines &#x2018;Herrschen&#x2019; &#x2013; was genau ist gemeint? &#x2013; oder steht &#x2018;herrschen&#x2019; hier in besonderem Zusammenhang mit Art und Inhalt der zur&#x00FC;ckgewiesenen Lehre?). Das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 und das Verbot &#x2018;dass sie &#x00FC;ber den Mann Herr sei&#x2019; stehen direkt nebeneinander. Ohne weitere Qualifikationen beschreibt &#x2018;lehren&#x2019; die positive christliche Unterweisung (1 Tim 4:11; 6:2; 2 Tim 2:2). Das f&#x00FC;r &#x2018;herrschen&#x2019; gebrauchte griechische Wort <italic>authenteo</italic> kommt nur an dieser Stelle im Neuen Testament vor und ist in seiner Bedeutung mehrdeutig (ausf&#x00FC;hrlich bei Blomberg <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:316&#x2013;317). Das Wort kann negativ verwendet werden im Sinn von &#x2018;dominieren&#x2019; bis hin zu &#x2018;morden&#x2019;. Aber in sprachlich enger Verbindung mit dem an anderen Stellen im Brief positiv besetzten &#x2018;lehren&#x2019; d&#x00FC;rfte eher an die positive Bedeutung von &#x2018;Autorit&#x00E4;t aus&#x00FC;ben&#x2019; gedacht sein.</p>
<p>Bei gepaarten Verbformen im Infinitiv, die durch eine &#x2018;weder-noch&#x2019; Konstruktion miteinander verbunden sind, liegt die sprachliche Stilfigur des <italic>Hendiadyoin</italic> vor, das hei&#x00DF;t, eine Idee oder Sache wird durch zwei W&#x00F6;rter beschrieben.<xref ref-type="fn" rid="FN0014"><sup>14</sup></xref> Daher ist davon auszugehen, dass nicht unterschiedliche Aktivit&#x00E4;ten im Blick sind, sondern zwei Begriffe verwendet werden, die zusammen <italic>das eine Konzept der autoritativen Lehre</italic> ausdr&#x00FC;cken.</p>
<p>Vom Zusammenhang her ist wahrscheinlich an eine bestimmte Art von autoritativem Lehren gedacht. In 1 Timotheus 3:2 wird gefordert, dass &#x00C4;lteste zur Lehre bef&#x00E4;higt sein m&#x00FC;ssen (die besonders kennzeichnende Funktion im Unterschied zu den danach erw&#x00E4;hnten Diakonen). Hier taucht die Kombination von Autorit&#x00E4;t und Lehre wieder auf. Auch 1 Timotheus 5:17 spricht davon, dass die &#x00C4;ltesten lehren und Autorit&#x00E4;t aus&#x00FC;ben. Daher ist es wahrscheinlich, dass 1 Timotheus 2:12 Frauen in einer (und nur in dieser) Funktion Einschr&#x00E4;nkungen auferlegt: sie d&#x00FC;rfen kein &#x00C4;ltestenamt begleiten, da dies untrennbar mit autoritativer Lehre verbunden ist. Anderweitig d&#x00FC;rfen Frauen lehren (nach Blomberg <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:318).</p>
<p>Der Aufforderung folgt in Vers 13 ein begr&#x00FC;ndender R&#x00FC;ckverweis auf die alttestamentliche Sch&#x00F6;pfungsgeschichte. Dies &#x00FC;berrascht nicht, da die neutestamentlichen Autoren h&#x00E4;ufig auf das Alte Testament verweisen und Zitate und Anspielungen in ihre Argumentationen einflie&#x00DF;en lassen. In R&#x00F6;mer 4 etwa bietet Paulus eine detaillierte Interpretation der Abrahamsgeschichte, um die Glaubensgerechtigkeit und das Wesen christlichen Glaubens zu er&#x00F6;rtern. In 1 Korinther 10 verweist Paulus auf das warnende Beispiel der W&#x00FC;stengeneration Israels.<xref ref-type="fn" rid="FN0015"><sup>15</sup></xref> Das Verbot, &#x00FC;ber den Mann zu herrschen, beziehungsweise das Gebot, sich in der Stille zu halten, wird hier damit begr&#x00FC;ndet, dass nach dem alttestamentlichen Bericht Adam zuerst geschaffen wurde, danach Eva (Gen 2:5&#x2013;25).<xref ref-type="fn" rid="FN0016"><sup>16</sup></xref> Heutige Leser von Genesis 1&#x2013;3 w&#x00FC;rden kaum auf diesen Gedankengang und diese Schlussfolgerung kommen.<xref ref-type="fn" rid="FN0017"><sup>17</sup></xref> Auch wenn diese Argumentation in unserem kulturellen Kontext ungew&#x00F6;hnlich ist, war sie im fr&#x00FC;hj&#x00FC;dischen beziehungsweise fr&#x00FC;hchristlichen Milieu des Verfassers und seiner Leser nachvollziehbar. Dort war anerkannt, dass der erstgeborene Sohn einen besonderen Status in der Familie hatte und einen doppelten Anteil am Erbe bekam. Dass das Alte Testament selbst einige wichtige Ausnahmen dieses Prinzip kennt (etwa Ismael, Esau, Manasse) ist bedeutsam, gerade <italic>weil</italic> es sich um Ausnahmen handelt und nicht um die Regel. Dabei wird nicht argumentiert, dass &#x2018;zuerst geschaffen&#x2019; immer mit einem Vorrecht verbunden ist, sondern dass das Prinzip auf Adam und Eva zutrifft (nach Blomberg <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:319).</p>
<p>Die daraus abgeleitete Vorrangstellung des Mannes (eine Schlussfolgerung, die im alttestamentlichen Bericht so nicht direkt gezogen wird, allenfalls durch die sp&#x00E4;tere Zuordnung Evas zu Adam) sieht Vers 14 auch im Hergang des S&#x00FC;ndenfalls best&#x00E4;tigt: auch wenn Adam ebenso ges&#x00FC;ndigt hatte (auch er a&#x00DF; von der verbotenen Frucht) und mit Eva aus dem Paradies gewiesen wurde (so das Ergebnis), wurde nicht <italic>er</italic> von der Schlange betrogen, sondern Eva. Nach Genesis 3 war dies kein besonderer Verdienst Adams, denn die Schlange hatte nicht einmal versucht, Adam zu betr&#x00FC;gen. Adam wurde von Eva &#x00FC;berredet (der Schwerpunkt liegt hier ganz bei ihr). Eva hat der L&#x00FC;ge der Schlange geglaubt und das Gebot &#x00FC;bertreten. Vom Zusammenhang her dienen die Sch&#x00F6;pfungsreihenfolge und der Verweis, dass Eva und nicht Adam betrogen wurde, als Begr&#x00FC;ndung, warum Frauen nicht autoritativ lehren sollen: weil die Frau betrogen wurde, und nicht Adam, sollen Frauen nicht autoritativ lehren, sondern sich in der Stille halten; weil Eva nach Adam geschaffen wurde, sollen Frauen nicht &#x00FC;ber M&#x00E4;nner Autorit&#x00E4;t aus&#x00FC;ben.</p>
<p>In diesen Ereignissen des programmatischen Anfangs sieht der 1 Timotheusbrief etwas abgebildet oder angelegt, das grunds&#x00E4;tzlichen Charakter &#x00FC;ber das eigentliche Ereignis hinaus hat. Eventuell h&#x00E4;ngt diese &#x00DC;berzeugung mit der Aussage in Genesis 3:20 zusammen: &#x2018;denn Eva wurde die Mutter aller Lebenden.&#x2019; In R&#x00F6;mer 5:12&#x2013;19 leitet Paulus aus der &#x00DC;bertretung Adams grunds&#x00E4;tzliche Aussagen &#x00FC;ber alle Nachkommen Adams und deren geistlichen Zustand ab; ebenso argumentiert er mit den Verdiensten und dem Gnadenerweis Gottes in dem einen neuen Menschen Jesus Christus, die allen zuteil wird:</p>
<disp-quote>
<p>Wie nun durch die S&#x00FC;nde des Einen die Verdammnis &#x00FC;ber alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen f&#x00FC;r alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben f&#x00FC;hrt. (R&#x00F6;m 5:18)<xref ref-type="fn" rid="FN0018"><sup>18</sup></xref></p>
</disp-quote>
<p>Jedoch ist zu beachten, dass die Zuordnung von 1 Timotheus 2:14 zu Vers 12 lockerer ist, als die von Vers 13 zu Vers 12. W&#x00E4;hrend Vers 12 mit der Konjunktion &#x2018;denn&#x2019; beginnt (als direkte Begr&#x00FC;ndung f&#x00FC;r Vers 12), beginnt Vers 13 lediglich mit &#x2018;und&#x2019; (als Weiterf&#x00FC;hrung der Argumentation von Vers 13). Von daher ist denkbar, dass Vers 14 nicht mehr direkt zur Begr&#x00FC;ndung des Lehrverbotes dient, sondern dass damit &#x2013; auf dem Weg zur Aussage &#x00FC;ber die Bewahrung im Geb&#x00E4;ren von Kindern in Vers 15 (die deutlich auf Gen 3 anspielt) &#x2013; die Ursache des Kindergeb&#x00E4;rens in Schmerzen und die damit verbundenen Risiken angesprochen werden, wie sie in Genesis 3 erz&#x00E4;hlt werden. Adam erscheint in der ganzen Argumentation in untergeordneter Rolle.</p>
<p>Die Aussage in 1 Timotheus 2:15 geh&#x00F6;rt mit zu den schwierigsten Stellen im Neuen Testament (vgl. den &#x00DC;berblick &#x00FC;ber die verschiedenen Auslegungen bei Marshall <xref ref-type="bibr" rid="CIT0021">1999</xref>:467&#x2013;471). Sie ist derart kompakt formuliert und setzt viele Informationen als bekannt oder den Lesern ohne weitere Angaben als verst&#x00E4;ndlich voraus, so dass sie nur schwer zu verstehen ist. Der Zusammenhang mit den vorangehenden Aussagen ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Wahrscheinlich ist Genesis 3 weiter im Blick. Als Strafe f&#x00FC;r die &#x00DC;bertretung des Gebotes wurde Eva angek&#x00FC;ndigt, dass sie mit Schmerzen ihre Kinder geb&#x00E4;ren soll (Gen 3:16). Auf diesem Hintergrund d&#x00FC;rfte die Aussage zu verstehen sein, dass <italic>die Frau</italic> durch das Kindergeb&#x00E4;ren gerettet werden soll. Der Fluch nach dem S&#x00FC;ndenfall hat nicht das letzte Wort. Das ist das naheliegende Verst&#x00E4;ndnis.<xref ref-type="fn" rid="FN0019"><sup>19</sup></xref> Es kann kaum gemeint sein, dass Frauen durch das Geb&#x00E4;ren von Kindern gerettet, also gerechtfertigt werden. Das st&#x00FC;nde im offenen Widerspruch zur Soteriologie, wie sie an vielen anderen Stellen dargelegt wird. Daher hat Vers 15 kaum &#x2018;Rettung&#x2019; im vollen christlichen Sinn im Blick.<xref ref-type="fn" rid="FN0020"><sup>20</sup></xref> Im Gegensatz zu dem Fluch vor der Vertreibung aus dem Paradies wird Frauen hier die Bewahrung w&#x00E4;hrend des Geb&#x00E4;rens von Kindern verhei&#x00DF;en (eine wichtige Verhei&#x00DF;ung angesichts der hohen Sterblichkeit von Frauen w&#x00E4;hrend der Geburt bis ins 20. Jahrhundert hinein), auch wenn die Schmerzen damit nicht aufgehoben sind.</p>
<p>Diese Bewahrung in der Geburt wird nicht mit den Heilsereignissen in Jesus Christus verbunden.<xref ref-type="fn" rid="FN0021"><sup>21</sup></xref> Von Anfang an stand neben dem g&#x00F6;ttlichen Fluch die Bewahrung auch au&#x00DF;erhalb des Paradieses.<xref ref-type="fn" rid="FN0022"><sup>22</sup></xref> Gottes Zuwendung und Erbarmen gelten unabh&#x00E4;ngig von Sch&#x00F6;pfungsreihenfolge und Verfehlung allen Menschen.</p>
<p>&#x00C4;hnliches gilt f&#x00FC;r Adam: Um seinetwillen wird der Erdboden verflucht, zugleich schenkt Gott Fruchtbarkeit und &#x2018;hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, er hat euch ern&#x00E4;hrt und eure Herzen mit Freuden erf&#x00FC;llt&#x2019; (Apg 14:17).</p>
<p>Diese Zusage wird auf den ersten Blick durch das Verhalten der geborenen Kinder (&#x2018;<italic>Sie</italic>&#x2019; am Satzanfang bezieht sich auf &#x2018;die Frau&#x2019; im Allgemeinen; hier &#x2018;<italic>s</italic>ie&#x2019; f&#x00FC;r die von der Frau geborenen Kinder) weiter bestimmt: &#x2018;wenn sie bleiben in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit.&#x2019; Diese Zuordnung ergibt jedoch keinen richtigen Sinn. Die verhei&#x00DF;ene Rettung war ja bereits geschehen, bevor von Glaube, Liebe, Heiligkeit mit Sittsamkeit die Rede sein kann. Insofern muss sich das zweite &#x2018;sie&#x2019; (&#x2018;wenn <italic>sie</italic> bleiben [&#x2026;]&#x2019;) auch auf die Frauen beziehen (jetzt nicht als gro&#x00DF;e Gruppe wie zu Beginn des Verses, sondern als Individuen). Der Verfasser wechselt von der Einzahl in die Mehrzahl. Der Gedanke l&#x00E4;sst sich so zusammenfassen:</p>
<disp-quote>
<p>Die verheiratete Frau findet ihr Heil nicht dadurch, dass sie sich von ehelichen und m&#x00FC;tterlichen Aufgaben l&#x00F6;st, in der Meinung, eine h&#x00F6;here Freiheit zu erreichen. Mitten in ihren allt&#x00E4;glichen, irdischen und nat&#x00FC;rlichen M&#x00FC;hen und Schmerzen vermag sie die Heiligung in jeder Hinsicht zu verwirklichen, Glauben und Liebe zu best&#x00E4;tigen [&#x2026;] Wenn sie darin bleibt und sich nicht weglocken l&#x00E4;sst, wird sie gerettet werden, auch durch die Schmerzen der Mutterschaft hindurch. Die Frau wird gerettet werden, nicht trotz des Geburtsvorganges, auch nicht kraft der Geburtsleiden &#x2013; Verdienst &#x2013;, sondern in (griech. <italic>dia</italic>) ihnen, in Erf&#x00FC;llung ihrer m&#x00FC;tterlichen Aufgabe (Stibbs <xref ref-type="bibr" rid="CIT0034">1980</xref>:456).<xref ref-type="fn" rid="FN0023"><sup>23</sup></xref></p>
</disp-quote>
<p>In der ihnen zugewiesenen Rolle (gute Werke, stilles Lernen, Unterordnung) werden christliche Frauen bewahrt werden (im Geb&#x00E4;ren von Kindern) und haben eigene geistliche Herausforderungen vor sich: in einem heidnischen Umfeld sollen sie als kleine christliche Minderheit in Glaube, Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit leben und so das Evangelium sichtbar und attraktiv machen und bezeugen.</p>
<p>Soweit der Gedankengang des Textes. Die Absolutheit des Verbots, die fehlende Differenzierung, das Fehlen solcher absoluten Aussagen zu diesem Thema in den (anderen) Briefen des Paulus, andere Hinweise auf Frauen in urchristlichen Gemeinden und die Argumentation mit den ersten Kapiteln der Bibel &#x00FC;ber deren eigene Aussageintention hinaus haben dazu gef&#x00FC;hrt, im restlichen Brief beziehungsweise im sozio-kulturellen Umfeld der Gemeinden nach m&#x00F6;glichen Erkl&#x00E4;rungen f&#x00FC;r diese Aufforderungen zu suchen (siehe den &#x00DC;berblick unten). Der Gedankengang in 1 Timotheus 2:8&#x2013;15 gibt jedoch keinerlei direkte Hinweise auf Bez&#x00FC;ge zu der oder den in Ephesus vertretenen Irrlehren oder anderweitig bedenklichen Str&#x00F6;mungen im Umfeld der Gemeinde. Ob dabei alle Frauen im Blick sind oder nur verheiratete Frauen, ist nicht mit letzter Sicherheit zu bestimmen. Der Hinweis auf das Geb&#x00E4;ren von Kindern in Vers 15 legt Letzteres nahe (Diskussion bei Blomberg <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:322&#x2013;323).</p>
</sec>
<sec id="s0003">
<title>Ans&#x00E4;tze, die das Lehrverbot relativieren</title>
<p>Ausleger, die das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 als zeitlose und absolute Aussage (und oft als Schl&#x00FC;ssel f&#x00FC;r die Rolle von Frauen in Gemeinden) verstehen, wenden diese Aussage &#x2013; oft in Kombination mit anderen biblischen Aussagen &#x2013; nach ihrer Vorstellung von deren heutiger Bedeutung entsprechend an. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Auslegern und dar&#x00FC;ber hinaus viele Bibelleser, die aufgrund der oben angef&#x00FC;hrten Gr&#x00FC;nde von einzelnen Begriffen oder vom Kontext des Lehrverbots her ein differenziertes Verst&#x00E4;ndnis erreichen m&#x00F6;chten. Gemeinsames Ziel ist es zun&#x00E4;chst, die Aussagen in 1 Timotheus 2 besser zu verstehen. Das ist uneingeschr&#x00E4;nkt zu begr&#x00FC;&#x00DF;en. Oft besteht das Ziel aber auch darin, durch diese Vorgehen &#x2018;<italic>to relativize Paul&#x2019;s apparently more sweeping charges and allow him to be viewed as an egalitarian</italic>&#x2019; (Blomberg <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:325).</p>
<p>Dabei lassen sich mehrere Ans&#x00E4;tze ausmachen:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Verschiedene Begriffe werden anders inhaltlich bestimmt. Damit ergibt sich eine ganz andere Bedeutung und Verst&#x00E4;ndnism&#x00F6;glichkeit. Mit &#x2018;neuen&#x2019; Erkenntnissen werden jahrhundertealte Missverst&#x00E4;ndnisse angeblich ausger&#x00E4;umt.</p></list-item>
<list-item><p>Das Lehrverbot f&#x00FC;r Frauen wird im Zusammenhang des ganzen 1 Timotheusbriefs und der darin beschriebenen Situation der Gemeinden gesehen,<xref ref-type="fn" rid="FN0024"><sup>24</sup></xref> vor allem aber im Zusammenhang der Aussagen &#x00FC;ber die in die Gemeinden eingedrungenen Irrlehren.<xref ref-type="fn" rid="FN0025"><sup>25</sup></xref> Nur von daher seien sie in ihrer Absolutheit zu verstehen. Ohne diesen konkreten Hintergrund m&#x00FC;ssen die Aussagen anders verstanden beziehungsweise relativiert werden.</p></list-item>
<list-item><p>Der besondere Kontext, in dem sich die Empf&#x00E4;nger des Briefes im Ephesus des ersten Jahrhunderts befanden, erkl&#x00E4;rt die Aussagen (vgl. die Beschreibung von Ephesus bei Trebilco <xref ref-type="bibr" rid="CIT0040">2004</xref>:11&#x2013;52). Der Brief warnt vor gef&#x00E4;hrlichen gesellschaftlichen Einfl&#x00FC;ssen und will durch seine Anweisungen vorbeugen. Dieser sozio-kulturelle Hintergrund relativiert die Aussagen ebenfalls. Unter anderen Umst&#x00E4;nden gelten sie nicht beziehungsweise m&#x00FC;ssen relativiert werden.<xref ref-type="fn" rid="FN0026"><sup>26</sup></xref></p></list-item>
<list-item><p>Der Umgang mit dem Alten Testament in 1 Timotheus 2:13&#x2013;14.</p></list-item>
</list>
<p>Oft werden diese Ans&#x00E4;tze miteinander verbunden beziehungsweise lassen sich kaum voneinander trennen. Hier k&#x00F6;nnen nur einige Beispiele angef&#x00FC;hrt werden.<xref ref-type="fn" rid="FN0027"><sup>27</sup></xref> Zuvor jedoch noch zwei Vorbemerkungen:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Auch wenn man diese Versuche nicht f&#x00FC;r &#x00FC;berzeugend h&#x00E4;lt, ist anzuerkennen, dass sich die &#x2013; zumeist evangelikalen &#x2013; Ausleger mit gro&#x00DF;em Ernst um diese Aussagen &#x2013; als Gotteswort, dem sie folgen wollen &#x2013; und ihre heutige Bedeutung bem&#x00FC;hen. Weder unterziehen sie die Aussagen des 1 Timotheusbriefs einer pauschalen Sachkritik oder schreiben sie einfach einem sp&#x00E4;teren Paulussch&#x00FC;ler zu, der den Apostel nicht richtig verstanden habe oder seine radikalen Aussagen zu revidieren sucht (wie in der historisch-kritischen Exegese &#x00FC;blich; vgl. etwa Roloff <xref ref-type="bibr" rid="CIT0028">1988</xref>:125&#x2013;147). Noch sind sie von einer ideologischen Agenda geleitet, nach der nicht sein kann, was nicht sein darf, wie etwa Teile der feministischen Bibelauslegung (vgl. dazu Wagener <xref ref-type="bibr" rid="CIT0043">2003</xref>:661&#x2013;675). Mit derartigen Unterstellungen sollte man daher sehr vorsichtig sein und vor allem das Augenmerk darauf richten, durch die Brille welcher Pr&#x00E4;gungen und Vorstellungen man <italic>selbst</italic> diese und andere biblische Aussagen verstehen und anwenden will.</p></list-item>
<list-item><p>Aufgrund seiner Brisanz und der Komplexit&#x00E4;t der Aussagen und der hinter ihnen liegenden Voraussetzungen hat 1 Timotheus 2:8&#x2013;15 in der gegenw&#x00E4;rtigen Bibelwissenschaft, vor allem in der englischsprachigen, evangelikalen Diskussion viel Aufmerksamkeit erhalten. Dies zeigt sich in mehreren neueren Kommentaren, einer stattlichen Anzahl von Einzeluntersuchungen und einer F&#x00FC;lle von wissenschaftlichen Artikeln zum Thema. Diese Diskussion ist kaum mehr zu &#x00FC;berblicken. Blombergs (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>) Skizze des Themenkomplexes und der erforderlichen Besch&#x00E4;ftigung ist erdr&#x00FC;ckend:</p></list-item></list>
<disp-quote>
<p>The literature that one must master to say anything credible grows in intimidating quantity: general works on men and women in antiquity; specific studies of the classical world, the Hellenistic period, the Old Testament and subsequent Jewish tradition, and the New Testament and constituent parts of Scripture; analyses of specific biblical texts, broader liberationist or feminist approaches, theologies of the Bible, of one Testament, or of one specific part of one Testament; commentaries; histories of Jewish and/or Christian interpretation of texts; Church histories more generally; modern ecclesiastical debates; and contemporary social-scientific analysis! (S. 283)<xref ref-type="fn" rid="FN0028"><sup>28</sup></xref></p>
</disp-quote>
<p>Viele detail- und kenntnisreiche Vorschl&#x00E4;ge und Thesen von kompetenten Auslegern sind von ebenso kompetenten Auslegern ebenso detail- und kenntnisreich gepr&#x00FC;ft und teilweise widerlegt worden. Dieser Sachverhalt erfordert Bescheidenheit, eine intensive Besch&#x00E4;ftigung und intellektuelle Redlichkeit. So w&#x00E4;re es etwa unredlich, an Thesen festzuhalten und sie weiterhin zu vertreten, die mehrfach widerlegt beziehungsweise stark modifiziert wurden, auch wenn sie gut ins eigene Verst&#x00E4;ndnis passen. Ein biblischer Text und seine Auslegungsgeschichte ist kein Setzkasten, aus dem man sich das Passende ausw&#x00E4;hlen und sein eigenes Bild zusammensetzen k&#x00F6;nnte.</p>
<sec id="s20004">
<title>Ans&#x00E4;tze bei einzelnen W&#x00F6;rtern und Aussagen</title>
<p>Weil die Begriffe &#x2018;lehren&#x2019; und &#x2018;Autorit&#x00E4;t aus&#x00FC;ben &#x00FC;ber den Mann&#x2019; (1 Tim 2:12) zusammen das eine Konzept der autoritativen Lehre ausdr&#x00FC;cken, ist es unwahrscheinlich, dass 1 Timotheus 2:12 den Inhalt der untersagten Lehrt&#x00E4;tigkeit auf weibliche Machtaus&#x00FC;bung &#x00FC;ber M&#x00E4;nner beschr&#x00E4;nken wollte, also im Sinne von: Frauen d&#x00FC;rfen nicht lehren, dass die Frau Herr &#x00FC;ber den Mann sei, da dies der Sch&#x00F6;pfungsabfolge widerspricht.<xref ref-type="fn" rid="FN0029"><sup>29</sup></xref> Daraus w&#x00FC;rde sich ergeben, dass sich das Lehrverbot nur auf diesen konkreten Inhalt bezieht; andere Inhalte d&#x00FC;rfen Frauen selbstverst&#x00E4;ndlich lehren. Diese These hat sich nicht durchgesetzt.</p>
<p>Nach Winter geht es bei dem griechischen Verb <italic>authenteo</italic> nicht nur um die Aus&#x00FC;bung von Autorit&#x00E4;t, sondern der Gedanke an Missbrauch von Autorit&#x00E4;t liegt nahe: &#x2018;Gedanken wie autokratischer oder dominierender Missbrauch von Macht und Autorit&#x00E4;t schwingen mit&#x2019; (Winter <xref ref-type="bibr" rid="CIT0048">2003</xref>:119; vgl. S. 116&#x2013;119; &#x2018;<italic>To have authority or dominate</italic>&#x2019;). Nach Winter hatten bestimmte verheiratete Frauen (die von ihm beschriebenen &#x2018;neuen&#x2019; r&#x00F6;mischen Ehefrauen, siehe unten) das Bestreben, auf den Marktpl&#x00E4;tzen, in B&#x00FC;rgerversammlungen und vor Gerichten in dominanter Weise aufzutreten. Winter fragt daher:</p>
<disp-quote>
<p>Gab es die Sorge, dass sich ein vergleichbares Verhalten in den christlichen Gemeinden breitmacht, mit dem Bestreben, Macht anzuwenden, um die Kontrolle zu erreichen, in diesem Fall im Kontext der &#x00F6;ffentlichen Lehre? <xref ref-type="fn" rid="FN0030"><sup>30</sup></xref></p>
</disp-quote>
<p>Es wurde bereits dargelegt, warum das Verb &#x2018;herrschen&#x2019; nicht negativ gemeint ist (gegen Marshall <xref ref-type="bibr" rid="CIT0021">1999</xref>:458&#x2013;460), sondern zusammen mit &#x2018;lehren&#x2019; autoritatives Lehren im Zusammenhang des &#x00C4;ltestenamtes beschreibt. Selbst wenn das Auftreten von solchen &#x2018;neuen r&#x00F6;mischen Frauen&#x2019; ein oder sogar der Anlass f&#x00FC;r die &#x00C4;u&#x00DF;erungen in 1 Timotheus 2:9&#x2013;15 w&#x00E4;re, sind sie damit in ihrer G&#x00FC;ltigkeit noch nicht automatisch auf solche dominanten Frauen &#x2013; in antikem oder heutigem Gewand &#x2013; beschr&#x00E4;nkt.</p>
</sec>
<sec id="s20005">
<title>Ans&#x00E4;tze bei den im 1 Timotheusbrief erw&#x00E4;hnten und bek&#x00E4;mpften Irrlehren</title>
<p>Es ist offensichtlich, dass sich der 1 Timotheusbrief an mehreren Stellen mit Irrlehre und deren Widerlegung besch&#x00E4;ftigt. Dies geh&#x00F6;rt zu den zentralen Anliegen des Briefs (vgl. 1:3&#x2013;7; 4:1&#x2013;8; 6:3&#x2013;5, 20&#x2013;21). Von daher ist es naheliegend, auch die nur knapp angedeutete These (&#x2018;dass die Frau &#x00FC;ber den Mann Herr sei&#x2019; &#x2013; mehr war nicht n&#x00F6;tig, der genaue Inhalt und die Argumente waren den Empf&#x00E4;ngern ja bekannt) oder andere Aussagen in 1 Timotheus 2:8&#x2013;15 auf diesem Hintergrund zu verstehen (vgl. Trebilco <xref ref-type="bibr" rid="CIT0040">2004</xref>:222). Wenn etwa die oder eine der Irrlehren in Ephesus Ehelosigkeit als christliches Ideal vertrat (dies legt die Zusammenfassung in 1 Tim 4:3 nahe: &#x2018;Sie gebieten nicht zu heiraten, und Speisen zu meiden&#x2019;), w&#x00FC;rde dies erkl&#x00E4;ren, warum sich der Verfasser gen&#x00F6;tigt sah, die traditionelle weibliche Rolle des Geb&#x00E4;rens (und Aufziehens) von Kindern zu betonen, daher die Zusage und Aufforderung in Vers 15. Marshall (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0021">1999</xref>) schreibt:</p>
<disp-quote>
<p>In the context the fact that Eve was deceived is cited as a parallel, and this strongly suggests the conclusion that behind the present prohibition lies some particular false teaching by some women. Otherwise the reference to Eve&#x2019;s being deceived and sinning is pointless. The activity of teaching here is thus judged negatively; it follows that the attitude expressed in it towards the men is also something of which the writer disapproves.</p>
<p>There was probably an associated trend towards emancipation behind the women&#x2019;s aspirations to teach. Such an understanding is appealing because it is the exercise of overbearing authority over men that seems to be in view. Although perhaps not widespread, there is some evidence to suggest the development of emancipation tendencies among women in Greco-Roman society. In the Pauline churches the way towards greater freedom for women had already been paved (Gal 3:28). But abuses could occur and [&#x2026;] a case can be made to show that in both Corinth and Ephesus the behaviour of women was influenced by an over-realised eschatology as indicated by the belief that the resurrection of believers has already occurred (1 Cor 15; 2 Tim 2:18); one possibility is that such a belief could encourage the women to assume roles apparently denied them by the curse on Eve [&#x2026;] perhaps with the encouragement of false teachers. Within such a reconstruction <italic>authenteo</italic> is understandable as a reference to the exuberant and excessive flaunting of freedom in the face of men. (S. 458&#x2013;459)</p>
</disp-quote>
<p>Freilich gilt, dass 1 Timotheus 2:8&#x2013;15 nicht direkt auf Irrlehre zu sprechen kommt und alle Versuche, hinter dem Lehrverbot f&#x00FC;r Frauen einen entsprechenden Bezug zu sehen, hypothetisch bleiben m&#x00FC;ssen. Selbst wenn in der einen oder anderen Weise Irrlehren oder Missst&#x00E4;nde hinter den Anweisungen stehen &#x2013; was durchaus wahrscheinlich ist &#x2013; bedeutet das noch nicht, dass die Aussagen dadurch relativiert werden m&#x00FC;ssen, also nur dann wieder oder weiter gelten w&#x00FC;rden, wenn diese oder &#x00E4;hnliche Irrlehren von Frauen vertreten w&#x00FC;rden. Sehr konkrete Umst&#x00E4;nde k&#x00F6;nnen allgemeine, zeitlose Anweisungen hervorbringen.</p>
</sec>
<sec id="s20006">
<title>Ans&#x00E4;tze im sozio-kulturellen Umfeld der Empf&#x00E4;nger des Briefs oder im weiteren Umfeld</title>
<p>Andere Exegeten gehen davon aus, dass es einen besonderen Anlass im Umfeld der Empf&#x00E4;nger gegeben haben muss, der Anlass f&#x00FC;r dieses Verbot war. Dazu passt die Beobachtung von Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>):</p>
<disp-quote>
<p>It is interesting [&#x2026;] that all of Paul&#x2019;s directives, and even the more positive models of what women in his churches did, occur in particularly Romanized cities in the Hellenistic world. (S. 287)</p>
</disp-quote>
<p>Dieser Ansatz geht von der richtigen Beobachtung aus, dass die Briefe des Neuen Testaments nicht im luftleeren Raum entstanden sind, sondern sich in eine bestimmte Situation der jeweiligen Autoren und Empf&#x00E4;nger einzeichnen lassen und diese widerspiegeln. Selbst der R&#x00F6;merbrief ist keine zeitlose Entfaltung des paulinischen Evangeliums, sondern aus besonderem Anlass entstanden und bedient sich der Sprach- und Vorstellungswelt der Empf&#x00E4;nger (vgl. Haacker <xref ref-type="bibr" rid="CIT0012">2012</xref>:15). Dies bedeutet jedoch nicht, dass damit die Aussagen des Briefs nur bedingt g&#x00FC;ltig sind.</p>
<p>Einige Ausleger verorten die rekonstruierten Thesen von Irrlehrern und entsprechend auftretender Irrlehrerinnen in den Gemeinden und damit das Lehrverbot f&#x00FC;r solche Frauen zum Beispiel im Artemis-Kult der Stadt Ephesus und in der entstehenden Gnosis (etwa Kroeger &#x0026; Kroeger <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">1992</xref>).<xref ref-type="fn" rid="FN0031"><sup>31</sup></xref> Nach diesen Vorstellungen waren Frauen M&#x00E4;nnern &#x00FC;berlegen und es wurde vertreten, dass Eva sogar die Sch&#x00F6;pferin Adams und aller M&#x00E4;nner war. Mit dieser Annahme wird argumentiert, dass 1 Timotheus 2:13&#x2013;14 nicht die Forderung nach Stille und das Lehrverbot in Vers 11&#x2013;12 begr&#x00FC;ndet, sondern diese Vorstellungen zur&#x00FC;ckweist, die in die Gemeinden eingedrungen waren. Jedoch hat sich gezeigt, dass sich diese Rekonstruktion der Irrlehre von der Quellenlage her nicht halten l&#x00E4;sst.<xref ref-type="fn" rid="FN0032"><sup>32</sup></xref> Ferner zeigen die drei Pastoralbriefe, dass w&#x00E4;hrend Frauen unter den Irrlehren in Ephesus zu leiden hatten &#x2013; worin auch immer sie genau bestanden (1 Tim 5:15, 2 Tim 3:6&#x2013;9) &#x2013; es keine Aussage gibt, nach der die Frauen selbst unter die Irrlehrer gerechnet werden, und deshalb mit einem Lehrverbot belegt w&#x00FC;rden. W&#x00FC;rde der 1 Timotheusbrief lediglich einen bestimmten falschen Lehrinhalt verbieten wollen, w&#x00E4;re es unangemessen, dies pauschal allen Frauen und nicht auch M&#x00E4;nnern zu verbieten. Wir wissen, dass viele M&#x00E4;nner von Irrlehren bedroht waren, ihnen bereits anhingen und sie vertraten.</p>
<p>Ein interessanter Vorschlag stammt von dem australischen Althistoriker Bruce W. Winter. Er hat auf die Entstehung und Verbreitung eines neuen &#x2018;Typs&#x2019; von Frau im r&#x00F6;mischen Reich des ersten Jahrhundert nach Christus hingewiesen. Diese wirtschaftlich und sexuell emanzipierten, promisku&#x00F6;sen &#x2018;neuen r&#x00F6;mischen Frauen&#x2019; aus der Oberschicht hellenistischer Kreise und ihr m&#x00F6;glicher Einfluss k&#x00F6;nnten im Hintergrund einiger der Probleme in den paulinischen Gemeinden stehen, auf die Paulus reagieren musste.<xref ref-type="fn" rid="FN0033"><sup>33</sup></xref> Falls solche Frauen sich vereinzelt zu Gemeinden hielten oder in deren Umfeld auftraten, k&#x00F6;nnte dies hinter Ablehnung von mit Goldschmuck und Perlen aufw&#x00E4;ndig gestalteten Frisuren und dem Stillegebot beziehungsweise Lehrverbot stehen. Auch andere Vorschl&#x00E4;ge w&#x00E4;ren zu diskutieren. Doch gilt: was auch immer den Verfasser dazu veranlasst hat, sich in diesem Brief auf diese Art und Weise diesem Thema zu &#x00E4;u&#x00DF;ern, stellt &#x2013; wenn es sich &#x00FC;berhaupt rekonstruieren l&#x00E4;sst &#x2013; die Anweisungen nicht automatisch in Frage oder relativiert sie. Daf&#x00FC;r sind sie zu allgemein gehalten.</p>
</sec>
<sec id="s20007">
<title>Der Gebrauch des Alten Testaments</title>
<p>Der Brief argumentiert an dieser Stelle nicht situationsbezogen, sondern verweist in Versen 13&#x2013;14 als Begr&#x00FC;ndung f&#x00FC;r das Lehrverbot auf die Reihenfolge bei der Sch&#x00F6;pfung von Mann und Frau und die Umst&#x00E4;nde des S&#x00FC;ndenfalls. Um diese Aussagen richtig einsch&#x00E4;tzen zu k&#x00F6;nnen, w&#x00E4;re es wichtig zu untersuchen, wann und wie Paulus an anderen Stellen auf Ereignisse aus dem Alten Testament verweist und welche Funktion diese Verweise in seiner Argumentation haben. Sind die an anderen Stellen angef&#x00FC;hrten alttestamentlichen Ereignisse verbindlich f&#x00FC;r die Gegenwart? In einer umfangreichen Studie hat Haslebacher (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0013">2012</xref>:63&#x2013;118) diese Verweise untersucht.<xref ref-type="fn" rid="FN0034"><sup>34</sup></xref> Dabei ist die entscheidende Frage: &#x2018;In welchem Ma&#x00DF; h&#x00E4;lt Paulus alttestamentliche Personen und Ereignisse f&#x00FC;r bestimmend f&#x00FC;r das Wesen gegenw&#x00E4;rtiger Personen und ihren geistlichen und gesellschaftlichen Status?&#x2019; (S. 167). Haslebacher (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0013">2012</xref>) schlie&#x00DF;t:</p>
<disp-quote>
<p>Paulus verf&#x00E4;hrt bei seinen Verweisen auf alttestamentliche Ereignisse teilweise selektiv mit den Texten und greift inhaltlich nur die Aspekte auf, die f&#x00FC;r seine Argumentation entscheidend sind. Es geht ihm nicht darum, die Ereignisse der Schrift zu kommentieren, sondern er gebraucht das Alte Testament als Unterst&#x00FC;tzung f&#x00FC;r seine Argumentation und wendet einzelne Aspekte auf eine gegenw&#x00E4;rtige Situation an. Mit diesem teilweise &#x2018;freien&#x2019; Umgang mit der Schrift bewegt sich Paulus im Rahmen des Fr&#x00FC;hjudentums. Dar&#x00FC;ber hinaus besteht beim gr&#x00F6;&#x00DF;ten Teil der paulinischen Verweise auf alttestamentliche Ereignisse keine konstitutive Bedeutung, wie dies f&#x00FC;r 1 Timotheus 2:13&#x2013;14 von Vertretern der historischen Position postuliert wird.</p>
<p>Auf Grund dieser Feststellungen, insbesondere dem paradigmatischen Charakter der Verweise, kann der Schluss, die paulinischen Verweise auf die Sch&#x00F6;pfungsreihenfolge und den Fall Evas seien ein Beweis daf&#x00FC;r, dass das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 grunds&#x00E4;tzlich zu verstehen ist, nicht einfach als gegeben angesehen werden. [&#x2026;]</p>
<p>Mit seinem Verweis auf den Fall Evas zieht Paulus eine Analogie zwischen Eva und den Frauen in Ephesus, die ebenfalls offener waren f&#x00FC;r die Verf&#x00FC;hrung als M&#x00E4;nner. Das allgemeing&#x00FC;ltige Prinzip hinter dem Verweis auf den Fall Evas kann in dem Sinn verstanden werden, dass in der Gemeinde Leiter und Lehrer eingesetzt werden sollen, die nicht einfach zu verf&#x00FC;hren und zu t&#x00E4;uschen sind. (S. 168, 171)</p>
</disp-quote>
<p>Abgesehen davon, was genau mit dem Verweis auf Sch&#x00F6;pfung und S&#x00FC;ndenfall begr&#x00FC;ndet werden soll (siehe oben), bleibt die Frage, ob nicht angesichts der Adam-Christus-Typologie von R&#x00F6;mer 5:12&#x2013;19 (auch wenn dort der Fokus ganz auf Adam liegt) Paulus in Genesis 1&#x2013;3 Ereignisse sieht, die f&#x00FC;r die Nachkommen Adams und Evas, ihren Status und ihr Verhalten, bis in die Gegenwart programmatisch sind. Selbst wenn man die Begr&#x00FC;ndung in 1 Timotheus 2:13&#x2013;14 im fr&#x00FC;hj&#x00FC;dischen Kontext beziehungsweise heute nicht f&#x00FC;r nachvollziehbar h&#x00E4;lt, ist zu bedenken, dass es sich dabei <italic>nur</italic> um die Begr&#x00FC;ndung eines klaren Gebotes handelt, das auch ohne Begr&#x00FC;ndung G&#x00FC;ltigkeit h&#x00E4;tte.</p>
<p>Haslebacher erinnert zurecht daran, dass man mit unreflektiertem Verweisen auf &#x2018;ewige Prinzipien&#x2019;, die keine Handlungsalternativen f&#x00FC;r die Gegenwart offen lassen, vorsichtig sein sollte, vor allem, wenn man an anderen Stellen dem Schriftgebrauch der neutestamentlichen Autoren nicht folgt. An vielen Stellen setzen sich Christen heute bedenkenlos &#x00FC;ber aus der Sch&#x00F6;pfung ableitbare Prinzipien hinweg, teilweise zu ihrem eigenen Schaden: wer am siebten Tag nicht ruht, durch sein Konsumverhalten die Sch&#x00F6;pfung nicht bewahrt und pflegt, s&#x00E4;mtliche technische M&#x00F6;glichkeiten in Anspruch nimmt, um den Fluch aus 1 Mose 3 zu lindern oder zu &#x00FC;berwinden, ja teilweise von Kapitalertr&#x00E4;gen lebt und nicht im Schwei&#x00DF;e seines Angesichts arbeitet, sollte sich und anderen erkl&#x00E4;ren k&#x00F6;nnen, warum aber die Sch&#x00F6;pfungsreihenfolge und die genauen Umst&#x00E4;nde des S&#x00FC;ndenfalls f&#x00FC;r die Aufgaben von M&#x00E4;nnern und Frauen in Gemeinden entscheidend sind.</p>
<p>Diese Ans&#x00E4;tze haben dazu beigetragen, den 1 Timotheusbrief in einer konkreten historischen Situation zu verstehen (wie die anderen Briefe des Neuen Testaments auch) und zu einer F&#x00FC;lle von wichtigen lexikalischen und historischen Detaileinsichten gef&#x00FC;hrt, die man nur begr&#x00FC;&#x00DF;en kann. Ferner haben sie zu Recht daran erinnert, dass einzelne Aussagen im Brief im Licht des ganzen Briefs zu verstehen sind.</p>
<p>Jedoch &#x00FC;berzeugen aus diesen Ans&#x00E4;tzen abgeleitete Forderungen, die Aussagen in 1 Timotheus 2 zu relativieren, nicht beziehungsweise setzen ihre Einsichten die allgemeine G&#x00FC;ltigkeit der Anweisungen nicht au&#x00DF;er Kraft, selbst wenn sie diese verst&#x00E4;ndlicher machen. Auch wenn man das Ganze des Briefs und die Situation in Ephesus (sofern sie sich mit den zur Verf&#x00FC;gung stehenden Quellen rekonstruieren l&#x00E4;sst) ber&#x00FC;cksichtigt, ergeben sich (neben der m&#x00F6;glichen und naheliegenden Einschr&#x00E4;nkung auf Lehren in Verbund mit einem &#x00C4;ltestenamt, siehe oben) keine Perspektiven, die es m&#x00F6;glich oder gar erforderlich machen w&#x00FC;rden, das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 zu relativieren. Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>) schlie&#x00DF;t seinen &#x00DC;berblick mit der Feststellung:</p>
<disp-quote>
<p>So no genuine evidence emerges from either the historical or literary contexts of 1 Tim 2:8&#x2013;15 to predispose one to treat its teaching as merely culture-bound or situation specific. (S. 313)</p>
</disp-quote>
</sec>
</sec>
<sec id="s0008">
<title>Die heutige Bedeutung des Lehrverbots</title>
<p>Die verschiedenen Versuche, das Lehrverbot f&#x00FC;r Frauen in 1 Timotheus 2:12 vom Gesamtzusammenhang des Briefs oder von der rekonstruierten Situation in Ephesus her zu relativieren, &#x00FC;berzeugen nicht. Die Aussage verbietet in der Tat, dass Frauen lehren. Es ergibt keinen Sinn, ist weder intellektuell redlich noch ein Gebot vermeintlicher &#x2018;Bibeltreue&#x2019; noch gerechtfertigt durch den Wunsch nach biblischer Absicherung der eigenen Praxis und der Hochachtung vor Paulus und seinem Lebenswerk, seine Aussagen so lange zu drehen und zu wenden, schlimmstenfalls zu qu&#x00E4;len, bis sie am Schluss doch das sagen, was man heute h&#x00F6;ren will.</p>
<p>Bedenkt man m&#x00F6;gliche heutige Aktualisierungen des Lehrverbotes, ist es entscheidend, diese Aussage zusammen mit den anderen Aussagen des Corpus Paulinum und des ganzen Neuen Testaments zu diesem Thema zu sehen (vgl. den &#x00DC;berblick bei Blomberg <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:295&#x2013;311). Neben den lehrhaften Aussagen sind auch die Beschreibungen dessen zu ber&#x00FC;cksichtigen, was Frauen in fr&#x00FC;hchristlichen Gemeinden und der Mission tats&#x00E4;chlich getan haben (siehe oben). Von diesem Gesamtbild her muss das Lehrverbot von 1 Timotheus 2:12 verstanden und angewendet werden (vgl. K&#x00F6;stenberger <xref ref-type="bibr" rid="CIT0016">2000</xref>). Dabei sollte man sich der Komplexit&#x00E4;t der Aufgabe bewusst sein: man versucht, die mehr oder weniger gelegentlichen, oft beil&#x00E4;ufigen &#x00C4;u&#x00DF;erungen des Paulus und anderer neutestamentlicher Autoren aus ganz unterschiedlichen Kontexten, literarischen Gattungen und aus einer Zeit von etwa 20&#x2013;30 Jahren zu systematisieren. Das Neue Testament bietet kaum detaillierte Darlegungen &#x00FC;ber Wesen und Auftrag von M&#x00E4;nnern <italic>speziell als M&#x00E4;nner</italic> und Frauen <italic>speziell als Frauen</italic>, die heutigen Vorstellungen von Vollst&#x00E4;ndigkeit, Klarheit und Anwendbarkeit entsprechen. Die F&#x00FC;lle der Positionen, die vertreten werden, spiegelt diese Situation wieder, mahnt zu Bescheidenheit und warnt vor Schnellsch&#x00FC;ssen jeglicher Art.</p>
<p>Blomberg bietet einen Ansatz, der noch einen Schritt weiter geht und ein hohes Ma&#x00DF; an Reflektion erfordert. Er pl&#x00E4;diert daf&#x00FC;r anzuerkennen, dass Paulus bei allen Hinweisen auf Frauen und ihren Dienst in seinem Umfeld kein Vork&#x00E4;mpfer f&#x00FC;r Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung war und sein Lehrverbot als universal anwendbar verstanden hat. Doch hat sich in den vergangenen zweitausend Jahren die Welt gen&#x00FC;gend ver&#x00E4;ndert, um heute einen anderen Zugang zu dieser Frage zu finden und finden zu m&#x00FC;ssen, der sowohl den immer noch grundlegenden Aussageabsichten der urspr&#x00FC;nglichen Anweisungen als auch den grundlegenden Ver&#x00E4;nderungen gerecht wird. Damit w&#x00E4;re auch ein anderer Weg zum Umgang mit diesen und anderen Aussagen m&#x00F6;glich.<xref ref-type="fn" rid="FN0035"><sup>35</sup></xref> Hilfreich ist die Beobachtung von Andrew T. Lincoln (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0018">2000</xref>:479&#x2013;480, zitiert nach Blomberg <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>) aus einem anderen Zusammenhang:</p>
<disp-quote>
<p>A recognition is also required that the attitude of needing to have the Bible on one&#x2019;s side at all costs may well be detrimental to faithful witness. Instead of attempting a revisionist exegesis, it seems far better to admit, on some occasions, that John or Paul, e.g., said one thing but now contemporary advocates need to say something different in different circumstances, with different questions to address, as they strive to be faithful to the same gospel to which John or Paul bore witness &#x2013; whether on obvious ethical issues such as the role of women, slavery, or homosexuality, or on Jew-Gentile concerns, or on soteriological formulations &#x2013; and that they need to be open to debate whether and in what ways they are being faithful to the same gospel. (S. 325)</p>
</disp-quote>
<p>An anderer Stelle gehen Christen ohne gr&#x00F6;&#x00DF;ere Reflektion &#x00FC;ber die Aussagen des Paulus und anderer neutestamentlicher Autoren hinweg oder hinaus. Wo es etwa kulturell unangemessen oder gar missverst&#x00E4;ndlich w&#x00E4;re, verzichten sie auf den Bruderkuss, trotz mehrfacher expliziter Aufforderungen (R&#x00F6;m 16:16; 1 Kor 16:20; 2 Kor 13:12; 1 Thess 5:26; 1 Petr 5:14). Von den Aussagen des Paulus zur Sklaverei &#x2013; den Aufforderungen an christliche Sklaven, sich unterzuordnen und den Aufforderungen an christliche Herren, ihre Sklaven ordentlich zu behandeln &#x2013; her wird niemand (mehr) die Berechtigung von Sklaverei an sich verteidigen. In der Vergangenheit haben Christen zu Recht und entscheidend zur &#x00DC;berwindung der Sklaverei beigetragen und sind dabei ein deutliches St&#x00FC;ck &#x00FC;ber die Vorstellungen und Forderungen des Paulus hinausgegangen (vgl. Metaxas <xref ref-type="bibr" rid="CIT0025">2012</xref>). Ihnen ging es nicht um M&#x00E4;&#x00DF;igung und Linderung in einem bestehenden System, sondern um dessen grunds&#x00E4;tzliche &#x00DC;berwindung. Wer dies f&#x00FC;r einen Fortschritt h&#x00E4;lt, der der Intention des Evangeliums zutiefst entspricht, muss &#x00FC;berlegen und gegebenenfalls darlegen k&#x00F6;nnen, mit welchen Gr&#x00FC;nden er dieses Vorgehen an anderen Stellen ablehnt. Dass sich Paulus nicht vehement gegen Sklaverei ausgesprochen hat, sondern &#x2018;nur&#x2019; darauf bedacht war, ihre Ausw&#x00FC;chse unter Christen zu lindern, wird ihm heute immer wieder vorgeworfen.<xref ref-type="fn" rid="FN0036"><sup>36</sup></xref> Dem h&#x00E4;lt Lohse (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0020">1996</xref>) &#x00FC;berzeugend entgegen:</p>
<disp-quote>
<p>Paulus war ein antiker und kein moderner Mensch. Manche Gegebenheiten der damaligen Gesellschaft hat er hingenommen und daher ebenso wenig wie seine Zeitgenossen &#x00FC;berlegt, ob die Einrichtung der Sklaverei h&#x00E4;tte beseitigt werden k&#x00F6;nnen. Der Einwurf einiger Kritiker lautet deshalb, Paulus habe nur darauf gesehen, dass der Mensch unter der Herrschaft der S&#x00FC;nde versklavt sei; doch habe er sich nicht gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeit im Zusammenleben der Menschen gewandt. Er h&#x00E4;tte aber erkennen m&#x00FC;ssen, dass gerade die Institution der Sklaverei eine offenbare Herrschaftsform der S&#x00FC;ndenmacht darstellt. Daher habe es nicht ausreichen k&#x00F6;nnen, dass er gegen diese grausame Ungerechtigkeit lediglich mit Liebe und br&#x00FC;derlicher Ermahnung anzugehen suchte.</p>
<p>Die Botschaft des Paulus richtet sich in der Tat nicht auf ein gesellschaftspolitisches oder gar revolution&#x00E4;res Programm, sondern er verk&#x00FC;ndigt das rettende Evangelium f&#x00FC;r alle, gleicherweise f&#x00FC;r Sklaven wie f&#x00FC;r Freie, f&#x00FC;r Herren und Knechte. Denn in Christus ist kein Unterschied zwischen ihnen; und die Schranken, die die verschiedenen St&#x00E4;nde in der Gesellschaft voneinander trennen, haben f&#x00FC;r die christliche Gemeinde ihre Bedeutung verloren. Mag es weiterhin im gesellschaftlichen Zusammenleben kleinere und auch gr&#x00F6;&#x00DF;ere Unterschiede zwischen den Menschen geben, so setzt Paulus darauf, dass von der Liebe, in der Herr und Sklave einander begegnen, wirksame Kraft ausgeht, so dass sie auch Institutionen zu ver&#x00E4;ndern und menschliche Gemeinschaft zu erneuern vermag. (S. 295)</p>
</disp-quote>
<p>Ferner ist es wichtig, die Aussagen in 1 Timotheus 2 im gr&#x00F6;&#x00DF;eren Zusammenhang der ethischen Aussagen und des Anliegens des Briefes zu sehen (den folgenden Gedanken verdanke ich Stemmler <xref ref-type="bibr" rid="CIT0031">2015</xref>). Ein Hauptanliegen ist die praktische Umsetzung des Glaubens, die hinsichtlich der Ethik auch auf gesellschaftliche Wertvorstellungen R&#x00FC;cksicht nimmt, sofern diese nicht im Widerspruch zum Evangelium stehen. Hier geht es um den gesamten Komplex der Fr&#x00F6;mmigkeit, also um eine Verehrung Gottes, die sich auf horizontaler Ebene &#x2013; neben den alttestamentlichen und fr&#x00FC;hj&#x00FC;dischen Vorgaben &#x2013; auch an den Kardinaltugenden der hellenistisch-r&#x00F6;mischen Gesellschaft von Ehre und Respekt orientiert.</p>
<p>In seiner Studie, <italic>The goal of our instruction: The structure of theology and ethics in the Pastoral Epistles</italic>, hat P.H. Towner (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0038">1989</xref>) gezeigt, dass dieses Ansinnen nicht mit vermeintlicher &#x2018;christlicher B&#x00FC;rgerlichkeit&#x2019; um ihrer selbst willen und mit Verweltlichung der Gemeinden gleichzusetzen ist. Ferner geht es bei dem geforderten &#x2018;Leben in aller Stille&#x2019; (1 Tim 2:2) nicht um R&#x00FC;ckzug aus der Gesellschaft und um die Vermeidung von Unannehmlichkeiten und Verfolgung. Vielmehr wird dieses geforderte Verhalten mit einem missionarischen Anliegen begr&#x00FC;ndet: durch ein r&#x00FC;cksichtsvolles Verhalten soll der Evangelisation und der Annahme des Evangeliums nichts im Weg stehen.</p>
<p>In diesen Rahmen sind die Anweisungen an die Frauen zumindest <italic>auch</italic> einzuordnen.<xref ref-type="fn" rid="FN0037"><sup>37</sup></xref> Von ihnen wird ein Verhalten gefordert, das im damaligen gesellschaftlichen Kontext als angemessen empfunden wurde und damit nicht der Verk&#x00FC;ndigung des Evangeliums im Weg stand.<xref ref-type="fn" rid="FN0038"><sup>38</sup></xref> Die Forderungen in 1 Timotheus 2:11&#x2013;15 entsprechen den damaligen gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Heute muss man fragen, ob die strikte Orientierung an damaligen Vorstellungen von angemessenem Verhalten von Frauen dem Anliegen des Briefs noch gerecht wird, oder heute &#x2013; zumindest in bestimmten Kontexten &#x2013; eher kontraproduktiv ist. In Kulturkreisen, deren Vorstellungen von angemessenem Verhalten von Frauen in der &#x00D6;ffentlichkeit weitgehend mit den antiken Wertvorstellungen &#x00FC;bereinstimmen, d&#x00FC;rfte dies der Fall sein. In Kulturkreisen, die von anderen Vorstellungen gepr&#x00E4;gt sind (teilweise auch als Wirkungsgeschichte biblischer Werte!), k&#x00F6;nnte das im 1 Timotheusbrief geforderte Verhalten, gerade das Gegenteil bewirken: in westlichen Kulturen, die auf Gleichstellung und Gleichberechtigung Wert legen, d&#x00FC;rfte die strikte, undifferenzierte Einhaltung und das Hochhalten der Forderungen in 1 Timotheus 2:12 bei Frauen und M&#x00E4;nnern eher Verst&#x00E4;ndnislosigkeit und Vorbehalte gegen&#x00FC;ber dem Evangelium ausl&#x00F6;sen, als dass sie zum Glauben kommen.</p>
<p>Freilich ist bei diesem Gedankengang zu ber&#x00FC;cksichtigen, dass ganz verschiedene kulturelle Vorstellungen dar&#x00FC;ber bestehen, worin das angemessene &#x00F6;ffentliche Verhalten von Frauen und M&#x00E4;nnern besteht. Diese Unterschiede beziehen sich nicht nur auf Minderheiten und die Mehrheitsgesellschaft, sondern auch auf unterschiedliche Str&#x00F6;mungen innerhalb der Mehrheitsgesellschaften.</p>
<p>Spannend und wichtig ist die Frage, nach welchen Prinzipien Christen in ihrer Lehre und Ethik &#x00FC;ber die expliziten Aussagen der Schrift hinausgehen. Zun&#x00E4;chst m&#x00FC;ssen sie sich eingestehen, dass dies tats&#x00E4;chlich passiert, schon deshalb, weil die Schrift zu vielen Fragen, die sich aus moderner Wissenschaft und Technik ergeben, keine direkten Aussagen macht. Ferner m&#x00FC;ssen sie sich selbst, anderen Christen, aber auch ihrem gesellschaftlichen Umfeld dar&#x00FC;ber Rechenschaft geben, nach welchen Prinzipien sie dabei entscheiden, damit nicht der Eindruck entsteht, dass lediglich Willk&#x00FC;r, pers&#x00F6;nliche Vorlieben, der jeweilige Zeitgeist oder eine konservative Grundhaltung unreflektiert die Feder und Lippen f&#x00FC;hren. Wichtige Hinweise bietet das B&#x00FC;chlein von I. Howard Marshall, <italic>Beyond the Bible: Moving from Scripture to theology</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0022">2004</xref>).</p>
<p>Ein m&#x00F6;glicher Ansatz auf dieser Linie liegt in der Beobachtung, dass der 1 Timotheusbrief gro&#x00DF;en Wert auf die (richtige) Verk&#x00FC;ndigung des Evangeliums und das evangelistische Zeugnis der Christen in ihrer Umwelt legt. Die Aussagen zur angemessenen Kleidung von Frauen (oben) zeigen, dass der Ruf der Gemeinde und ihrer Mitglieder von entscheidender Bedeutung f&#x00FC;r ihr missionarisches Zeugnis war.<xref ref-type="fn" rid="FN0039"><sup>39</sup></xref> Nichtchristen, denen das Verhalten der Christen nicht verborgen bleibt, sind immer wieder im Blick (vgl. 1 Tim 3:7; 5:14; 6:1; vgl. im Detail Lippert <xref ref-type="bibr" rid="CIT0019">1968</xref>:17&#x2013;47, 57&#x2013;60, 142&#x2013;180). Wenn man von dieser Beobachtung herkommt und dem <italic>Anliegen</italic> des 1 Timotheusbriefs (und anderer neutestamentlicher Schriften), das Evangelium mit Worten und Taten zu bezeugen, gerecht werden will, k&#x00F6;nnte dies heute auch bedeuten, im Detail einen anderen Weg einzuschlagen als damals vorgegeben. Damals hat ein Lehrverbot f&#x00FC;r Frauen zumindest auch dazu gedient, den gesellschaftlichen Ma&#x00DF;st&#x00E4;ben zu entsprechen und durch eine andere, missverst&#x00E4;ndliche Praxis Au&#x00DF;enstehende nicht zu verwirren oder ihnen gar etwas zu signalisieren, was gegen damalige (auch christliche) Moralvorstellungen versto&#x00DF;en h&#x00E4;tte. Doch wie wirken diese Forderungen heute? Zumindest in einem von westlicher Kultur gepr&#x00E4;gten Kontext d&#x00FC;rften heute Au&#x00DF;enstehende, M&#x00E4;nner wie Frauen, die an einer christlichen Versammlung teilnehmen (aber auch Christinnen und Christen) eher durch ein Lehrverbot gegen&#x00FC;ber Frauen irritiert sein und Ansto&#x00DF; nehmen, als durch Frauen, die sich &#x2013; wie M&#x00E4;nner auch &#x2013; in Demut vor Gott und mit dem Ziel der Erbauung aller Anwesenden an der Gestaltung eines Gottesdienstes oder des Gemeindelebens beteiligen. Damit w&#x00FC;rde man zwar nicht dem Wortlaut, aber dem Anliegen des 1 Timotheusbriefs durchaus entsprechen.</p>
<p>Zu den im 21. Jahrhundert grundlegend <italic>anderen</italic> Bedingungen als zur Zeit des Neuen Testaments, die einen anderen Zugang erfordern (siehe oben), geh&#x00F6;ren neben den ver&#x00E4;nderten gesellschaftlichen Rollen von Frauen und M&#x00E4;nnern (jenseits aller Gender-Ideologien unterschiedlicher Auspr&#x00E4;gung) auch Ver&#x00E4;nderungen der gemeindlichen Bedingungen. Die Zahl der M&#x00E4;nner und Frauen, die sich heute um die dem 1 Timotheusbrief so wichtige &#x2018;gesunde Lehre&#x2019; bem&#x00FC;hen, ist gering. Ebenso gering ist die Zahl derer, die f&#x00E4;hig und willens sind, Lehre zu durchdringen und weiterzugeben. Freilich betrifft das nicht nur die potentiellen Lehrer und Lehrerinnen: viele Gemeinden sind weitgehend zu erlebnis- und gef&#x00FC;hlsorientierten &#x2018;Lehre-freien&#x2019; Zonen geworden, in denen auch die Bibel keine herausragende Rolle mehr spielt. Als Ausdruck einer individualisierten &#x2018;<italic>patch-work</italic>&#x2019; Lehre und Spiritualit&#x00E4;t legen sich viele selbst zurecht, was sie glauben und leben wollen. Die brennende Frage ist heute vielleicht weniger, <italic>wer</italic> lehren darf und wer nicht, sondern wie &#x00FC;berhaupt Lehre vermittelt werden kann und darf. Zugleich gibt es ein Verlangen nach lebenspraktischer biblischer Lehre in attraktivem Gewand. Dass die amerikanische Fernsehpredigerin Joyce Meyer sich mit ihren Sendungen seit Jahren gro&#x00DF;er Beliebtheit erfreut, zeigt neben dem zu begr&#x00FC;&#x00DF;enden doch vorhandenen Bed&#x00FC;rfnis nach Lehre auch die Defizite in vielen Gemeinden jeglicher Pr&#x00E4;gung.</p>
<p>Ein Letztes: Es ist schlichtweg einseitig, wenn 1 Timotheus 2:8&#x2013;15 beziehungsweise der ganze Brief (oder schlimmstenfalls das ganze Corpus Paulinum) auf das Lehrverbot in 1 Timotheus 2:12 reduziert wird, &#x00FC;ber das sich trefflich streiten l&#x00E4;sst und an dem <italic>man</italic> und <italic>frau</italic> sich abarbeiten k&#x00F6;nnen. Damit &#x00FC;bersehen, vernachl&#x00E4;ssigen und entsch&#x00E4;rfen <italic>man</italic> und <italic>frau</italic> wichtige positive, herausfordernde Aussagen. Dies gilt nicht nur f&#x00FC;r diesen Abschnitt, sondern f&#x00FC;r die Debatte um die Rolle von Frauen unter konservativen Christen: bei verbissener Konzentration auf wenige Bereiche, in denen das Neue Testament die Rolle von Frauen einschr&#x00E4;nkt, hat man zuweilen die F&#x00FC;lle dessen &#x00FC;bersehen, was Frauen tun d&#x00FC;rfen und tun sollen und Frauen wenig ermutigt und gef&#x00F6;rdert.<xref ref-type="fn" rid="FN0040"><sup>40</sup></xref> Wer unter Berufung auf die Bibel Frauen kleinmacht, kleinh&#x00E4;lt und an ihrer Entfaltung hindert, vers&#x00FC;ndigt sich.</p>
<p><italic>M&#x00E4;nner</italic> sollten sich <italic>nicht</italic> in erster Linie f&#x00FC;r das Lehrverbot f&#x00FC;r die Frauen und dessen genaue Einhaltung interessieren, es vehement einfordern und zum Pr&#x00FC;fstein aller &#x2018;Bibeltreue&#x2019; machen, sondern sich nach 1 Timotheus 2 auf ihre Heiligung, ihr Gebetsleben und die charakterliche Ver&#x00E4;nderung in das Bild Jesu konzentrieren. Hier liegt die explizite Aufforderung an christliche M&#x00E4;nner. Sie werden damit gen&#x00FC;gend zu tun haben, dass sie <italic>heilige</italic> H&#x00E4;nde aufheben k&#x00F6;nnen (ein ganzheitlich geheiligtes Leben), ohne Zorn (hier geht es um einen durch Gottes Geist ver&#x00E4;nderten Charakter; vgl. Gal 5:18&#x2013;26!) und die gedanklich geheiligte Durchdringung des Glaubens. Diese Aufforderungen sind an Aktualit&#x00E4;t kaum zu &#x00FC;berbieten.</p>
<p>Zumindest h&#x00E4;tten diese Aufforderungen an die M&#x00E4;nner genauso viel Recht darauf, zum Kriterium f&#x00FC;r &#x2018;Bibeltreue&#x2019; bei M&#x00E4;nnern erhoben zu werden wie das Lehrverbot bei Frauen. Ferner sollten M&#x00E4;nner darauf bedacht sein, selbst christliche Lehre zu durchdringen und sie korrekt und verst&#x00E4;ndlich in attraktiver Form weiterzugeben. Das Lehrverbot f&#x00FC;r Frauen ist eine indirekte Aufforderung an entsprechend begabte M&#x00E4;nner, mit Engagement zu lehren.</p>
<p><italic>Frauen</italic> sollten sich nicht in erster Linie am Lehrverbot und seiner Begr&#x00FC;ndung reiben. In einer Zeit, in der &#x00E4;u&#x00DF;erer Schein immer wichtiger wird und Frauen teilweise auf ihre Figur und ihr Geschick (bzw. finanzielle M&#x00F6;glichkeiten) in &#x2018;Haarflechten, Gold und Perlen&#x2019; reduziert werden (bei gleichzeitigem enormen gesellschaftlichem Druck sich zu verwirklichen und Leistung zu bringen), zeigen die Aufforderungen in 1 Timotheus 2 einen befreienden Weg auf, <italic>wesentlich</italic> im besten Sinne des Wortes zu werden. Mit der richtigen Aktualisierung bietet der Abschnitt ein Programm, das Orientierung gibt und Mut machen kann, aus dem gegenw&#x00E4;rtigen &#x00FC;berzogenen Anforderungsprofil f&#x00FC;r Frauen auszusteigen und vom Evangelium her ganzheitliche Alternativen zu leben. Bei beiden Themen sind Angebote f&#x00FC;r M&#x00E4;nner und Frauen gefragt, die sich nicht auf gemeinsames Grillen oder diverse Verw&#x00F6;hn- und Selbstfindungsangebote beschr&#x00E4;nken.</p>
</sec>
<sec id="s0009">
<title>Epilog</title>
<p>Die urspr&#x00FC;ngliche Fassung dieses Aufsatzes endete schulmeisterlich mit den letzten S&#x00E4;tzen der obigen Zusammenfassung. Nach dem <italic>peer review</italic> Verfahren m&#x00F6;chte ich meine eigenen abschlie&#x00DF;enden &#x00DC;berlegungen in ungew&#x00F6;hnlicher Weise durch zwei l&#x00E4;ngere Zitate reflektieren, die ich nicht kommentieren werde. Durch meine Themenwahl und die einzelnen Ausf&#x00FC;hrungen werden aufmerksame Leserinnen und Leser mich als Autor ohne gr&#x00F6;&#x00DF;ere M&#x00FC;he in der theologischen und kirchlichen Landschaft verorten k&#x00F6;nnen. Da auch Exegeten in einem bestimmten Kontext arbeiten und Biografie und Theologie eng miteinander verbunden sind, &#x00FC;berrascht dies nicht.</p>
<p>Abschlie&#x00DF;end m&#x00F6;chte ich ausf&#x00FC;hrlicher aus einem der anonymen Gutachten des <italic>peer review</italic> Verfahrens zitieren, um zu zeigen, wie meine Ausf&#x00FC;hrungen verstanden werden k&#x00F6;nnen und in welchem Ma&#x00DF; bei diesem und anderen Themen Pr&#x00E4;gung und Pr&#x00E4;missen bis in die Sprache hinein federf&#x00FC;hrend sein k&#x00F6;nnen. Die anonyme Gutachterin beziehungsweise der Gutachter (Anonymous <xref ref-type="bibr" rid="CIT0002">2019b</xref>) schreibt:</p>
<disp-quote>
<p>Feminist scholarship is treated with the same dualistic critical style as the other scholarship. The lack of suspicion with regard to power is visible in the patronizing language of the solution: &#x2018;men should&#x2019;, &#x2018;men should not [&#x2026;]&#x2019;, &#x2018;men should teach and nurture women to [&#x2026;]&#x2019;, &#x2018;women should not&#x2019; take exception at this text, but &#x2018;women should see in this a liberating way&#x2019; for them (<italic>einen befreienden Weg</italic>). The point of a wholly alternative lifestyle to that of power wielding men or vainglorious women is valid. However, without a hermeneutics of suspicion with regard to power and the gender roles dictated by ancient and contemporary cultures respectively, the &#x2018;solution&#x2019; comes across as moralistic and patronizing. The point that those who make and keep women small and hinder their flourishing, sins against the gospel of Jesus Christ, is valid. The language of the article, however, never overcomes the dualism man/woman, power/powerless (the one who must be &#x2018;<italic>ermutigt, gef&#x00F6;rdert</italic>&#x2019;, taught), in which the man remains the patronizing powerful giver of good gifts and women the grateful passive receivers of male magnanimity. Not even in the &#x2018;solution&#x2019; to the research problem does the language portray people as human beings across the board. The dualisms remain. They are just sugar-coated. [&#x2026;] This article leaves me as a feminist scholar rather uncomfortable despite its best efforts to change the injustice done to women in the name of the Bible.</p>
</disp-quote>
<p>Vielen Dank an die Autorin oder den Autor dieser Zeilen. Dass mit dieser Kritik etwas Unterschwelliges und dennoch Wesentliches in meinen &#x00DC;berlegungen benannt wird, das weiterer Reflektion bedarf, best&#x00E4;tigt auch die R&#x00FC;ckmeldung einer Kollegin aus meinem Kontext, die die obigen Zeilen aus dem akademischen Gutachten wie folgt kommentierte (Anonym <xref ref-type="bibr" rid="CIT0001">2019a</xref>):</p>
<disp-quote>
<p>Ja, das ist das, was ich schon &#x00F6;fter versucht habe in Worte zu fassen, aber nie so richtig erkl&#x00E4;ren konnte: Ich kenne viele Evangelikale (und auch solche, die sich nie Evangelikal nennen w&#x00FC;rden), die sich sehr klar f&#x00FC;r Frauen, ihre Aufgaben und Positionen usw. einsetzen, die aber gleichzeitig in ihrer Sprache (das betrifft auch Frauen selber) den im Text genannten paternalistischen Dualismus anwenden. Niemals k&#x00F6;nnte man &#x00FC;ber diese M&#x00E4;nner und Frauen sagen, sie w&#x00FC;rden Frauen klein machen o.&#x00E4;. Und man f&#x00FC;hlt sich als Frau sogar sehr angenommen und unterst&#x00FC;tzt. Trotzdem ist da gleichzeitig ein Ungleichgewicht, das ich auch immer wieder gesp&#x00FC;rt habe und wo ich mich bei manchen Menschen dann auch unwohl gef&#x00FC;hlt habe. Vermutlich sind es diese sprachlichen Wendungen, die einem gar nicht auffallen, weil man sie gewohnt ist und weil sie ja freundlich und geborgen klingen, die das bewirken.</p>
</disp-quote>
</sec>
</body>
<back>
<ack>
<title>Zurkenntnisnahme</title>
<sec id="s20010" sec-type="COI-statement">
<title>Konkurierende Interessen</title>
<p>Der Verfasser erkl&#x00E4;rt hiermit, da&#x00DF; er keinerlei finanzielle oder pers&#x00F6;nliche Bindung hat, die ihn zweckwidrig beim Schreiben dieses Artikels beeinflusste.</p>
</sec>
<sec id="s20011">
<title>Ethische &#x00DC;berlegungen</title>
<p>Dieser Artikel beachtete alle ethischen Ma&#x00DF;st&#x00E4;be f&#x00FC;r die Forschung ohne jegliche Ber&#x00FC;hrung mit menschlichen Subjekten.</p>
</sec>
<sec id="s20012">
<title>Finanzierung</title>
<p>Diese Forschung erhielt keine Subvention vom &#x00F6;ffentlichen, kommerziellen oder gemeinn&#x00FC;tzigen Sektor.</p>
</sec>
<sec id="s20013">
<title>Erkl&#x00E4;rung zur Datenverf&#x00FC;gbarkeit</title>
<p>Die gemeinsame Nutzung von Daten gilt nicht f&#x00FC;r diesen Artikel, da in dieser Studie keine neuen Daten erstellt oder analysiert wurden.</p>
</sec>
<sec id="s20014">
<title>Haftungsausschluss</title>
<p>Die in diesem Artikel ge&#x00E4;u&#x00DF;erten Ansichten und Meinungen sind die des Autoren und spiegeln nicht unbedingt die offizielle Meinung oder Position einer angegliederten Agentur wider.</p>
</sec>
</ack>
<ref-list id="references">
<title>Literaturverzeichnis</title>
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<fn><p><bold>How to cite this article:</bold> Stenschke, C.W., 2019, &#x2018;&#x201C;Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre&#x201D; (1 Timotheus 2:12): Exegese &#x2013; Hermeneutik &#x2013; Kirche&#x2019;, <italic>HTS Teologiese Studies/Theological Studies</italic> 75(3), a5364. <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://doi.org/10.4102/hts.v75i3.5364">https://doi.org/10.4102/hts.v75i3.5364</ext-link></p></fn>
<fn><p><bold>Note:</bold> The collection entitled &#x2018;Eben Scheffler Festschrift&#x2019;, sub-edited by Jurie H. le Roux (University of Pretoria) and Christo Lombaard (University of South Africa).</p></fn>
<fn id="FN0001"><label>1</label><p>Dass es sich um einen komplexen Begriff handelt, zeigen Rosenau und Herms (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0029">2004</xref>:990&#x2013;992). Man spricht daher besser von Sch&#x00F6;pfungsabfolge oder Sch&#x00F6;pfungsreihenfolge.</p></fn>
<fn id="FN0002"><label>2</label><p>Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>); knapper &#x00DC;berblick auf Seite 291&#x2013;292. Blomberg schlie&#x00DF;t mit der Feststellung, es g&#x00E4;be &#x2018;<italic>no examples of women in the position of the ongoing authoritative teaching of God&#x2019;s word</italic>&#x2019; (S. 292). Vergleiche auch die ausf&#x00FC;hrliche Darstellung der Bedeutung und Aktivit&#x00E4;ten von Frauen in der Mission des Paulus von K&#x00F6;stenberger (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0016">2000</xref>:221&#x2013;247).</p></fn>
<fn id="FN0003"><label>3</label><p>Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:312). Der detaillierte Kommentar von Marshall (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0021">1999</xref>:436&#x2013;471) fasst jeweils die in der Auslegungsgeschichte vertretenen unterschiedlichen Positionen zusammen.</p></fn>
<fn id="FN0004"><label>4</label><p>Vergleiche etwa Carson und Moo (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0008">2010</xref>:671&#x2013;698); von den Kommentaren Johnson (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0014">2001</xref>) und Towner (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0039">2006</xref>:9&#x2013;88); vergleiche ferner Metzger (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0026">2003</xref>) und Reicke (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0027">2001</xref>). Neuere Literatur bei Barentsen (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0003">2011</xref>), Klinker-De Klerk (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0015">2013</xref>), Thiessen (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0036">2016</xref>), Walker (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0044">2012</xref>), Wilder (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0045">2010</xref>), und Van Houwelingen (im Druck). Zur Bedeutung von stilistischen Unterschieden vergleiche Baum (im Druck) und Van Nes (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0042">2017</xref>). Van Nes (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0042">2017</xref>) schlie&#x00DF;t, dass die Sprache der Pastoralbriefe nicht so eigenartig ist, wie gemeinhin angenommen wird. Daher sollten linguistische Argumente nicht l&#x00E4;nger gegen die Abfassung durch Paulus ins Feld gef&#x00FC;hrt werden. Die Diskussion sollte sich daher auf die theologischen und historischen Eigenarten der Pastoralbriefe konzentrieren.</p></fn>
<fn id="FN0005"><label>5</label><p>Trebilco (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0040">2004</xref>:53&#x2013;196) bietet eine gute Untersuchung aller Hinweise der Paulusbriefe und der Apostelgeschichte auf das Wirken des Paulus in Ephesus.</p></fn>
<fn id="FN0006"><label>6</label><p>Diese Annahme d&#x00FC;rfte auch f&#x00FC;r andere, sp&#x00E4;tere Verfasser gelten, die in der Forschung diskutiert werden.</p></fn>
<fn id="FN0007"><label>7</label><p>Hier ist die Verfasserfrage eng mit der Frage nach der Datierung verbunden. Bei Paulus als Verfasser ist der Brief zu dessen Lebzeiten (soweit bekannt) zu datieren (vor Mitte der 60er Jahre). Bei anderen Bestimmungen sind Datierungen bis sp&#x00E4;t ins 1. Jahrhundert beziehungsweise ins fr&#x00FC;he 2. Jahrhundert m&#x00F6;glich und werden vertreten.</p></fn>
<fn id="FN0008"><label>8</label><p>Dies gilt ganz unabh&#x00E4;ngig von der Frage, welche Implikationen dieser Text heute hat, wenn Menschen in demokratischen L&#x00E4;ndern aufgefordert sind, das politische Leben aktiv und passiv mitzugestalten. Wird man dann der Forderung des Paulus nur mit regelm&#x00E4;&#x00DF;igem oder gelegentlichem Gebet f&#x00FC;r die Obrigkeit unter diesen Umst&#x00E4;nden gerecht?</p></fn>
<fn id="FN0009"><label>9</label><p>Dabei ist nicht ganz klar, ob es sich um Anweisungen f&#x00FC;r Timotheus handelt, die er M&#x00E4;nnern und Frauen lehren soll, oder ob die M&#x00E4;nner und Frauen auch direkt mit angesprochen werden. Der Abschlussgru&#x00DF; in der Mehrzahl, &#x2018;Die Gnade sei mit euch!&#x2019; in 1 Timotheus 6:21, deutet an, dass sich der Brief nicht nur an Timotheus wendet. Vor der versammelten Gemeinde soll Timotheus h&#x00F6;ren, wozu ihn Paulus eingesetzt und autorisiert hat. Wenn Timotheus sich an diese Anweisungen h&#x00E4;lt und seinen Dienst entsprechend versieht, steht die ganze Autorit&#x00E4;t des Apostels hinter seinem Dienst. Die konkreten Inhalte des geforderten Verhaltens kann Paulus bei dem Empf&#x00E4;nger (als seinem langj&#x00E4;hrigen Mitarbeiter) beziehungsweise den Empf&#x00E4;ngern (nach dem langen und intensiven Wirken in Ephesus) anscheinend als bekannt voraussetzen, so dass es keiner Erl&#x00E4;uterung im Detail bedarf. Diese Voraussetzung erschwert die Auslegung.</p></fn>
<fn id="FN0010"><label>10</label><p>Dabei geht es weniger um Frisuren und Schmuck allgemein, sondern die Kombination von aufw&#x00E4;ndigen Frisuren, in die Goldschmuck und Perlen eingeflochten sind. Nach Winter (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0048">2003</xref>): [<italic>A</italic>]n emphasis on external suggests a desire to attract attention to oneself, perhaps to seduce. The evidence does show that a woman so dressed certainly sent signals to all who saw her. [&#x2026;] Rather the Christian matron&#x2019;s modesty was set against the antithetical behaviour of the promiscuous wife in the public place. The public perception of Christian wives was a critical matter in the community; they would play into the hands of the enemy of the early Christian movement in Ephesus if they dressed like high-class prostitutes. The dress code was proscribed in 2:9b because it sent signals of a lack of moral respectability and sexual availability to those at banquets, other social gatherings or in the public spaces which women frequented, including theatres. 1 Timothy 2:9a seeks an adornment of the female virtues of modesty and self-control coupled with good deeds rather than the wrong attire (S. 121).</p></fn>
<fn id="FN0011"><label>11</label><p>Hier sind die anderen Vorkommen von Frauen und ihrem Verhalten im Brief zu ber&#x00FC;cksichtigen, etwa 1 Timotheus 3:11; 4:3 und 5:3&#x2013;16.</p></fn>
<fn id="FN0012"><label>12</label><p>Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>): Thus the inappropriateness of the behaviour proscribed in vv. 9 and 10 remains as timeless as that in v. 8. Nothing in these first three verses, any more than the historical or literary context, suggests that we are dealing with merely situation-specific issues (S. 314).</p></fn>
<fn id="FN0013"><label>13</label><p>Die &#x00E4;hnlich absoluten Aussagen zur staatlichen Gewalt und zur geforderten Unterordnung von Christen in R&#x00F6;mer 13:1&#x2013;7 haben eine lange und differenzierte Wirkungsgeschichte ausgel&#x00F6;st; vergleiche die Zusammenfassung bei Wilckens (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0046">1989</xref>:43&#x2013;66).</p></fn>
<fn id="FN0014"><label>14</label><p>So Gl&#x00FC;ck (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0010">2010</xref>:264).</p></fn>
<fn id="FN0015"><label>15</label><p>Der Gebrauch des Alten Testaments im Neuen Testament ist einer der gegenw&#x00E4;rtigen Schwerpunkte der Bibelwissenschaften; vergleiche den &#x00DC;berblick bei Beale und Carson (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0006">2007</xref>).</p></fn>
<fn id="FN0016"><label>16</label><p>Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:285) spricht von einem bemerkenswerten Konsens dass: [<italic>I</italic>]f these opening chapters of the Bible do not demonstrably promote a hierarchy of authority of the man over the woman, they at least leave open the door for such an interpretation.</p></fn>
<fn id="FN0017"><label>17</label><p>Dabei m&#x00FC;ssen die neutestamentlichen Autoren zun&#x00E4;chst an der Schriftauslegung ihrer Zeit gemessen werden, nicht an heutigen Ma&#x00DF;st&#x00E4;ben.</p></fn>
<fn id="FN0018"><label>18</label><p>Vergleiche Haacker (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0012">2012</xref>:140&#x2013;148). Wer die Argumentation in 1 Timotheus 2 bez&#x00FC;glich Eva f&#x00FC;r nicht haltbar h&#x00E4;lt, sollte erkl&#x00E4;ren k&#x00F6;nnen, warum &#x2018;durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten werden&#x2019; (R&#x00F6;m 5,19).</p></fn>
<fn id="FN0019"><label>19</label><p>So die dritte der von Marshall (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0021">1999</xref>:469) angef&#x00FC;hrten M&#x00F6;glichkeiten. Eine Parallele mag darin liegen, dass Adam und Eva, bevor sie unwiederbringlich aus dem Paradies vertrieben werden, noch von Gott in seiner F&#x00FC;rsorge auch f&#x00FC;r gefallene Menschen eingekleidet werden.</p></fn>
<fn id="FN0020"><label>20</label><p>Dies wird von vielen Auslegern vertreten, etwa Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:312): &#x2018;&#x201C;<italic>Saved&#x201D; will then refer to eschatological salvation, that is the culmination of the process of restoring the cosmos to God&#x2019;s intended ideas</italic>&#x2019; (mit Verweis auf den Gebrauch von &#x2018;retten&#x2019; in 1 Tim 4;16, 18); vergleiche auch Marshall (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0021">1999</xref>:468&#x2013;470).</p></fn>
<fn id="FN0021"><label>21</label><p>Ansonsten w&#x00FC;rde gelten, dass Paulus andeutet, dass die Aussagen der ersten Kapitel der Bibel nicht in Stein gemei&#x00DF;elt sind und nicht als Gesamtpaket ihre Bedeutung behalten: w&#x00E4;hrend er an der Vorrangstellung des Mannes festh&#x00E4;lt (als Erstgeschaffener und wegen des Betrugs an Eva &#x2013; dar&#x00FC;ber, nach welchen Kriterien Paulus diese Entscheidung trifft, gibt er keine Rechenschaft), sind andere Aspekte der Geschichte des S&#x00FC;ndenfalls in Christus aufgehoben.</p></fn>
<fn id="FN0022"><label>22</label><p>Paulus macht hier eine allgemeine Aussage. Er gibt keine Garantie, dass alle (gl&#x00E4;ubigen) Frauen aller Zeiten die Geburt ihrer Kinder &#x00FC;berstehen werden.</p></fn>
<fn id="FN0023"><label>23</label><p>Stibbs (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0034">1980</xref>). Hier wird eine bestimmte Rekonstruktion einer oder der Irrlehren in Ephesus vorausgesetzt, gegen die sich Paulus mit diesen Aussagen explizit wenden w&#x00FC;rde. Im Text findet sind kein direkter Bezug. Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>) fasst den Gedankengang wie folgt zusammen: &#x2018;Women are not to hold the authoritative teaching position in the church because that is not a role for which they were created. Moreover, things subsequently deteriorated for the woman, after creation, when she fell, through the deception of the serpent. But there is a bright side [&#x2026;] Women, collectively, will be preserved/restored as they exercise in a godly fashion their distinctive role of rearing children&#x2019; (S. 322).</p></fn>
<fn id="FN0024"><label>24</label><p>Vergleiche Trebilco (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0040">2004</xref>:197&#x2013;236) (&#x2018;<italic>What do the Pastoral Epistles tell us about the early Christians in Ephesus?</italic>&#x2019;).</p></fn>
<fn id="FN0025"><label>25</label><p>&#x00DC;berblick bei Ellis (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0009">1993</xref>:662&#x2013;663) und Sumney (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0035">2005</xref>:39&#x2013;42). Detailliert bei Trebilco (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0040">2004</xref>:209&#x2013;233).</p></fn>
<fn id="FN0026"><label>26</label><p>Vergleiche die Analyse des Umgangs des Paulus mit der Situation vor Ort in den Pastoralbriefen bei Trebilco (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0040">2004</xref>:354&#x2013;384).</p></fn>
<fn id="FN0027"><label>27</label><p>Vergleiche den &#x00DC;berblick bei Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>) auf dem Stand von 2003. Seitdem ist die Debatte im englischen Sprachraum deutlich abgeebbt. Die vorliegenden Thesen wurden teilweise weiter differenziert und ausgearbeitet, ohne dass sich wesentliche neue Perspektiven ergeben haben. F&#x00FC;r den deutschen Kontext vergleiche etwa Merz (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0023">2004</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="CIT0024">2012</xref>).</p></fn>
<fn id="FN0028"><label>28</label><p>(Blomberg <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:283); vergleiche die von Blomberg bei seiner Auslegung herangezogene Literatur (312&#x2013;324).</p></fn>
<fn id="FN0029"><label>29</label><p>So die von Kroeger und Kroeger vertretene These, Zusammenfassung bei Marshall (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0021">1999</xref>:457): &#x2018;Kroeger has depended upon the word-group&#x2019;s associations in some cases with violence, murder and erotic seductive power, and attempted to see in it a reference to practices associated with the heresy, possibly showing the influence of the Artemis cult. This led her first to the conclusion that the term means &#x201C;to engage in fertility cults&#x201D; (1979; see the criticisms in Panning and Osburn) and finally to the meaning &#x201C;to proclaim oneself the author or originator of another&#x201D; (Kroeger &#x0026; Kroeger <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">1992</xref>:87&#x2013;104). Though ideas of &#x201C;authorship&#x201D; and &#x201C;origination&#x201D; can be linked to the word-group (cf. 2 Cl 14:3), it is hard to see how the verb can be understood to mean &#x201C;to proclaim oneself&#x201D; (vgl. auch S. 459).&#x2019;</p></fn>
<fn id="FN0030"><label>30</label><p>Winter (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0048">2003</xref>) schlie&#x00DF;t: &#x2018;The immediate context of these verses is that of learning and teaching. The deciphering of the dress codes and its coded use in the previous section have gone a substantial way in locating the social <italic>Sitz im Leben</italic>. This latter section shows the public role of some women engaged in the public place and some form of social or intellectual control on the part of some. The cumulative evidence on the new women helps in the choice of the meaning of the term <italic>authenteo</italic> (2:11&#x2013;12)&#x2019; (S.119).</p></fn>
<fn id="FN0031"><label>31</label><p>Kroeger and Kroeger (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">1992</xref>); knappe Zusammenfassung und Einsch&#x00E4;tzung bei Marshall (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0021">1999</xref>:459) (&#x2018;<italic>This reconstruction of the Ephesian background is highly conjectural&#x2019;</italic>).</p></fn>
<fn id="FN0032"><label>32</label><p>Knapp bei Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:313); vergleiche auch Baugh (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0004">1995</xref>:15&#x2013;32). Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:313) fasst die Kritik wie folgt zusammen: &#x2018;Careful study of the ancient sources has demonstrated, however, that the Kroegers have culled information from numerous unrelated documents spanning a period of several centuries before to several centuries after the time of Paul and that they have made numerous unwarranted inferences from very slender data. The relevant Gnostic literature is no earlier than the third Century A.D., and the pre-Christian information on the Artemis cult does not allow one to relativize 1 Tim 2:13&#x2013;14 as responding to specific mythological claims.&#x2019; Vergleiche auch das Ergebnis von Gritz (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0011">1991</xref>:157&#x2013;158).</p></fn>
<fn id="FN0033"><label>33</label><p>Winter (2000 &#x0026; 2003); Zusammenfassung nach Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>:288). Nach einem &#x00DC;berblick &#x00FC;ber die antiken Quellen (Winter <xref ref-type="bibr" rid="CIT0048">2003</xref>:1&#x2013;74) untersucht Winter auf diesem Hintergrund das Auftreten unverh&#x00FC;llter Ehefrauen in 1 Korinther 11:2&#x2013;16, die Erscheinung verheirateter Frauen in 1 Timotheus 2:9&#x2013;15, das Auftreten junger Witwen in 1 Timotheus 5:11&#x2013;15 und das Auftreten junger Ehefrauen in Titus 2:3&#x2013;5.</p></fn>
<fn id="FN0034"><label>34</label><p>Haslebacher (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0013">2012</xref>) untersucht im zweiten Teil die einzelnen Paulus-Stellen (77&#x2013;169), unter anderem 1 Timotheus 2:9&#x2013;15 (97&#x2013;122).</p></fn>
<fn id="FN0035"><label>35</label><p>Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>), selbst &#x00E4;u&#x00DF;ert sich dazu kritisch: &#x2018;Yet even this variation runs aground on Paul&#x2019;s appeals both to original creation and to re-creation in Christ as motives for his mandate. It may be time to admit that full-fledged egalitarianism is simply not the most likely synthesis of the biblical data within a historic Christian hermeneutic&#x2019; (S. 325&#x2013;326).</p></fn>
<fn id="FN0036"><label>36</label><p>Vergleiche etwa Lohse (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0020">1996</xref>): &#x2018;War Paulus zu wenig darum bek&#x00FC;mmert, dass viele seiner H&#x00F6;rer und Leser in &#x00E4;rmlichen und elenden Verh&#x00E4;ltnissen lebten, die dringend der Ver&#x00E4;nderung bedurften? Konnte er dar&#x00FC;ber hinwegsehen, dass das Los der Sklaven h&#x00E4;tte verbessert und ihnen die Freiheit gegeben werden sollen? Und hat er nicht bemerkt, dass die Stellung der Frau in der patriarchalisch geordneten Gesellschaft der Sp&#x00E4;tantike durch mancherlei Benachteiligungen belastet war? Kritische Fragen werden gestellt; des &#x00D6;fteren wird auch gegen den Apostel auf Defizite aufmerksam gemacht, deren bis heute sp&#x00FC;rbare Auswirkungen unbedingt korrigiert werden m&#x00FC;ssten&#x2019; (S. 294&#x2013;295).</p></fn>
<fn id="FN0037"><label>37</label><p>Vergleiche die Quellen in Sp&#x00E4;th und Wagner-Hasel (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0030">2006</xref>).</p></fn>
<fn id="FN0038"><label>38</label><p>Auch an anderen Stellen im Neuen Testament wird tats&#x00E4;chlich vorhandene, berechtigte Freiheit aus R&#x00FC;cksicht auf andere eingeschr&#x00E4;nkt, vergleiche etwa Apostelgeschichte 15; 1 Korintherbrief 8&#x2013;11 und R&#x00F6;mer 14:1&#x2013;15:13.</p></fn>
<fn id="FN0039"><label>39</label><p>Zur Bedeutung des missionarischen Zeugnisses und der Beziehungen zu Nichtchristen in den Pastoralbriefen vergleiche Lippert (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0019">1968</xref>) und Towner (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0038">1989</xref>, Zusammenfassung S. 250&#x2013;257; Ziel der Ermahnungen ist eindeutig das Interesse des Autors am evangelistischen Zeugnis der Gemeinde) und Stemmler (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0031">2015</xref>). Nach Stemmler geht es bei den ethischen Forderungen des Briefs nicht: &#x2018;[<italic>U</italic>]m eine hellenisierende Verflachung des Evangeliums zur sog. christlichen B&#x00FC;rgerlichkeit, sondern um ein missionarisches Anliegen, das durch einen respektablen Lebensstil unterst&#x00FC;tzt werden soll und dabei alle Menschen der Gesellschaft im Blick hat. [&#x2026;] Genauso, wie bei den Vorstehern und Diakonen zusammen mit (ihren) Frauen und Kindern, geht es auch in 1 Tim 2:9&#x2013;15 um einen Lebensstil der Frauen, der unter missionarischem Gesichtspunkt in der &#x00D6;ffentlichkeit keinen Ansto&#x00DF; f&#x00FC;r das Evangelium erregen soll&#x2019;. (91; vgl. S. 91&#x2013;96, 116, 119&#x2013;121, 132, 145). Stemmler (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0031">2015</xref>) schlie&#x00DF;t: &#x2018;Ziel der ethischen Anordnungen ist nicht ein unauff&#x00E4;lliges und angepasstes Leben vor einer nichtchristlichen-heidnischen Umwelt, sondern ein authentisches Glaubensleben, das aus missionarischer Zielsetzung der Gesellschaft gegen&#x00FC;ber ein ehrenwertes und respektw&#x00FC;rdiges Verhalten demonstriert, das den Respekt und die Achtung der &#x00D6;ffentlichkeit verdient, statt durch falsch verstandene christliche Freiheit die &#x00F6;ffentliche Ordnung zu st&#x00F6;ren und Widerstand zu provozieren&#x2019; (S. 152).</p></fn>
<fn id="FN0040"><label>40</label><p>Dazu schreibt Blomberg (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">2006</xref>) kritisch: &#x2018;Many hierarchicalists seem to be more preoccupied with keeping men in positions of authority than in nurturing women to become all that God wants them to be in the spirit of Paul&#x2019;s radically redefined patriarchy and consistent with biblical servant leadership more generally&#x2019; (S. 326).</p></fn>
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